Thorazitat des Tages – Parascha


ThoraIm 2. Buch Moses (Kapitel 17, Satz 12) steht: „…so hielten seine Hände treu aus…“ Weshalb hielten seine Hände treu aus? Da er an Gott glaubt und deshalb glaubt er ebenso, das Er ihn hören kann: Demnach entspricht das Gebet, dem Glauben an Gott.

Thora-Parascha

Schabbat: „WaJeshew“
Sidra: 1. Mose 38,1 – 30
Haftara: Schmu’el ll 12,1 – 13

Wajeschew-Psalm 112
Kennzeichen der Gottesfürchtigen

Psalm 112, der sowohl dem Wochenabschnitt Wajeschew als auch dem Wochenabschnitt Behar zugeordnet worden ist, beschreibt das Leben eines gottesfürchtigen, pflichtgetreuen Menschen. Schon der erste Vers hebt einen charakteristischen Zug hervor: „Selig der Mann, der den Ewigen fürchtet, sehr Lust hat an seinen Geboten!“ Im Talmud (Avoda Sara 19 a) steht folgende Auslegung: Er hat Freude an der Ausübung der Gebote und nicht an den mit ihnen zu gewinnenden Lohn. Der Talmud merkt an, dass wir dieselbe Lehre auch in einer Mischna finden: „Antigonos aus Sochno pflegte zu sagen: Seid nicht wie Diener, die ihrem Herren dienen, um Lohn zu erhalten, sondern seid wie Diener, die den Herrn bedienen nicht in der Absicht, Lohn zu empfangen“ (Sprüche der Väter 1,3).

Zu den Kennzeichen des Gottesfürchtigen gehört das Gottvertrauen: „Vor böser Nachricht fürchtet er nicht, fest ist sein Herz, vertrauensvoll in Gott. Gestützt fühlt sich sein Herz, er fürchtet nicht, sodass er ruhig auf seine Feinde schaut“ (Verse 7 und 8). Rabbiner Hirsch kommentiert: „Diese Gemütsruhe kennt nur ein gottesfürchtiger, gegen Gott und Menschen pflichtgetreuer Mensch.“

Ein Musterbeispiel gelebter Gottesfurcht finden wir im Wochenabschnitt Wajeschew. Josef, den unsere Weisen als einen Zaddik (Gerechten)   bezeichnen (siehe z. B. Joma 35 b), liess sich von Potifars Frau nicht zur Sünde verleiten: „ So war es, nach diesen Vorgängen, da hob die Frau seines Herren ihre Augen zu Josef auf und sprach: Lege dich zu mir! Er weigerte sich und sprach zu der Frau seines Herren: Siehe, mein Herr weiss neben mir um nichts, was im Hause vorgeht, und alles, was ihm ist, hat er in meine Hand gegeben; in diesem Hause ist niemand grösser als ich; nicht das Geringste hat er mir vorenthalten ausser dich, insofern du seine Frau bist: Wie soll ich nun eine so grosse Schlechtigkeit begehen, und mich gegen Gott versündigen“ (Bereschit 39,7 – 9). Wie Raschi erklärt, war Ehebruch schon den Nachkommen Noachs verboten worden (siehe auch Nachmanides zu dieser Stelle). (Von: Prof. Dr. Yizhak Ahren)

Sidra WAJeschew

Ein Korb mit Kriechtieren
In den Stelleninseraten wird immer der perfekte Arbeiter gesucht: Er/sie soll jung sein, viel Arbeitserfahrung und die richtigen Diplome haben sowie eine makellose Vergangenheit mitbringen. Apropos makellose Arbeitsvergangenheit …. Wie steht es mit dem Makel und der Stellenbewerbung unserer Vorfahren?

Im Talmud lesen wir über die Voraussetzung, Haupt einer jüdischen Gemeinschaft zu sein: „Rabbi Jochanan sagte im Namen des Rabbi Schimon ben Jehozadak, dass man nur denjenigen zum Verwalter über die Gemeinde einsetze, dem hinten ein Korb mit Kriechtieren nachhängt, damit man, wenn er hochmütig würde, zu ihm sagen könnte: „Tritt zurück!“. Was bedeutet der Ausdruck  ‚Ein Korb mit Kriechtieren‘? Dass die  Verwandten dieses Mannes nicht makelfrei sind, und man ihn, wenn er hochmütig wird, wegen der Makel seiner Verwandten entlassen kann.

Häupter anzustellen hinter denen ein Korb mit Kriechtieren hängt, ist uns gut gelungen. Ein schönes Beispiel dafür finden wir in der dieswöchigen Sidra ‚Wajeschew‘. Jehuda, einer der Söhne Ja’akows, lässt sich weit von seinen Brüdern entfernt in einer Kena’anitischen Gemeinschaft nieder. Er heiratet die kena’anitische  Schu’a und zeugt mit ihr drei Söhne. Der älteste Sohn, Er (ja, so heisst er) heiratet die kena’anitische Tamar. Er stirbt ohne mit ihr Kinder gezeugt zu haben. Jehuda fordert von seinem zweiten Sohn Onan, anstelle seines verstorbenen Bruders mit Tamar ein Kind zu zeugen. Onan verweigerte und wenig später stirbt auch er. Jehuda bekommt es mit der Angst zu tun – er will nicht noch ein Kind verlieren. Deswegen gibt er Tamar seinen dritten Sohn nicht. Sie ist sehr verdrossen darüber, verkleidet sich als Prostituierte und bietet Jehuda – mit Erfolg – ihre Dienste an. Aus diesem zweifelhaften Abenteuer wurde Perez geboren. Einer der Nachkommen Perez‘ – sechs Generationen später – ist Boas, der, wie wir es in der Megilat Ruth lesen können, die Moabiterin Ruth heiratet. Boas und Ruth sind die Urgrosseltern von König David.

König David hatte also so einen ‚Korb mit Kriechtieren‘ hinter sich hängen, was ihn laut den Talmudgeehrten zum richtigen Mann für das Hochamt des Königs machte. Ist dieses talmudische ‚System’ dem Hochmut entgegenzuwirken und Demut zu gewährleisten nicht wunderschön?

Schabat Schalom,
Rabbiner Ruven Bar Ephraim, JLG Zürich



Kategorien:Gesellschaft

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