Hamas Hauptquartier ist in Istanbul


Hamas leader Ismail Haniyeh (L) and Turkish Prime Minister Recep Tayyip Erdogan shaking hands before their meeting at Erdogan's residence in Istanbul Turkey

Hamas-Füher Ismail Haniyeh (links) pflegte bereits bei seinem Türkei-Besuch im Jahr 2012 gute Beziehungen zum türkischen Präsidenten Recep Tyyip Erdogan.

Die Hamas-Terrororganisation hat ihr Hauptquartier von Damaskus nach Istanbul verlegt. Grund ist die unsichere Lage wegen des Bürgerkriegs in Syrien. In Israel ist man entsetzt, dass das Nato-Mitglied Türkei einer Terrorgruppe Unterschlupf und Unterstützung gewährt. Doch alle Appelle aus Jerusalem wurden vom türkischen Präsidenten Erdogan ignoriert. Die israelischen Sicherheitsbehörden gaben heute die Verhaftung von 30 mutmasslichen Terroristen bekannt, die Anschläge in Israel ausführen sollten und ihre Anweisungen von der Hamas aus der Türkei erhielten.

Armee und Geheimdienst stellten bei der Terrorzelle, die in den Palästinensischen Autonomiegebieten aktiv war, Sprengstoff, Gewehre und Munition sicher. Die Terroristen hatten nach Angaben der israelischen Behörden Entführungen von Israelis im In- und Ausland geplant, sowie Angriffe mit Schusswaffen, Autobomben-Anschläge und Terrorattacken auf das Teddy-Stadion in Jerusalem und auf die Jerusalemer Strassenbahn.

Das neue Hamas-Hauptquartier in der türkischen Metropole wird angeblich von Saleh al-Arouri geleitet, einem berüchtigten Erzterroristen, der für Dutzende von Angriffen auf Israelis verantwortlich ist. Laut einiger hochrangiger Quellen aus Jerusalem hatte Arouri auch an den Versuchen der Hamas mitgewirkt, im Sommer die Regierung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zu stürzen. Insgesamt waren an dem Putsch-Versuch 96 Terroristen beteiligt. Er wurde schliesslich vom israelischen Geheimdienst vereitelt.

In den aus Jerusalem verschickten Mitteilungen an die Nato in Brüssel wird deutlich, dass es für Israel unbegreiflich ist, dass ein Mitglied des internationalen Militärbündnisses Verbindungen zu einer terroristischen Organisation pflegt. Präsident Recep Tayyip Erdogan, ein Freund der Muslimbruderschaft, soll den Umzug des Hamas-Hauptquartiers nach Istanbul unterstützt haben.

Israels Verteidigungsminister Moshe Ya’alon hatte bereits bei seinem jüngsten Besuch in den USA bei einem Treffen mit dem damaligen US-Verteidigungsminister Chuck Hagel vor den engen Beziehungen zwischen der Hamas und der Türkei gewarnt. „Die Türkei spielt ein zynisches Spiel: Die Hamas wird von der Türkei und Katar gesponsert. Als Nato-Mitglied darf man aber nicht zulassen, dass diese Terrorgruppe zwei Hauptquartiere hat – eines im Gazastreifen und eines in Istanbul“, fordertee Ya’alon.

Die einst so guten Beziehungen zwischen Israel und der Türkei hatten Mitte 2010 einen herben Rückschlag erlitten, als israelische Kommandos die Mavi Marmara stoppten. Das Schiff versuchte, die Seeblockade, die über den Gazastreifen verhängt war, zu brechen. Die Besatzung des Schiffes hatte sich geweigert, ihre Fahrt zu stoppen, und israelische Marinesoldaten angegriffen. Bei dem Zwischenfall wurden neun türkische Staatsangehörige getötet.

Die diplomatischen Beziehungen zwischen Jerusalem und Ankara wurden nach diesem Vorfall drastisch eingeschränkt. Die Türkei verwies den israelischen Botschafter des Landes und beorderte wiederum ihren Botschafter aus Israel zurück. Heute pflegen die beiden Staaten lediglich diplomatische Beziehungen auf unterster Ebene.

Während seines Besuches in Israel im Jahr 2013 versuchte US-Präsident Barack Obama, zwischen den zerstrittenen Regierungen zu vermitteln. In einem Telefongespräch entschuldigte sich Benjamin Netanjahu schliesslich bei Erdogan für den Zwischenfall mit der Mavi Marmara. Obwohl Erdogan offiziell die Entschuldigung akzeptierte, verblassten die Hoffnungen auf eine Normalisierung der Beziehungen der beiden Staaten schnell: Der türkische Präsident gilt heute als einer der ungestümsten und kriegerischsten Kritiker Israels. (ih)



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