Thorazitat – Parascha


„Wen Gott liebt, den bestraft Er“ (Sprüche des Königs Salomons 3. Kapitel, Satz 12)

Thora-Parascha

Sidra: Wajelech – Schabbat Schuwa
Lesung: 5. Mose 31:1 – 31:30
Haftara: Hoscheah 14:2 – 10 und Micha 7:18 – 20

Wajelech – Psalm 65
Bitte um Verzeihung

Im Wochenabschnitt Wajelech steht, dass Gott Mosche Rabbenu mitgeteilt hat, was in der Zukunft nach seinem Tod passieren wird: „Und der Ewige sprach zu Mosche: Siehe, du wirst bei deinen Vätern liegen, und aufstehen wird dies Volk und nachbuhlen den Göttern der Fremden des Landes, dahin es mitten unter sie kommt, und wird mich verlassen und brechen meinen Bund, den ich mit ihm geschlossen. Und erglühen wird mein Zorn über dasselbe an jenem Tage, und ich werde sie verlassen und mein Antlitz vor ihnen verbergen; und es wird zum Frasse werden, und viele Leiden und Not werden es treffen, dass es sprechen wird an jenem Tage: Ist es nicht darum, weil mein Gott nicht in meiner Mitte, dass diese Leiden mich treffen?“ (Dewarim 31,16 und 17). Rabbiner Hertz sieht in der Frage eine Anerkennung ihrer Schuld und die Erkenntnis, dass die Strafe berechtigt ist.

Allerdings nimmt Nachmanides an, dass das Volk den Weg der Umkehr nicht zu Ende gegangen war. Sonst wäre der folgende Vers kaum zu verstehen: „Ich aber werde mein Antlitz verbergen an jenem Tage ob all dem Bösen, das es verübt, weil es sich zu fremden Göttern hingewandt“ (Vers 18).

In Psalm 65 steht ein Vers, der uns lehrt, wie man den Ewigen um Verzeihung bitten sollte: „Missetaten überwältigen mich, unsere Vergehen, du sühne sie“ (Vers 4). Raschi erklärt: Wir schaffen es nicht, alle Vergehen zu  bekennen, denn es sind viele. Darum die Bitte um die Vergebung aller Missetaten. Im zitierten Psalmvers fällt ein Wechsel von der Einzahl zur Mehrzahl auf. A. Chacham meint, vielleicht sei hier angedeutet, dass ein Vorbeter zuerst die eigenen Sünden bekennt und dann die Vergehen des Volkes, so wie dies der Hohepriester am Jom Kippur im Tempel zu Jerusalem praktiziert hat.

Nach der Tabelle im Siddur Awodat Israel pflegte man Psalm 65 am Jom Kippur zu sagen. Möglicherweise hat Vers 4 diese Wahl mitbestimmt. (Von: Prof. Dr. Yizhak Ahren)

Sidra Wajelech, Schabbat Schuwa 

Ich aber werde zu jener Zeit mein Angesicht völlig verbergen wegen all des Bösen, das sie getan haben“ Dewarim 31, 18

Die Aussage, dass Gott sein Angesicht völlig verbergen wird (‘haster panim’) ist wohl eine der härtesten theologischen Knacknüsse. Gott verbirgt sein Angesicht nicht, wenn das Volk nur die Mizwot vernachlässigt, auch nicht, wenn es nur anderen Göttern dient, sondern erst wenn das Volk den Bund mit Gott annulliert. Die Schwierigkeit liegt in der Frage, ob nun jede Katastrophe als ein ‘haster panim’ Gottes ausgelegt werden kann. Es könnte als eine Art Erklärung dafür dienen, dass Gott, wenn man es am meisten erwarten würde, Sein Gesicht verbirgt, das heisst nicht eingreift. Dies würde bedeuten, dass der EWIGE die Welt, individuelle Menschen, das jüdische Volk mutwillig dem Schicksal überlässt. In diesem Gedankengang würde das ‘haster panim’ dem Bösen den Weg öffnen.
Sicher, wer Gott verlässt, wird Seine Anwesenheit wohl kaum erfahren. Wer nicht an Gott glaubt, kann Gott nicht beschuldigen, dass Er die Welt verlassen und dem Bösen freies Spiel gegeben habe. Wer hingegen glaubt, dass die Gegenwärtigkeit Gottes in der Welt sichtbar ist, da das Gute eine Belohnung für gutes und das Schlechte eine Strafe für schlechtes Benehmen der Menschen sei, steckt den freien Willen des Menschen zurück, da diejenigen, die Gutes oder Böses tun, Instrumente in Gottes Hand sind.
Für mich geht es um den Menschen, ungeachtet Konfession, Nationalität oder andere Zugehörigkeiten, und wie der individuelle Mensch sich einen Weg durch das Leben bahnt. Wem die Aussage Hillels: “Was von dir gehasst wird, tue deinem Nächsten nicht an“ (Talmud Bawli Schabbat 31a) zum Leitsatz wird, versperrt dem Bösen den Zugang in unsere Welt, in unsere Gesellschaft, in unsere Familie.
An diesem Schabbat zwischen Rosch Haschana und Jom Kippur werden wir aufgefordert, uns auf unser Benehmen zu besinnen.
Eine ‘haster panim’ ist für mich nicht die verborgene Göttlichkeit, sondern das Abwesend-
sein von Menschlichkeit.

Schabbat Schalom,
Rabbiner Ruven Bar Ephraim, JLG Zürich

Paraschat Haschawua



Kategorien:Gesellschaft

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