Ultraorthodoxe veröffentlichen Hetz-Broschüren gegen Militärdienst


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In einem Protestplakat ultraorthodoxer Aktivisten wird ein religiöser Soldat als Schwein dargestellt. (Foto: Yonatan Sindel / Flash90)

Radikale ultraorthodoxe Gruppen haben in Israel Broschüren verteilt, in denen sie gegen jene ultraorthodoxe Juden Stimmung machen, die der israelischen Armee beigetreten sind oder beitreten möchten. In den Broschüren werden ultraorthodoxe Soldaten mit vollem Namen, Telefonnummer und Adresse an den Pranger gestellt. Sie hätten ihre Seele an den Teufel verkauft.

Die Hetz-Kampagne ist ein weiterer Versuch, die „Seelenjäger“ zu stoppen. So werden ultraorthodoxe Militärangehörige genannt, die ihre Glaubensgenossen für den Armeedienst gewinnen wollen. Laut der Broschüre beschädigen sie die Welt der Thora und des ultraorthodoxen Judentums. Angeblich erhielten die ultraorthodoxen Anwerber „Hunderte von Millionen“ für ihre Arbeit bei der Armee und „Boni für jeden Kopf“, den sie erlegten.

Ausserdem werden die Männer auch ganz persönlich beleidigt, beispielsweise als Mensch „mit niedrigem IQ“, „frivol“ oder „korrupt und gierig“. Die Hefte raten, die Beschriebenen zu meiden und nicht mit ihnen zu sprechen, denn sie würden „Informationen an die Armee weitergeben“.

Das ultraorthodoxe Judentum ist die konservativste Richtung innerhalb des Judentums. Bis zum Jahr 2014 waren die streng Gläubigen offiziell vom Wehrdienst befreit, seit einer Gesetzesänderung werden sie nun verstärkt zum Armeedienst herangezogen. Mittlerweile gehören jedoch wieder ultraorthodoxe Parteien der Regierung an, und es wird nicht erwartet, dass Regierungschef Netanjahu die Rekrutierung der Haredim, wie sie auf Hebräisch heissen, weiter vorantreiben wird. Allerdings nimmt der Anteil der Strenggläubigen an der Gesamtbevölkerung immer weiter zu, und der Staat Israel steht vor der Frage, wie lange er sich eine derart grosse Zahl von Wehrdienstverweigerern noch leisten kann.

Die Armee hat für ultraorthodoxe Soldaten spezielle nach Geschlechtern getrennte Einheiten geschaffen, in denen die Religiösen viel Zeit für Gebete und das Studium der Thora haben. Die Soldaten, die in den Hass-Broschüren verunglimpft werden, wollen nun bei der Polizei eine gemeinsame Beschwerde gegen die Initiatoren einreichen.



Kategorien:Gesellschaft

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