Das Ende der Arbeitspartei


Arbeitspartei-Chef Amir Peretz

Die einst so glorreiche sozialistisch-zionistische Bewegung hat ein schmachvolles Ende gefunden.

Die Fusion der Arbeitspartei mit der Meretz-Partei, die an diesem Montag stattfand, markiert das Ende der historischen zionistischen sozialistischen Parteien, denen die bemerkenswerte Leistung vorbehalten war, den zionistischen Traum in eine jüdische Staatsrealität umzuwandeln.

Die Arbeitspartei wurde 1968 aus den drei sozialistischen Parteien der dominierenden Mapai (Arbeitspartei Israels, die bis 1963 von Israels erstem Ministerpräsidenten David Ben Gurion geführt wurde), Ahdut HaAvoda (Arbeitergewerkschaft links von Mapai) und der kurzlebigen Rafi Partei (israelische Arbeiterliste) gebildet. Diese drei Parteien sind zu verschiedenen Zeiten von David Ben Gurion geführt worden.

Die zionistische sozialistische Hegemonie hielt an, bis die Likud-Partei unter Menachem Begin 1977 an die Macht kam. Seitdem war ein Niedergang der Arbeitspartei zu verzeichnen, der nun in der Fusion mit einer Partei endet, die eindeutig post-zionistisch ist. Sowohl Arbeitspartei-Chef Amir Peretz als auch Meretz-Chef Nitzan Horowitz mussten im Vorfeld der kommenden Wahlen feststellen, dass diese beiden Parteien möglicherweise die Prozenthürde nicht überschreiten würden. Ein Zusammenschluss schien die einzige Lösung.

Der Niedergang des zionistischen Sozialismus hat mit dem sozialistisch-marxistischen Idealismus zu tun, der in das heutige postmoderne Chaos versunken ist. Dort werden menschliche Beziehungen auf Machtkämpfe reduziert, von der Regierung bis in alle Ebenen der Gesellschaft hinein, darunter auch Religion und Familie.

Wie weit dieser Diskurs gediehen ist, zeigt der jüngste verbale Angriff auf Rafi Peretz, den Chef der jüdischen Heimatpartei. Peretz wurde gefragt, wie er reagieren würde, wenn eines seiner Kinder homosexuell wäre. Der antwortete, er habe seine Kinder „auf natürliche und gesunde Weise“ erzogen. Was folgte, war ein Aufschrei aus allen möglichen Schichten der Gesellschaft, der kaum zu ertragen war. Schlagzeilen und Leitartikel überschlugen sich, man konnte fast kaum glauben, dass er das ultimative Verbrechen begangen hatte, als er darauf hinwies, dass jüdische Werte es wert sind, eingehalten zu werden.

Dies zeigt, wie giftig die Postmoderne für den Zionismus ist, der von Natur aus jüdisch ist. Obwohl ein solches Extrem relativ neu ist, haben viele Israelis, von denen die meisten immer noch ihre jüdische Identität schätzen, die allmähliche Akzeptanz postmoderner Werte durch den Sozialzionismus bemerkt und ihre Abneigung gezeigt, indem sie für Parteien gestimmt haben, die eindeutig zionistischer sind.

Die Arbeitspartei hatte sich nun vom israelischen Puls gelöst, blieb aber dennoch entschlossen, sich mit postmodernen Werten zu identifizieren, während die meisten Israelis noch zögern, sich damit zu identifizieren. Und so entschied sich die einst ruhmreiche zionistische Arbeitspartei für den Weg des Selbstmordes. Anstatt sich mit einer Partei wie Blau-Weiß zusammenzuschließen, die den Zionismus, abgesehen von ihrem Lippenbekenntnis, gänzlich aufgegeben hat.

Die israelische Linke scheint nichts aus dem Untergang der Arbeitspartei zu lernen, wenn sie weiterhin glaubt, dass ihre subjektive Ideologie, um Louis Althusser zu zitieren, die Wahrheit ist, die durch ihre eigenen Aktionen verwirklicht wird. (Tsvi Sadan/ih; Foto: Tomer Neuberg/Flash90)



Kategorien:Politik

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