Die „Juden-Armee“ aus Tottenham


Tottenham

Spurs-Fans an der White Hart Lane. Antisemitischer Schmähruf als Identitätsstiftung. Foto: REUTERS

Viele Fans von Tottenham Hotspur sind jüdischer Herkunft. Bei ihren Spielen skandieren sie daher gerne Schlachtrufe mit dem umstrittenen Wort „Yid“. Das möchte der Verband nun verbieten. Doch der Verein will, dass die Anhänger selbst entscheiden.

Den Sieg von Tottenham über Norwich nutzen die Fans der Spurs für ein Statement, das in England seit einiger bereits heftig debattiert wird. „Yid Army“ skandierten die Anhänger von den Rängen an der White Hart Lane und immer wieder: „We sing what we want.“ Der englische Fussballverband FA hatte am vergangenen Montag unter Androhung rechtlicher Schritte den Gebrauch des Begriffs „Yid Army“, übersetzt so viel wie „Juden-Armee“, verboten.

Die Benutzung dieses etwas martialisch anmutenden Begriffs ist in Tottenham keine Beleidigung, sondern vielmehr Ausdruck einer Identität und Protesthaltung zugleich. Viele Anhänger des Klubs sind selbst jüdischer Herkunft und wurden deshalb in der Vergangenheit immer wieder Opfer antisemitischer Schmährufe. Vergangenen November etwa wurden Spurs-Fans nach einem Spiel gegen Lazio Rom von gegnerischen Anhängern sogar brutal attackiert.

Trotzdem will der Verband die Gesänge nicht weiter dulden. Im gängigen Sprachgebrauch unter Fussball-Fans nämlich gilt das veraltete Wort „Yid“ als antisemitische Beleidigung. Doch eben genau darauf wollen die Spurs-Anhänger hinweisen: „Unsere Fans haben den historischen Gesang übernommen, um damit dem antisemitischen Missbrauch zuvorzukommen. Sie wollen damit niemanden beleidigen“, heisst es in einer Mitteilung des Vereins.

Tottenham will nun einen Fragebogen an seine Dauerkarten-Halter verschicken. „Wir wollen von den Fans wissen, ob jetzt die richtige Zeit ist aufzuhören, diese Form der Identität zu benutzen“, sagte Darren Alexander, Vorsitzender der Tottenham Hotspur Supporters‘ Trust (THST). „Welches Wort wir benutzen, ist unsere Entscheidung und nicht die des Verbandes“, rechtfertigte Alexander die Aktion. Der Verband hat sich zum Fragebogen bislang nicht geäussert. (JNS und Agenturen)



Kategorien:Sport

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