Orthodoxe Juden zum Gebetsdienst verpflichtet


.Die jüdische Orthodoxie steckt in einer geistlichen Spannung: Am 5. August (9. Av im jüdischen Kalender) beginnen für die orthodoxen Thora-Schüler die Sommerferien. Wegen des Gaza-Krieges verlangen orthodoxe Rabbiner jedoch, dass ihre Schüler weiter beten und Thora lernen. Denn schliesslich behauptet die jüdische Orthodoxie, dass nicht die mächtige Armee Israel am Leben erhält, sondern ihr tägliches Lernen und Beten.

Aus diesem Grund haben bedeutende Rabbiner beschlossen, ihre orthodoxen Jeschiwa-Schüler zum Sommerdienst des Gebets und Thorastudiums einzuberufen. Wie die 86.000 Reservesoldaten während der Operation „Starker Fels“ zum Dienst berufen wurden, so wurden auch viele orthodoxe Thoraschüler zum Dienst gerufen. Die einen dienen im Gebet, die anderen an der Front. In den orthodoxen Webseiten und Zeitungen führte dieses Thema zu einer heissen Debatte, denn anfänglich waren nicht alle rabbinischen Autoritäten einverstanden. Orthodoxe Webseiten haben ihre orthodoxe Brüder, Soldaten in der Armee, gewürdigt und sogar zum Wehrdienst aufgerufen, was sehr ungewöhnlich ist.

Der Rabbinerrat der Thora-Weisen veröffentlichte zur Operation „Starker Fels“ einen offiziellen Aufruf: „Schwere Zeiten sind über das Haus Israel gekommen. Eine Zeit der Trübsal Jakobs, das Blut Israels wird vergossen. Drohungen und Gefahren kommen am Himmel und unter der Erde auf uns zu. In solch einer Zeit sind wir unserer Thora verpflichtet und müssen halten, zu was wir verpflichtet sind: „So geh nun, mein Volk, in deine Kammern und schliesse die Tür hinter dir zu! Verbirg dich einen kleinen Augenblick, bis der Zorn vorübergegangen ist! (Jesaja 26,20). Nun ist es unsere Aufgabe, stärker in der Thora und im Gebet zu werden. So rufen wir unsere Schüler auf, in den Thora-Schulen zu bleiben und trotz der Ferien weiterhin den Thora-Dienst zu leisten.“

Aus Gesprächen mit verschiedenen Jeschiwa-Schülern geht hervor, dass das orthodoxe Judentum in einer theologische Klemme steckt: Hätten die Rabbiner ihre Thora-Schüler in die Ferien geschickt, obwohl das übrige Volk an der Gaza-Front kämpft, hätten sie damit ihrem Glauben widersprochen. Damit würde ihre geistliche oder theologische Behauptung nicht stimmen, dass Israels Schutz im Krieg von ihrem Gebet abhängt. Über Generationen hinweg behaupten orthodoxe Juden, dass ihr Bibellernen und das tägliche Gebet die wahre Verteidigung Israels seien, und nicht die israelische Verteidigungsarmee. Dies ist ausserdem ihre Begründung, weshalb sie nicht in der Armee dienen wollen. Sie bestehen darauf, für die Bewahrung Israels zu beten und die Thora zu lernen. Darum wollen sie auch in Zukunft vom dreijährigen Wehrdienst befreit sein. Ein Sieg der kämpfenden Israelis an der Front, während die Thora-Hallen ohne betende Juden sind, wäre ein Zeichen, dass ihre Geschwister auch ohne ihre Gebete zurecht kommen. „In der Verteidigung um das von Gott verheissene Land Israel gehören Schiessen und Beten zusammen“, schrieb jemand in einem Internetkommentar, „gemeinsam mit Gottes Hilfe können wir siegen.“

 



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