Thorazitat – Parascha


„Die Gnaden des Ewigen will ich ewig singen, in dem ich Deine Treue in alle Geschlechter mit meinem Munde kund mache.“ (Psalm 89, Vers 2)

Thora-Parascha

Sidra „Noach“
Lesung: 1. Mose 6,9 – 11,32
Sidra: Jiremejahu 31,23 – 36

Noach-Psalm 29
Was lehrt uns die Sintflut?

Im Wochenabschnitt „Noach“ lesen wir  über eine grosse Flut (hebr.: Mabul),die nur wenige  überlebt haben:  „Es erstarrte alles  Fleisch, was auf Erden auftritt, an Vogel und Vieh und Waldtier und an allem auf der Erde kriechenden Gewürm; und alle Menschen. Alle, deren Antlitz der Hauch des Lebensgeistes war, von allem was sich auf dem Trockenen befindet, starben. Und es löste alles Selbständige auf, das  auf der Fläche des Erdbodens war, vom Menschen bis Vieh, Gewürm und Vogel des Himmels; sie wurden von der Erde weggelöscht, und nur Noach und was bei ihm in der Arche war blieb übrig“ (Bereschit 7, 21-23). Das hebräische Wort „Mabul“ kommt in diesem Wochenabschnitt ein Dutzend Mal vor; sonst findet sich dieses Hauptwort in der Bibel nur noch in Psalm 29: „Der Ewige thronte über der Sintflut, der Ewige wird als König für immer thronen“ (Vers 10). Diese Erwähnung der Flut war für die Zuordnung von  Psalm 29  zum  Wochenabschnitt Noach ausschlaggebend.

Es mag stimmen, dass der deutsche Begriff Sintflut etymologisch nicht mit Sünde in Verbindung gebracht  werden sollte (siehe tenachon, S. 38). Aber zweifellos war der Mabul nach dem Bericht der Tora eine göttliche Strafe: „Und die Erde war verdorben vor Gott, und die Erde war voll Gewalt“ (Bereschit 6, 11). Nach Raschi bezieht sich „verdorben“ auf Unzucht und Götzendienst und „Gewalttat“ auf Raub. Bemerkenswert ist ein Kommentar zu Gottes Ankündigung: „Das Ende  alles Fleisches ist vor mich gekommen, denn die Erde ist voll von Gewalttat durch sie, und so bin ich im Begriff, sie mit der Erde zu verderben“ (Bereschit  6, 13). Raschi kommentiert: „Das Urteil über sie wurde erst durch Gewalttaten besiegelt.“ Man kann den Schluss ziehen, dass Götzendienst und verbotene sexuelle Beziehungen das Urteil nicht besiegelt haben.

Die Mabul-Episode ist lehrreich. Sie beweist, dass der Schöpfer seine Welt nicht sich selbst überlässt. Als ein bestimmtes Mass des Unrechts überschritten war, hat der Ewige in die Geschichte eingegriffen und dem schändlichen Treiben ein Ende bereitet. Durch den Untergang der Übeltäter wurde Gottes Königtum sichtbar gemacht. (Von: Prof. Dr. Yizhak Ahren)

Sidra Noach

Regenbogen

Eintausendfünfhundertsechsunddreissig Jahre nach der Schöpfung der Welt, mit ihrer Flora, Fauna und Menschheit, bedauert der EWIGE Seine Schöpfung und vor Allem die des Menschen, wie es am Ende der letztwöchigen Sidra Bereschit geschrieben steht: «Der EWIGE aber sah, dass die Bosheit des Menschen gross war auf Erden und dass alles Sinnen und Trachten seines Herzens allezeit nur böse war. Da reute es den EWIGEN, dass er den Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bekümmerte ihn in seinem Herzen» (Bereschit 6, 5-6). Die Bosheit des Menschen ist dermassen gross, dass offenbar sogar Pflanzen und Tiere damit infiziert sind und auch aufs neu erschaffen werden müssen.

Noach aber formt die Ausnahme. Er hat Gunst gefunden in den Augen des EWIGEN und wird in der zweiten Schöpfung Gottes Partner sein. Gott beauftragt Noach eine Arche zu bauen mit genügend Raum für seine Familie und je ein Paar der unreinen und 7 Paare der reinen Tiere. Gott lässt Wasser aus Himmel und Erde strömen, die Schöpfung ertrinkt und der Plan für eine neue liegt vor. Nach einem Jahr, als die Erde trocken und grün ist, verlassen die Passagiere die Arche, verbreiten und vermehren sich mit Gottes Segen und baut Noach einen Altar und opfert dem EWIGEN.

Was dann geschieht ist hochinteressant: «Und der EWIGE roch den beschwichtigenden Duft, und der EWIGE sprach bei sich selbst: Nie werde ich wieder die Erde verachten um des Menschen willen obschon das Trachten des Menschenherzens von Jugend an böse ist. Und nie werde ich wieder schlagen, was da lebt, wie ich getan habe» (Bereschit 8, 21). Als eine Erinnerung dieses Versprechens setzt Gott einen Regenbogen in den Himmel. Sollte die Flut eine kollektive Bestrafung der Menschen sein, sieht Gott nun, noch bevor die neue Menschheit sich als gerecht  beweisen kann, ein, dass Vernichtung der Menschheit keinen Sinn macht, denn «das Trachten des Menschenherzens ist böse von Jugend an».

Die Flutgeschichte bietet uns drei Erkenntnisse. Kollektive Strafen sind nicht nur grausam, sondern gleichwohl auch sinnlos. Wer, und nur der, gegen ein Gesetz verstosst, soll, wie Dewarim (5BM 24, 16) dies vorschreibt, bestraft werden: «Jeglicher für seine Schuld sollen sie getötet werden». Awraham (Bereschit 18, 23) und Mosche (Bemidbar 16,22) werfen Gott vor, ungerecht in Seinem Vorhaben zu sein, Unschuldige mit Schuldigen zu bestrafen. In beiden Fällen gibt Gott nach. Zweitens: Naturkatastrophen sind keine Strafe Gottes für das Benehmen des Menschen. Ausser, dass Naturkatastrophen den Naturgesetzen folgen, können sie schon als Resultat menschlichen Handelns gesehen werden, jedoch nicht als Strafe Gottes. Die dritte Einsicht bezieht sich auf den Regenbogen als Erinnerungszeichen für Gott, dass Er die Welt nicht nochmals vernichten wird.

Für mich steht der Regenbogen für die Vielfalt der Menschen: Wie sie aussehen, was sie bewegt und treibt und wofür sie stehen. Die Tora beschreibt eine Wandlung Gottes. Wie Er es vor der Flut bedauerte, die Menschen geschaffen zu haben, bedauerte Er es nach der Flut, sie auf einen Haufen geworfen und vernichtet zu haben. Gott ‘sagt’ mir damit, meine Mitmenschen mit Vorsicht zu beurteilen, wie Jehoschua ben Perachja es in Pirke Awot sagt: «Beurteile jeden Menschen nach der günstigen Seite» (1, 6).

Schabbat Schalom,
Rabbiner Ruven Bar Ephraim, JLG Zürich



Kategorien:Gesellschaft

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