Thorazitat des Tages – Parascha


„Was dir nicht lieb ist, das tue auch deinem Nächsten nicht. Das ist die ganze Tora und alles andere ist nur die Erläuterung; geh und lerne sie.“

Thora-Parascha

Schabbat „Tezawe – Du sollst befehlen“
Sidra: 2. Mose 27,20 – 30,10
2. Sefer Dewarim 5. Mose 25,17 – 19.
Haftara: 1 Samuel 15:2-34

Tezawe-Psalm 65
Selig sind die Erwählten

Im Midrasch „Schemot Rabba“ (Abschnitt 37) wird ein Vers aus unserem Wochenabschnitt mit einem Vers aus Psalm 65 verknüpft. In der Tora spricht der Ewige zu Mosche: „Und lass zu dir treten Aharon deinen Bruder und seine Söhne mit ihm aus er Mitte der Söhne Israels, dass er mir als Priester diene“ (Schemot 28, 1). Der Midrasch stellt einen Zusammenhang her mit der Aussage: „Selig, den du erwählst und dir nahe bringst, dass er in deinen Höfen wohne“ (Psalm 65,5). Die rabbinische Auslegung führt aus, Gott habe Israel von allen Völkern auserwählt;  vom Volk Israel habe Gott dann den Stamm Levi zu seinem Dienst ausgewählt; und schliesslich habe der Ewige aus diesem Stamm Aharon als Priester erwählt.

Was sagt uns der Psalmist, was nicht bereits in der Tora steht? Die Erwählung wird bewertet: „Selig (hebr.: aschre), den du erwählt und dir nahe bringst“. N. H. Tur-Sinai übersetzte diesen Vers etwas anders: „Beglückt, wen du erwählst, dir nahen lässt, dass er in deinen Höfen weile.“

Der Autor des Werkes „Chafez Chaim“ bemerkte einmal, dass nach dem Wiederaufbau des Heiligtums in Jerusalem jeder Jude grosse Lust verspüren werde, dort den heiligen Dienst zu verrichten – diese Arbeit werde dann aber dem Stamm Levi vorbehalten bleiben (siehe Bamidbar 18, 7). Warum dies? Der genannte Autor erklärte: „Und Mosche sprach: Wer es mit dem Ewigen hält, zu mir! Da gesellten sich zu ihm die Söhne Levis“ (Schemot 32, 26). Erwählt wurden eben diejenigen, die Mosches Ruf gefolgt waren und ihre Nachkommen.

Die Erwählten haben besondere Aufgaben zu erfüllen. So können nur Priester eine Gemeinde segnen (siehe Bamidbar 6, 22-27); angesehene Gelehrte jedoch dürfen dies jedoch nicht – aber deshalb sind Tora-Meister keineswegs weniger wert als Priester (siehe Rabbenu Bachja zu Awot 4,17). (Von: Prof. Dr. Yizhak Ahren)

Sidra Tezawe – Schabbat Sachor

Kleider machen Leute

Nachdem wir letzte Woche die genaue Bauanleitung für den Mischkan (Stiftzelt) samt der Innenarchitektur gelesen haben, richtet die Tora sich diese Woche in Tezawe auf die Amtskleidung der Priester. Gott trägt Mosche auf Kleider für Aharon zu machen «zur Ehre und zum Schmucke» und ….. «ihn zu heiligen und ihn Mir zum Priester zu weihen.» (Schemot 28, 2-3). Die einzigartigen Gewänder sind mit dem Tempeldienst verbunden, dem (Hohe) Priester ist es nicht erlaubt, den Dienst ohne Amtskleidung auszuführen. Gleich dem Tisch für die Schaubrote, der Bundeslade und der Menora ist das Priestergewand ein geweihtes Tempel-Objekt. Das Gewand besteht aus: Brustschild, Efod (Schurz), Oberkleid, Leibrock, Kopfbund und Gürtel (Schemot 28, 4). Der Priester war unverkennbar erkennbar. Auch heute erkennen wir bestimmte Berufe an ihrer Kleidung. Man denke z. Bsp. an die Polizei- oder Pilotenuniform, Krankenpflegeschürzen, den Doktorkittel oder Richtertalar.

In der speziellen Haftara für Schabbat Sachor (Schabbat vor Purim) spielt die Kleidung des Königs Schauls eine ins Auge springende Rolle. Schaul wird aufgefordert, den König der Amalekiten, Agag, zu töten, den er jedoch stattdessen lediglich inhaftiert. Der Prophet Schmuel ist aufgebracht über diesen Ungehorsam gegenüber dem EWIGEN und reisst ein Stück vom Mantel des Königs: „Heute hat der EWIGE dir das Königtum Israels entrissen” (Schmuel I, 15, 28). Auch in der Megila Ester ist Kleidung ein Thema. Als Mordechai vom königlichen Erlass erfährt, der die Bevölkerung dazu anspornt, alle Juden im Reich umzubringen, zerreisst er seine Kleider und legt einen Sack mit Asche an (Ester 4, 1). Als Mordechai später vom König geehrt wird, trägt er einen königlichen Mantel (Ester 6, 11).

Und dann gibt es Karneval und Purim. Man verkleidet sich möglichst unpassend und unerwartet. An Purim ist das sich schräg Kleiden inhärent an der Feier selbst. Die Verkleidung und das Trinken von Alkohol sollen den Unterschied zwischen dem gesegneten Mordechai und dem verfluchten Haman verschleiern.

In Campo de Criptana (Spanien) haben einige Karnevalisten die Grenze aufgesucht. Menschen liefen im Umzug mit als jüdische KZ Inhaftierte mit gestreiftem Anzug und gelbem Stern und standen als Nazis gekleidet auf einem als Gaskammer ausstaffiertem Prunkwagen. Ich war schockiert. Darf ein Scherz auf Kosten der Opfer gehen? Darf sich diese Katastrophe in die Karneval-Verrücktheit schleichen? Ist es eine Äusserung von Antisemitismus? Sind wir zu sensibel, zu intolerant? Verlieren wir den Humor, wenn es uns selbst betrifft? Die in Frage stehenden Personen haben sich mittlerweile entschuldigt und ihre Tat damit begründet, dass sie die Schoa Opfer gerade auf diese Art ehren und gedenken wollten.

Lass uns Purim feiern und uns hinter grotesker Verkleidung verstecken. Mir macht dies richtig Spass.

Schabat Schalom,
Rabbiner Reuven Bar Ephraim; JLG Zürich

Paraschat Haschawua: schabbat.sachor.haftaratezawe.sachor.5780



Kategorien:Gesellschaft

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