Brandanschlag am Zionsberg


Brandspuren in Jerusalemer Dormitio-Abtei: Kurz vor dem Ende des Besuchs von Papst Franziskus in Israel ist auf dem Zionsberg ein Brandanschlag auf eine der wichtigsten katholischen Kirchen der Stadt verübt worden. (AFP)

Brandspuren in Jerusalemer Dormitio-Abtei: Kurz vor dem Ende des Besuchs von Papst Franziskus in Israel ist auf dem Zionsberg ein Brandanschlag auf eine der wichtigsten katholischen Kirchen der Stadt verübt worden. (AFP)

Unmittelbar nach einer Papstmesse in Jerusalem hat ein Unbekannter Teile einer Kirche in Brand gesetzt. Rechtsradikale hatten dort zuletzt gegen Christen protestiert.

Kurz vor dem Ende des Besuchs von Papst Franziskus in Jerusalem ist am Montagabend auf dem Zionsberg ein Brandanschlag auf eine der wichtigsten katholischen Kirchen der Stadt verübt worden. Noch sei unklar, ob ein Zusammenhang mit dem Besuch des Papstes bestehe, sagte der Sprecher der Kirche, Pater Nikodemus Schnabel. „Vielleicht ist es die Tat eines Verwirrten“, ergänzte der Benediktinermönch.

„Ersten Zeugenaussagen zufolge hat ein nicht-jüdischer Mann die Abtei betreten, sich eine Kerze genommen und ein Buch angezündet“, sagte Polizeisprecher Micky Rosenfeld. Schnabels Angaben zufolge handelte es sich um ein Buch aus der Krypta, das von Pilgern genutzt wird. Es sei in einem kleinen Saal nahe der Orgel angezündet worden. Ausserdem habe der Täter Holzkreuze sowie Mobiliar in Brand gesetzt.

Das Oberhaupt der katholischen Kirche wurde kurz darauf auf dem Flughafen von Tel Aviv vom israelischen Präsidenten Schimon Peres und Regierungschef Benjamin Netanjahu verabschiedet. Unmittelbar vor dem Brandanschlag hatte Franziskus im nur wenige Meter von der Kirche entfernten Abendmahlsaal auf dem Zionsberg, dem zweitheiligsten Ort der Christenheit, eine Messfeier zelebriert.

„Wir wissen nicht, wer das war“, sagte Schnabel. Jedenfalls habe in Jerusalem zum Zeitpunkt des Brandanschlags „eine sehr unangenehme Atmosphäre geherrscht, mit all diesen Demonstrationen gegen den Besuch des Papstes“. Nach der Tat versammelten sich spontan mehrere Israelis vor der Anfang des 20. Jahrhunderts erbauten Kirche, um ihre Solidarität mit den Mönchen zu bekunden.

Gegen die christliche Präsenz am Zionsberg hatten rechtsradikale Israelis zuletzt heftig protestiert. Die Christen verehren den Ort, weil Jesus hier sein letztes Abendmahl eingenommen haben soll. Von den Juden wird der Zionsberg als Grabstätte des biblischen Königs David betrachtet.

Der Papst hatte am Montag zum Abschluss seiner Nahost-Reise in Jerusalem der Opfer der Judenvernichtung durch die deutschen Nationalsozialisten gedacht. Zuvor hatte er die Heiligtümer der Muslime und der Juden am Tempelberg besucht und sich mit Gesten der Versöhnung an Vertreter der beiden Weltreligionen gewandt. Franziskus hatte seine Reise am Samstag begonnen und zunächst Jordanien und dann die Palästinensergebiete bereist. Dort erregte er Aufsehen, als er den israelischen Präsidenten Schimon Peres und den Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas zu gemeinsamen Friedensgebeten im Juni in den Vatikan einlud. Beide nahmen die Einladung an.



Kategorien:Nahost

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