Thorazitat des Tages – Parascha


Thora„Wer auf Gott vertraut, dem wird Huld umgeben“ (Psalm Davids, Psalm 32, Satz 10)

Thora-Parascha

Sidra: „Beha’ alotecha“
Wochenabschnitt: 4. Mose 8,1 – 12,16
Haftara: Joel 2:15 – 3:5

Beha’alotcha-Psalm 68
Bitte um Gottes Beistand

An Tagen, an denen in der Synagoge aus der Tora vorgelesen wird,  rezitiert man zwei Verse aus dem Wochenabschnitt Beha’alotcha. Beim Öffnen der Lade sagt man: „Es war, wenn die Lade aufbrach, sprach Mosche: erhebe dich, Ewiger, dass sich zerstreuen deine Feinde und das Fliegen deiner Hasser vor dir“ (Bamidbar 10,35). Und beim Einheben nach der Tora-Vorlesung spricht man: „Und wenn sie (die Lade) sich niederliess, sprach er: Kehre zurück, Ewiger, zu den Myriaden der Tausende Israels“ (Bamidbar 10, 36). Rabbiner E. Munk erklärt die Bedeutung dieses Gebets: „Zuerst werden durch den Rundgang des göttlichen Wortes unter den Menschen die Feinde und Hasser des Göttlichen überwunden und zum Weichen gebracht, und dann nimmt das göttliche Wort ,milde’ seinen Ruheplatz im Menschenkreise und dann verwandeln sich die Tausende Israels durch eigenen Zuwachs und Anschluss von aussen in Myriaden.“

Dass Psalm 68 dem Wochenabschnitt Beha’alotcha zugeordnet wurde, hängt wohl damit zusammen, dass der Psalmist auf Mosche Rabbenus Bitte um Gottes Beistand zurückgreift: „Erhebt sich Gott, verstreuen sich seien Feinde und fliehen seine Hasser vor seinem Antlitz“ (Vers 2). Im folgenden Vers führt der Psalmist die Bitte weiter: „Wie Rauch verjagt wird, jage sie fort: wie Wachs am Feuer zerschmilzt vergehen Übeltäter vor Gott.“

Nach Auffassung von Rabbiner  Hirsch sind die oben angeführten Verse aus dem Wochenabschnitt „ein Kompendium der ganzen mit Moses göttlicher Sendung eingeleiteten Geschichte Israels und der Menschheit, und wohl bilden diese beiden Verse ein bedeutsames Buch für sich.“ Er fügt hinzu: „Einen Kommentar zu ihnen glauben wir aber in Psalm 68 zu finden, dessen Inhalt eben die mit Israel und dem Gesetze eingeleitete Geschichte des siegreichen Gottesreiches auf Erden bildet.“ (Von: Prof. Dr. Yizhak Ahren)

 Sidra Beha’alotcha

Gott und die Musik
Musik ist ein universelles Phänomen der menschlichen Existenz. Auf der ganzen Welt, in allen Ländern, Kulturen und Gemeinschaften wird musiziert. Arten, Stile, Rhythmen und Instrumente gibt es unzählbar viele. Auch kommen immer wieder neue oder neuentdeckte dazu. Zugegeben, Heavy-Metal-Fans sind nicht unbedingt eng befreundet mit Opernliebhaber und Jodelfreudige wohl nicht mit Anhängern von Klezmer Musik. Was sie aber verbindet, sind die Begeisterung und die Emotionen, die die Musik auslöst und das Verlangen, von den Instrumenten, Stimmen, Tönen, dem Schauspiel oder Spektakel in freudige Aufregung versetzt zu werden.
Wir umrahmen unser Leben mit Musik. Sie klingt in Restaurants, Einkaufszentren, Aufzügen oder drängt sich auf, wenn wir am Telefon unsere Reihe abwarten. Wir grenzen uns im Tram oder auf der Menschen überfluteten Strasse mit MP3 Spieler und Kopfhörer von der hinderlichen Menschenmasse aus und lassen uns mit den lustigsten, spannendsten und  Aufsehen erregendsten Melodien auf einen Bericht im Smartphone aufmerksam machen. Wir besuchen Konzerte, Opern, Musicals und Festivals und hören zu Hause oder im Auto CD’s und Radio. Und ja nicht zu vergessen: Wir kreieren Musik, wir komponieren, singen, spielen Geige, Gitarre, Mandoline, Klavier, Flöte, Orgel, Schlagzeug, Klarinette, Oboe, Tuba, Cello usw. Wir konstruieren sogar Musik, wir bauen – oft mit blossen Händen – die schönsten und genialsten Musikinstrumente.
In der dieswöchigen Sidra Beha’alotcha wird zum ersten Mal in der Tora ein Musikinstrument erwähnt: Die ‚Chazozra‘, mit ‚Trompete‘ übersetzt. Die Chazozra war ein funktionelles Kommunikationsinstrument. Mit der Chazozra wurden das Volk und die Fürsten des Volkes aufgeboten sich zu versammeln, kündigte man den Krieg an und rief die Soldaten auf, in den Krieg zu ziehen. Auch im Tempelkult spielte die Musik, das Schofar und die Leier, eine wichtige Rolle. In Psalm 98 begegnen wir der Chazozra wieder, diesmal jedoch eher emotional als funktional bedingt: „Mit Trompeten und Hörnerschall jauchzt vor dem König, dem EWIGEN .“ (98,6)
Chasanut, kultische und liturgische Musik formen für mich die Verbindung zwischen dem Zusammensein in Schul, dem Text der Gebete und dem Transzendenten, dem unaussprechlich Göttlichen. Oder wie Psalm 98 es ausdrückt: „Jauchzt dem EWIGEN, alle Länder, seid fröhlich, jubelt und spielt. Spielt dem EWIGEN auf der Leier, auf der Leier mit frohem Gesang. Mit Trompeten und Hörnerschall jauchzt vor dem König, dem EWIGEN.“ (Verse 4-6)
Liebt Gott die Musik? Vermittelt die Musik das Göttliche? Schuf Gott die Musik? Haust Gott in der Musik? Ich weiss es nicht. Auf jeden Fall bringt sie mir Gott nahe.

Schabbat Schalom,
Rabbiner Ruven Bar Ephraim, JLG Zürich



Kategorien:Gesellschaft

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