Thorazitat des Tages – Parascha


ThoraKönig David sagte: „Der Anfang der Weisheit ist die Furcht vor dem Ewigen.“ (Psalme Davids: Psalm 111, Vers 10)

Thora-Parascha

Schabbat: „Acharej Mot / Kedoschim“
Sidra: 3. Mose  18:1 – 19:18
Haftara: Jeschajahu 5:1 – 21

Sidra Acharej Mot / Kedoschim

                   אֵיזֶהוּ גִבּוֹר, הַכּוֹבֵשׁ אֶת יִצְרוֹ
Welcher ist ein Held? Der seinen Trieb bezwingt

MISCHNA

Diese Woche lesen wir zwei Sidrot: Acherej Mot und Kedoschim. Acherej Mot schliesst bei den davorliegenden Sidrot des Buches Wajikra an: der Körper steht im Mittelpunkt. Was sollen wir zum Beispiel tun, falls unser Körper, gewollt, geplant oder ungewollt und ungeplant, Flüssigkeiten ausscheidet. Welche Folge hat dies auf die Position in der Gesellschaft und im Tempelritual. Auch lernen wir darüber, was wir unserem Körper ‚geben‘ dürfen, das heisst, welche Speisen erlaubt sind und welche nicht. Es wird uns unter anderem auch verboten, innerhalb der Grossfamilie Geschlechtsverkehr zu haben. Die zweite Sidra, Kedoschim, fängt mit dem Auftrag an: »Kedoschim tihju – Heilig sollt ihr sein« (Wajikra 19, 2). Was bedeutet ‚heilig sein‘? Raschi (Rabbi Schlomo Jizchaki, 1040-1105) dazu: Der, der das in Acherej Mot aufgelistete Verbot sexueller Beziehungen nachlebt, ist heilig. Für Raschi sind sexuelle Beziehungen innerhalb der Ehe der Weg, der zu Heiligkeit führt. Die Ehe wird auch ›Kiduschin‹ genannt, ein Wort mit dem gleichen Wortstamm wie Kedoschim.

Gemäss Ramban (Rabbi Mosche ben Nachman, 1194-1270) denkt Raschi zu minimalistisch. Wenn man sich auf Raschi verlässt, ist einer, der masslos aber koscher isst und sich seinen Lüsten masslos, aber schon innerhalb der Ehe übergibt, heilig. Laut Ramban bedeutet der Auftrag »Kedoschim tihju – Heilig sollt ihr sein«, dass man auch das Erlaubte mit Zurückhaltung geniessen soll.

Wenn wir in Kedoschim weiterlesen, bekommen wir eine Reihe von Aufträgen, die Antwort geben auf die Frage, was denn ›Heilig sollt ihr sein‹ bedeute. Zum Beispiel: Die Eltern ehrfürchten, Schabbat halten, die Armen und die Fremden füttern, nicht stehlen, nicht leugnen, nicht lügen, nicht bei Gottes Namen schwören, dem Nächsten nichts vorenthalten, ihn mit Recht richten, ihn zur Rede stellen, Lohn unmittelbar nach der verrichteten Arbeit ausbezahlen, den Tauben nicht verfluchen und dem Blinden nichts in den Weg legen, nicht lästern, kein Hass im Herzen tragen und nicht rachesüchtig sein gegenüber dem Andern, und das Wohl des Nächsten wie das eigene lieben (Wajikra 19, 3-18).

Wenn wir Raschis und Rambans Erklärungen und den Text der Sidra zusammenfügen, erscheint ein klares Bild: Wir sollen Meister über unsere Triebe sein, nicht umgekehrt. Wir sollen Mitgefühl für den Nächsten an den Tag legen, nicht ihn verachten. Wir sollen rechtfertig und integer sein, nicht unzuverlässig und selbstsüchtig. Dies ist die Antwort auf die Frage, was der Auftrag »Kedoschim tihju – Heilig sollt ihr sein« bedeutet.

Schabbat Schalom,
Rabbiner Ruven Bar Ephraim, JLG Zürich

Paraschat Haschawua: acherejmot.kedoschim.2.j..pdf, acherejmot.kedoschim.haftara.pdf



Kategorien:Gesellschaft

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