Der Antisemitismus hat besonders im gesamten deutschsprachigen Raum ein erschreckendes Ausmass angenommen – im Hier und Jetzt. Er wird heute wieder artikuliert, nicht nur am rechten Rand, sondern in den Feuilletons grosser Tageszeitungen, den Online-Plattformen von Nachrichtenmagazinen. Der verbale Angriff hat längst begonnen.
Der Antisemitismus gegen die Juden heute, zeigt sich oft über den Umweg der mediengeprägten Verbalsprache gegen Israel. Das ist der Ausdruck der Unwilligkeit und der Unfähigkeit, die Vergangenheit als eine Vergangenheit der unerträglichen Verstörung aufzuarbeiten. Wenn heute in Europa wieder vor Geschäften ein antisemitischer Boykott gefordert wird und verlogen kaschiert als Boykott israelischer Waren, dann ist das Pogrom des Nationalsozialismus. Es ist nicht nur, die Handvoll Verrückter, die einen solchen Boykott fordert und sich mit den NS-Schildern zum Verwechseln ähnlich sehenden Plakaten in der Öffentlichkeit zeigen. E ist die ernst zu nehmende Art und Weise wie die Medien (Online wie Print) mit Macht versuchen den Einfluss dieses Strebens bei der Bevölkerung zu gewinnen, diese gilt es zu bekämpfen.
Zahlreiche europäische Juden fühlen sich in ihren Heimatländern nicht mehr sicher. Das geht aus einer Umfrage der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte hervor. Im Schnitt gaben 76 Prozent der befragten Juden an, der Antisemitismus habe in den vergangenen fünf Jahren stark zugenommen. 29 Prozent aller Befragten erklärten, sie hätten darüber nachgedacht, nach Israel auszuwandern. Für die Umfrage waren 5.847 Juden in Schweden, Frankreich, Belgien, Grossbritannien, Deutschland, Italien, Ungarn, Rumänien und Lettland befragt worden.
Laut Statistik zogen besonders viele Juden aus Ungarn, Frankreich und Belgien eine Auswanderung in Betracht. Bezüglich ihrer Ansicht, was genau unter „Antisemitismus“ zu verstehen ist, antworteten 34 Prozent, dies seien Nicht-Juden, die Israel kritisierten. Fast 90 Prozent gaben an, es seien Menschen, die Juden nicht als ihre Landsmänner und -frauen betrachteten.
Jeder Fünfte der Befragten gab an, in der Öffentlichkeit nichts zu tragen, was ihn als Juden zu erkennen gibt. In Schweden waren es sogar 34 Prozent, in Frankreich 29 Prozent und in Ungarn 20 Prozent.
Moshe Kantor, Vorsitzender des Europäischen Jüdischen Kongresses unterstrich, diese Studie sei von sehr grosser Wichtigkeit. Der Fakt, dass „Juden nicht mehr in der Lage sind, ihren Glauben auszudrücken, weil sie Angst haben, sollte ein Wendepunkt für Europa sein.“ Er rief die europäischen Regierungen dazu auf, sich die Studie genau anzusehen. Die Behörden müssten sich mit den Vorfällen von Hass und Intoleranz „als Ganzes beschäftigen, um diese Phänomene wirklich zu bekämpfen“ – bevor es zu spät sei.
Eine weitere Umfrage eines israelischen Forschungsinstituts unter 500 israelischen Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren lieferte ähnlich schlimme Ergebnisse. Der Studie zufolge haben zwei Drittel der in Israel lebenden Jugendlichen übers Internet Erfahrungen mit Antisemitismus gemacht. Ein Drittel von ihnen wurde online beschimpft. Der Vorsitzende der Antidiffamierungsliga, Abraham H. Foxman erklärte, es sei schockierend, dass das Internet die schlimmen Erfahrungen des Antisemitismus nun zur israelischen Jugend bringe.
Das aktuelle Beispiel aus Deutschland, ein Angriff am Tag des Pogromgedenkens
Die Jüdische Gemeinde Pinneberg ist Opfer eines antisemitischen Anschlags geworden. Ausgerechnet am Jahrestag der Reichspogromnacht zerstörten unbekannte Täter die Glastüren am Eingang zur Synagoge am Clara-Bartram-Weg 14. „Es wurde mit einem spitzen Gegenstand auf die Glasscheiben geschlagen“, sagte der Vorsitzende der Gemeinde Pinneberg, Wolfgang Seibert, dem Hamburger Abendblatt, und zeigte sich sichtlich schockiert.
„Das ist kein antisemitischer Übergriff, wie wir ihn leider immer wieder erdulden müssen, das ist zum 75. Jahrestag der Reichspogromnacht ein gezielter Anschlag, der uns sagen soll, wir sind noch da, wir können es immer noch – euch Juden vernichten“, ergänzte Seibert.
Die Zerstörung entdeckte ein Gemeindemitglied, das abends und morgens einen Kontrollgang um die Synagoge macht. „Um 19 Uhr am Sonnabend war noch alles in Ordnung“, berichtete Seibert, „am Sonntagmorgen um 8.30 Uhr hat man die mutwillige Zerstörung entdeckt und mich informiert.“
Er habe dann sofort die Pinneberger Polizei benachrichtigt. „Die Löcher im Glas neben der Eingangstür haben unterschiedliche Tiefen und liegen dicht nebeneinander. Es sieht aus, als hätte jemand mit einem spitzen Hammer zugeschlagen“, erklärte Seibert. Von einem Überfall mit einer Schusswaffe könne aber nicht ausgegangen werden, da die Löcher in dem Fall eine identische Tiefe aufweisen würden. Auch fanden bis jetzt weder Polizei noch Gemeindemitglieder Geschosshülsen.
Laut Seibert untersucht inzwischen der Staatsschutz den Vorfall. Einen Einbruch vermutet Seibert nicht, denn der wäre höchstwahrscheinlich am hinteren Gebäudeteil erfolgt. Er fühle sich sehr unwohl, bekannte der Gemeindevorsitzende, zumal er selbst bis vor Kurzem aufgrund von Übergriffen von Neonazis und radikaler Islamisten unter Polizeischutz stand.
„Ich werde jetzt sofort verstärkt Bewegungsmelder einbauen, vor allem auch gezielt auf der Vorderseite der Synagoge und im Eingangsbereich“, erklärte Seibert. Erst im September 2010 hatte die Jüdische Gemeinde Pinneberg ihre Synagoge am Clara-Bartram-Weg bezogen. Bewusst hatte die liberale Gemeinde mit 260 Mitgliedern auf ein offenes Konzept gesetzt und die Synagoge auch nichtjüdischen Bürgern geöffnet.
(JNS und Agenturen)
Kategorien:Gesellschaft
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