Forscher befürchten grosses Erdbeben


Zum ersten Mal haben Wissenschaftler mehrere hundert Meter tief unter dem Toten Meer gebohrt.

Um die Geschichte der Erdbeben in der Region zu erforschen, haben Wissenschaftler erstmals tief unter dem Toten Meer gebohrt. Nun warnen die Forscher: Die Häufigkeit von Erdbeben wird in Israel unterschätzt.

Israelische Wissenschaftler haben unter dem Boden des Toten Meeres bisher einzigartige Bohrungen durchgeführt. In ihrer nun veröffentlichten Studie warnen sie vor einem grossen Erdbeben in der Region.

Die neuen Erkenntnisse zeigen: In der Gegend um das Tote Meer kommt es etwa alle 130 bis 150 Jahre zu einem Erdbeben der Stärke 6,5 auf der Richterskala. Es hat jedoch auch Zeiten gegeben, in denen zwischen zwei Beben nur wenige Jahrzehnte lagen.

Zuletzt gab es in der Region im Jahr 1927 ein Erdbeben der Stärke 6,5. Dabei kamen 500 Menschen ums Leben. Die in der US-amerikanischen Fachzeitschrift „Science Advances“ veröffentlichten Forschungsergebnisse liessen darauf schliessen, dass mit einem ähnlich starken Erdbeben „zu unseren Lebzeiten, in den kommenden Jahren oder Jahrzehnten“ zu rechnen sei, heisst es in einer Erklärung der Universität Tel Aviv.

Wissenschaftler: „Wir müssen ständig darauf vorbereitet sein“

Bislang sei die Wissenschaft zudem davon ausgegangenen, dass es etwa alle 10.000 Jahre in der Region um das Tote Meer zu einem Beben der Stärke 7,5 oder höher gekommen sei. Die neuen Forschungen zeigten jedoch, dass es alle 1.300 bis 1.400 Jahre solche starken Beben gab, zuletzt im Jahr 1033. Dies bedeute, dass in den kommenden Jahrhunderten mit ähnlich starken Erdbeben zu rechnen sei.

Professor Schmuel Marco von der Universität Tel Aviv erklärt dazu: „Ich möchte keinen Alarm auslösen, aber wir leben in einer tektonisch aktiven Zeit. Die geologische Aufzeichnung lügt nicht und es wird ein schweres Erdbeben in Israel geben.“ Eine genaue Vorhersage sei nicht möglich, „aber leider muss ich sagen, dass ein Erdbeben, das Hunderte von Opfern fordern wird, in den kommenden Jahren eintreten wird“, sagt der Wissenschaftler. Dies könne „in zehn Jahren oder in mehreren Jahrzehnten sein, aber es könnte auch nächste Woche sein, und wir müssen ständig darauf vorbereitet sein“.

Bohrungen geben Aufschluss über 200.000 Jahre Erdbeben-Geschichte

Mit den Bohrungen hatten die Forscher bereits im Jahr 2010 begonnen. Dabei bohrten sie in der Mitte des Toten Meeres mehrere hundert Meter unter dem Meeresboden. Dies ermöglicht eine Analyse der Geologie des Toten Meeres von rund 220.000 Jahren. Durchgeführt wurden die Bohrungen unter der Schirmherrschaft der internationalen Organisation „International Continental Scientific Drilling Program“ (ICDP). Diese führt weltweit tiefe Bohrungen in Seebetten durch, um das antike Klima der Erde und andere Umweltveränderungen zu untersuchen.

Professor Marco fasst zusammen, wie die Wissenschaftler zu ihren Forschungsergebnissen gelangten: Da das Tote Meer der tiefste Punkt der Erde ist, fliesse jedes Jahr im Winter mit Sedimenten angereicherte Sturzfluten in das Gewässer. Die Sedimente lagerten sich am Grund des Gewässers in verschiedenen Schichten ab. Eine dunkle Schicht von etwa einem Millimeter Dicke repräsentiere das Winterflut-Sediment und eine hellere Schicht, ebenfalls ungefähr einen Millimeter dick, repräsentiere die erhöhte Verdunstung von Wasser während der Sommermonate. Immer zwei Schichten stünden für ein neues Jahr.

Im Falle eines Erdbebens würden die Sedimente durcheinander gewirbelt. Mithilfe von Gleichungen und Rechenmodellen, die die israelischen Forscher speziell für diese Studie entwickelt hatten, konnten sie anhand der geologischen Aufzeichnungen die Geschichte der Erdbeben im Zeitverlauf rekonstruieren. (inn; Foto: Dana Nowak/inn )



Kategorien:Wissenschaft

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