Golan-Drusen wollen Israelis bleiben


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In Israel verstehen sich die Drusen nicht als Muslime. Sie stellen im israelischen Heer einen sehr hohen Prozentsatz.

Der syrische Bürgerkrieg drängte die knapp 20.000 Drusen auf den Golanhöhen, etwas zuzugeben, was sie bisher nie öffentlich auszusprechen wagten: Das Leben unter israelischer Hoheit ist besser und sicherer als unter syrischer. Seit 1967 im Sechstagekrieg die Golanhöhen von Israel erobert und 1981 dann annektiert wurden, verfolgten die Drusen aus Angst vor Damaskus einen eher antiisraelischen Kurs. All die Jahre haben sie immer befürchtet, dass Israel eines Tages auf die Golanhöhen verzichten könnte, so wie es für den Friedensvertrag mit Ägypten auf den Sinai verzichtete. Das Assad-Regime würde den Drusen eine Loyalität mit dem Judenstaat nie verzeihen. Daher signalisierten sie nach Damaskus, wie gross ihr angeblicher Hass auf Israel doch sei.

Nach nunmehr 32 Jahren unter israelischer Herrschaft haben die Drusen, die auf den Golanhöhen zu Hause sind, erstmals vor laufender Kamera eine proisraelische Haltung gezeigt. Der Kanzleichef des israelischen Regierungsbüros, Harel Locker, wurde von prominenten Drusenführern nach Maschdal Schams eingeladen. Unter ihnen war auch der geistliche Führer Scheich Taher Abu Salach. Die Drusen erbitten von Israel, ihre Angehörigen, die aus Gründen wie Heirat, Ausbildung oder Arbeit nach Syrien gezogen sind, wieder nach Israel einreisen zu lassen.

„Der letzte Besuch eines israelischen Politikers in den Drusendörfern auf den Golanhöhen war Mitte der 80er Jahre“, sagte ein Drusenführer im israelischen Rundfunk. „Das war Schimon Peres, der mit Eierwürfen verjagt wurde. Lockers Besuch markiert eine dramatische Wende.

In Israel nehmen die Drusen am Militärdienst teil, es existiert sogar eine Wehrpflicht. Die Wehrpflicht gibt es schon seit 1956. Die offizielle Version dazu ist, dass die Wehrpflicht auf Forderung der Sheiks, der religiösen Würdenträger, eingeführt wurde. Die Forschung hat gezeigt, dass das so nicht stimmt. Es gab einen Plan der israelischen Regierung, die Wehrpflicht für die Drusen einzuführen, um die arabische Bevölkerung zu fragmentieren.

Zudem ist der arabische Nationalismus ist bei den israelischen Drusen nie angekommen, weil sie kaum in Städten gelebt und ein sehr schlechtes Bildungsniveau gehabt haben. Das gilt auch heute noch. In Israel sind die Drusen heute nahezu im gesamten politischen Spektrum präsent. Sie haben sogar in den Haredim-Parteien, zum Beispiel bei der Schas-Partei, Aktivisten. Andererseits hat die Kadima bei den letzten Wahlen sehr stark bei den Drusen gepunktet und wäre ohne sie gar nicht in die Knesset gekommen.

Ein bekannter drusischer Politiker, Ayoob Kara, damals Israels Vizeminister für Entwicklung von Galiläa und der Negev-Wüste. Kara wurde als Vertreter Israels präsentiert, hat sich auch mit dem Vlaams Belang und russischen Rechtsextremisten getroffen. Ariel Muzicant hat damals einen Beschwerdebrief an Netanyahu geschrieben, aber damit nichts bewirkt. Ayoob Kara ist mittlerweile nicht mehr im Amt, aller Wahrscheinlichkeit nach, weil er auf eigene Faust mit syrischen Rebellen Kontakte aufbauen wollte. Innerhalb des Likud ist er rechts aussen anzusiedeln.

Am Golan lebenden Drusen sind zum überwiegenden Teil nicht israelische Staatsbürger. Sie waren früher Syrer. Die Drusen waren die Einzigen, die noch dort nach 1967 wohnten. Dem Willen zur Annexion wollte man durch das Ansuchen um die Staatsbürgerschaft Ausdruck verleihen. Die israelischen Soldaten haben einfach neue Personalausweise mit der Aufschrift „Staatsangehörigkeit: Israel“ an die Bevölkerung ausgeteilt. Das wurde aber von den von den meisten Drusen abgelehnt, weil die Sheiks damals erklärten, dass jeder, der mit Israel kooperiert, exkommuniziert wird. Das hat nun dazu geführt, dass unter den Golan-Drusen heute weniger als zehn Prozent die israelische Staatsbürgerschaft haben.

So ist ein Grossteil der Drusen am Golan ist heute staatenlos, die Bewohner haben aber israelische Pässe, in denen steht: Staatsbürgerschaft undefiniert. Israel erlaubt ihnen auch Besuche in Syrien und erkennt damit auch ihre Zugehörigkeit an. Es ist den Golan-Drusen auch erlaubt, ihre Apfelernte nach Syrien zu exportieren, wo sie viel höhere Preise bekommen als in Israel. Das ist für sie sehr wichtig, denn die meisten leben davon. (JNS und Agenturen)



Kategorien:Gesellschaft

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