Thorazitat des Tages – Parascha


Thora „Den Glauben eines Menschen, dessen Brotkorb gefüllt ist, diese allerdings keinen Genuss daraus schöpfen, da sie sich davor fürchten, morgen ohne Essen dazustehen, muss man in die Kategorie “niedrig“ einstufen…“ 

Thora-Parascha

Schabbat – Chol Hamoed Sukkot
Lesungen: 2. Mose 33,12 – 34,26; 4. Mose 29, 29-31
Haftara: Hesekiel 38,18 – 39,16

Schabbat Chol Hamo’ed Sukkot

Freude und Verdruss
Die Sukkot Woche bringt uns wieder in die Alltagswelt zurück. Sukkot bringt uns – nachdem wir an Rosch Haschana und Jom Kippur in heiliger Zeit weilten – wieder mit beiden Beinen auf die Erde. An den Hohen Feiertagen wandten wir uns unserem tiefsten Inneren zu und zogen Bilanz. Wir fahnden nach unschönem Verhalten und Fehltritten. Letztendlich mahnten wir uns, von guten Vorsätzen flankiert. Jom Kippur fordert uns auf, gut zueinander zu sein. Sukkot fordert uns auf, fröhlich zu sein. An Jom Kippur stellt das Fasten uns auf die Probe, an Sukkot (in Europa) das Wetter. Kälte oder Nässe können einem die Freude und das Vergnügen der Mahlzeit mit Gästen in der Sukka verderben. Die schöne, bunt verzierte Sukka, die Einladungen und das Zusammensein mit Familie und Freunden, helfen uns den Übergang von nachsinnlicher Schwere in lockere Fröhlichkeit zu machen. In der Antike war Sukkot die einzige Ferienwoche. Nach dem Einsammeln und Einlagern der Ernte gab es einige Tage der Ruhe bevor der Zyklus von pflügen, säen, mähen und ernten wieder vonstattengehen konnte. Entspannung, Ausgelassenheit und Freude geben an Sukkot den Ton an. Das Lulawschütteln, obschon ein ziemlich archaischer Brauch, ist eine Wonne.
Aber dann kann einem der Alltag wie eine kalte Dusche auf den Kopf fallen. Das passierte mir. Eine böse oder kranke Person hat unserem Präsidenten einen Brief geschickt mit der Mitteilung, ich habe eine Affäre mit seiner Frau. Der anonyme Briefschreiber fordert, dass das Präsidium mich bewegt, die heimliche Beziehung zu beenden und die nötigen Massnahmen gegen mich zu treffen. Geschehe dies nicht, so droht der Typ, informiere  er alle Gemeindemitglieder und sämtliche Kollegen in Europa über die geheime Affäre.
Eine solche Verleumdung könnte mir, auch wenn es ‚nur‘ um eine Verleumdung geht, meine glückliche Ehe mit Sylvia und  meine Traumstelle in Or Chadasch kosten. Ich habe mit Sylvia und dem Vorstand besprochen wie ich diese widerwärtige Sache angehen soll. Ich habe eine Anzeige bei der Polizei gemacht und mich entschieden in die Or Chadasch Öffentlichkeit zu treten.
Der Verleumder konnte mir meine grosse Freude und Zufriedenheit über die Hohen Feiertage und Sukkot nicht verderben. Zugegeben, während etwa 48 Stunden war ich fassungslos und erschüttert, namentlich darüber, was sein werde, wenn Sylvia und der Vorstand dieser widerlichen Person die Lüge abkaufen würden. Sowie der Kappot Temarim, der Dattelpalmzweig, nach dem Schütteln wieder zurückfedert, so lässt mich mein reines Gewissen und das Vertrauen von Sylvia und dem Vorstand wieder zurückfedern. Die Hohen Feiertage, die bis zum letzten Stuhl besetzte Synagoge, Ihr lautes Mitsingen und meine Kumpanen Gustavo Zahnstecher und Philippe Mestrinel haben mir gut getan. Das lasse ich mir nicht nehmen.
Der Prophet Secharja (8, 19) hat uns die beste Medizin gegen Lüge und Verleumdung gegeben:  הָאֱמֶת וְהַשָּׁלוֹם אֱהָבוּ  –    ha’emet wehaschalom ehawu, liebt die Wahrheit und den Frieden!

Schabbat Schalom – mo’adim lesimcha,
Rabbiner Ruven Bar Ephraim, JLG Zürich

Paraschat Haschawua cholhamoed.sukkot.pdf



Kategorien:Gesellschaft

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