Antisemitismus darf auch im Netz keinen Platz haben!


Eine Online-Veranstaltung der Jüdischen Gemeinde Or Chadasch in Zürich wird am 17.Januar 2021 mit Hakenkreuzen boykottiert. Ein Gastbeitrag vom Interreligiösen Runden Tisch.

Der Interreligiöse Runde Tisch im Kanton Zürich (IRT) ist bestürzt über die antisemitische Störaktion gegen einen Video-Anlass der Jüdischen Liberalen Gemeinde Zürichs.

Der IRT fordert die Strafverfolgungsbehörden auf, alles zu unternehmen, um die Hass-Täter ausfindig zu machen.

Mit Hakenkreuzen jüdische Online-Veranstaltung boykottiert

Mit Hakenkreuzen und Hitler-Fotos kaperten vermummte Antisemiten am Sonntag eine Online-Kulturveranstaltung der Jüdischen Liberalen Gemeinde Or Chadasch (JLG). Der IRT ist bestürzt darüber, mit welcher Vehemenz und Brutalität sich antisemitische Hass-Täter im Netz bewegen können.

Auch wenn es der erste bekannte Vorfall dieser Art in der Schweiz ist (in Deutschland wurden bereits vielfach Übergriffe dieser Art registriert), fordert der IRT die Strafverfolgungsbehörden auf, diesen abscheulichen Übergriff konsequent zu verfolgen.

Antisemitismus darf keinen Platz haben

Antisemitismus darf in unserer Gesellschaft keinen Platz haben, auch nicht im Internet.

Der IRT ist auch dankbar, dass die JLG den Angriff öffentlich gemacht hat. Uns allen muss bewusst sein, dass Antisemitismus nach wie vor existiert. Wir dürfen unsere Augen nicht vor diesem menschenverachtenden Hass verschliessen, von wem er auch ausgeht.

Alle am Interreligiösen Runden Tisch versammelten Religionsgemeinschaften drücken der Jüdisch Liberalen Gemeinde Or Chadasch ihre Solidarität und ihr Mitgefühl aus.

Zum Autor: Der Interreligiöse Runde Tisch wurde 2004 auf Initiative des damaligen Kirchenratspräsidenten Ruedi Reich gegründet. Beim Runden Tisch treffen sich die Leitungsverantwortlichen der verschiedenen Religionen und Konfessionen regelmässig zum Ideen- und Gedankenaustausch. Aktuelle Probleme und Projekte werden offen diskutiert.

Im Hintergrund leistet der Interreligiöse Runde Tisch auf verschiedenen Ebenen Vermittlungsarbeit zwischen Religionsgemeinschaften und Behörden. Thema war über längere Zeit etwa das neue Schulfach «Religion und Kultur».


Hintergrund:
Der ehemalige Stadtarchäologe Dr. Dölf Wild und der Präsident des Vereins Brunngasse 8, Dr. Ron Epstein-Mil, hatten für Sonntag, dem 17.Januar 2021 um 19.00 Uhr zu einem virtuellen Besuch im neuen Museum auf Zoom eingeladen. Es war der Auftakt zu einer JLG-Reihe mit Vorträgen und Diskussionen zu mittelalterlichem jüdischem Leben in Zürich und darüber hinaus.
Eine vermummte Gruppe störte das Programm wenige Minuten nach Beginn der Kulturveranstaltung mit obszönen und verletzenden Bildern, darunter Hakenkreuze und Hitlerbilder. Die Verantwortlichen mussten darum die Online-Veranstaltung umgehend abbrechen.

Dieser Übergriff war kein Streich oder Witz, sondern vielmehr offensichtlich gut geplant und koordiniert. Die verwendeten Symbole, Bilder und Filme lassen in ihrer Obszönität und Respektlosigkeit eine Tätergruppe erkennen, die exzessiv und absolut rücksichtlos die Gefühle der Teilnehmenden provozieren und verletzen wollte. Vor allem in Zeiten der Coronapandemie, aber auch ganz grundsätzlich, dürfen solche Online-Vorfälle nicht unterschätzt werden. Vielmehr muss vermehrt das Augenmerk der Behörden und der Politik auch auf Online-Formen von Hass- und Gewaltaktionen gerichtet werden. PLJS und SIG verurteilen den Übergriff aufs Schärfste und unterstützen die betroffene JLG.

Nach dem Angriff auf den virtuellen Raum der JLG im Rahmen der Zoom-Veranstaltung «Museum Schauplatz Brunngasse» wurde eine Strafanzeige bei der Staatsanwalt Zürich-Limmat eingereicht. Ebenso erfolgten umgehend Abklärungen, wie die öffentlich zugänglichen online-Veranstaltungen am wirkungsvollsten vor solchen Angriffen geschützt werden könnten, ohne den Zugang unnötig zu erschweren. Diverse Massnahmen wurden getroffen.

Die Geschichte der Schweiz macht deutlich, dass auch hier der Antisemitismus seit vielen Jahrhunderten ein integraler Bestandteil der Gesellschaft und Politik war. Progrome gab es nicht nur jenseits des Rheins. So kamen beim Basler Judenpogrom am 16. Januar 1349 in Basel schätzungsweise fünfzig bis siebzig Juden gewaltsam ums Leben. In Zürich wurden am 24. Februar 1349  alle Männer der Gemeinde mittels dem Feuertod ermordet, ihre Frauen und Kinder wurden aus der Stadt vertrieben. Schulden von Christen bei Juden wurden getilgt, das jüdische Eigentum von der Obrigkeit der Stadt enteignet an christliche Orden verkauft. Im sogenannten «Zwetschgenkrieg» wurden die jüdischen Bewohner von Endingen und Lengnau im Jahre 1802  am 21. September Opfer eines Pogroms. Auch hier wurden die Attentäter und Angreife des Progroms nicht bestraft. An diesem Progrom waren rund 800 Bauern, Handwerker und auch Patrizier aus den umliegenden Tälern von Endingen und Lengnau, im heutigen Kanton Aargau, beteiligt. Sie waren bewaffnet mit Heugabel und Dreschflegel, die Patrizier ritten hoch zu Ross. Die meisten Angreifer hatten Schulden bei den Juden von Endingen und Lengnau, wie durch Forschungsergebnisse belegt werden konnte. Ihr Ziel waren Plünderung, Zerstörung und die Vernichtung von den Schuldscheinen bei der jüdischen Bevölkerung, es wurde alles geraubt was ihnen in die Hände kam.

Infolge der Wirtschaftskrise ab 1873 flammte der Judenhass in ganz Europa erneut auf. In der Schweiz fand der Antisemitismus seinen neuen Höhepunkt in der ersten eidgenössischen Volksinitiative. Hier waren die nördlichen Kantonen der Deutschschweiz deutliche Vorreiter bei der Volksinitiative gegen das Schächten, diese war im wesentlichen durch antisemitische Darstellungen geprägt. Die Initiative wurde am 20. August 1893 angenommen. Das Schächtverbot trat anfangs 1894 in Kraft und wird heute allgemein als antisemitische Aktion angesehen. Es hatte zur Folge, dass seither alles Koscherfleisch aus dem Ausland in die Schweiz importiert werden muss. In den 1970-ger Jahren wurde zwar der Artikel aus der Bundesverfassung gestrichen, jedoch mit unveränderter Tragweite in das Tierschutzgesetz von 1978 aufgenommen. Im Jahr 2001 wollte der Bundesrat das Schächtverbot aus Gründen der Religionsfreiheit lockern aber stoss damit auf erbitterten Widerstand der nationalistischer Strömungen verschiedener politischer Lager, so dass er schliesslich den Vorschlag zurückziehen musste. Im Jahr 2002 folgten wieder gegen die jüdische Bevölkerung gerichtete Volksinitiativen, die auch das Schächten von Geflügel sowie den Import von Koscherfleisch verbieten wollten. Der SIG konnte dann allerdings erreichen, dass der Import von Koscherfleisch zur Versorgung der jüdischen Religionsgemeinschaft im Jahr 2003 in das geltende Tierschutzgesetz aufgenommen wurde.

Die Berichte der letzten Wochen aus verschiedenen Teil der Deutschschweiz über Judenhass, Kampfsport und Waffen für den «Rassenkrieg» und wie sich die rechtsextreme Szene in der Schweiz für massgeblichen «Ernstfall» rüstet. Bei den Hausdurchsuchungen finden Polizist*innen Waffen und reichlich Munition, aber das ist ja bei Rechtsextremisten keine Überraschung. sollten zur Wachsamkeit mahnen. Selbst den Medien ist es nicht entgangen und berichten immer, dass in den Jahren, Wochen und Tagen der Antisemitismus in der Schweiz einen Aufschwung erlebt.

Lösung des Problems des Antisemitismus – Juden haben die Macht, sich selbst, die Welt und die gesamte Realität zum Besseren zu verändern. Sie haben die Kraft, alles zu vereinen. Die ganze Welt braucht die Juden, um die höhere Kraft zu offenbaren, wie Abraham es ihnen vor fast 4.000 Jahren beigebracht hat. Die Weisheit der Kabbala ist jetzt offenbart worden, so dass die Juden jeden lehren kann, wie man sich über dem menschlichen Ego verbinden kann. Dies ist ein natürlicher Prozess, der stattfinden muss. Juden müssen die gesamte Menschheit dazu führen, ein Bündel zu sein. Dies wird genannt, Licht für die Nationen der Welt zu sein.

(Chaim Stolz/JNS)



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  1. Antisemitismus darf auch im Netz keinen Platz haben! — JNS – ISRASWISS | German Media Watch-Blog

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