In Gedenken an Shira


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Liebe Freunde,

Eine Woche ist es nun fast her, dass die schreckliche Nachricht des Terroranschlags in Jerusalem drei jungen Mädchen und einem jungen Mann das Leben nahm. Ganz Israel ist nach wie vor erschüttert und auch Deutschland trauert mit und zeigt Mitgefühl. Für mich ist dies nicht nur ein weiterer Anschlag; er trifft mich persönlich und geht tief, sehr tief! Und … es hat eine Weile gedauert, dass ich in der Lage war, überhaupt etwas in Worte zu fassen … es ist schwer zu beschreiben, welche Gefühle einen tagtäglich begleiten…

Shira ist die Tochter von Einat und Dudi, die ich vor 27 Jahren, gerade nach Israel gekommen, auf dem Geburtsvorbereitungskurs unser Söhne kennenlernte. Mit einem Tag Unterschied entbanden wir dann Yarin und Adi und lagen nebeneinander im Krankenhaus. Seither sind wir in Kontakt, nicht ständig, jedoch stetig. Darüber hinaus Nachbarinnen, die ihre Kinder mit den gleichen Freunden und in der gleichen Umgebung aufwachsen sehen. Dann gingen Dudi und Einat mit der israelischen Marine nach Deutschland, meiner Heimat, und vor allem Shira gefiel die deutsche Sprache, das Leben dort und fuhr immer wieder gern dorthin zurück. Ich freute mich sehr, denn zu der Zeit stand Deutschland und die deutsche Sprache noch nicht unter dem positiven Stern, so wie heute, und meine Kinder hatten es als Kinder einer deutschen Mutter in Israel nicht immer leicht. Shira war in jedem Fall die perfekte Botschafterin beider Länder.

Nach 2 Jungen, die im israelischen Militär gedient haben, kam vor zwei Monaten auch unser jüngster Sohn zum Militär. Er dient in einer Infanterie Eliteeinheit, die in Gebieten ihren Dienst tut, die uns schlaflose Nächte und unruhige Tage bereitet. Man betet und hofft, dass die Kinder ihren Dienst unversehrt an Leib und Seele überstehen werden. Ein Gedanke, der für Deutsche wohl kaum nachvollziehbar ist. Man denkt an die Kinder in jeder Minute des Tages und möchte ihnen die wenigen Stunden am Wochenende zu Hause möglichst angenehm gestalten, damit sie Kraft tanken das Kommende nicht nur physisch, sondern auch psychologisch zu verkraften.

Und dann passiert es,

dieses Unglück!!!

So nah bei dir,

dass es dir den Atem nimmt.

Dieser Schmerz, … dieser so unendliche tiefe Schmerz, der einen überfällt, der aber kaum den Schmerz und das Leid erahnen lässt, was Einat und Dudi, und die ganze Familie durchleben muss. Diesen Schmerz, den so viele Eltern in Israel ertragen müssen… Und du verstehst, dass es genauso dich hätte treffen können. Dieser Gedanke ist unerträglich!

Politik ist das eine, das Menschliche auf beiden Seiten ist katastrophal und unerträglich! In der Hoffnung, dass irgendwann und möglichst bald ein Weg gefunden wird, dass die Menschen im Nahen Osten in Frieden miteinander oder zumindest nebeneinander leben können, dass keine Mutter mehr dieses Leid erfahren muss und in Angst um ihre Kinder leben muss!

In Gedenken an Shira

Cathrin Shalev

(Zur Autorin: Cathrin Shalev, geb. Lippert kommt aus Norddeutschland und lebt seit 1990 mit ihrer Familie in Haifa. In der Jugend machte sie sich als Deutsche Meisterin und Nationalspielerin im Tennis einen Namen. Nach ihrer Einwanderung nach Israel – der Liebe wegen – und dem Übertritt zum Judentum engagiert sie sich für den interkulturellen Austausch und die Verständigung der deutschsprachigen Länder, insbesondere Deutschland und Österreich, mit Israel. Sie arbeitete im deutschen Honorarkonsulat, etablierte für das Land Österreich eine Sprachschule für Deutsch als Fremdsprache in Nordisrael, ist Direktoriumsmitglied in der Haifa-Stiftung, insbesondere für die deutschen Partnerstädte, und seit 2007 administrative Direktorin des DAAD Zentrums für Deutschland- und Europastudien an der Universität Haifa sowie DaF-Dozentin am MA Studiengang German and European Studies.)

4 Tote und 15 Verletzte beim Terroranschlag in Jerusalem

Bei dem Terroranschlag am Sonntag des 8. Januars in Jerusalem sind 4 Menschen getötet worden. 15 weitere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Gegen 13:30 Uhr Ortszeit ist ein Terrorist mit einem Lastwagen in eine Gruppe israelischer Soldaten hineingefahren, die gerade aus einem Bus an der Promenade von Armon Hanaziv ausgestiegen waren.

4 junge Menschen, drei Frauen und ein Mann, sind bei dem Anschlag ums Leben gekommen, mindestens 15 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Einige der Verletzten waren unter dem Lastwagen gefangen. Shir (22), Yael (20), Erez (20) und Shira (20). Das sind die Namen der vier jungen Menschen.

Am Shabbatausgang haben sie noch zuhause zusammen mit ihren Familien gesessen, sicher hat man sich über den Ausflug nach Jerusalem im Rahmen ihres Offiziers-Lehrgangs unterhalten. Dann hat jeder noch am Abend seine Tasche für die neue Woche gepackt, um am nächsten Morgen dann pünktlich von zuhause wegzukommen. Sie verabschiedeten sich von ihren Eltern, die ihren Kindern eine gute Woche und einen schönen Tag in Jerusalem wünschten. Wer von den Eltern hätte gedacht, dass dies der letzte Morgen war, wo sie ihre Kinder lebend gesehen haben.

Jeder Soldat der israelischen Verteidigungsstreitkräfte fährt mindestens einmal im Rahmen seines Militärdienstes hierher, wo ihnen die Geschichte Jerusalems erzählt wird. So war es auch für Shir, Yael, Erez und Shira ein ganz normaler Tag, sogar ein besonderer Tag. Und dann kam der Lastwagen.

Wie schön war es doch, dass wir schon eine relativ lange Zeit keine Terroranschläge in Israel mehr hatten. Man hätte sich schon an diesen „normalen“ Alltag gewöhnen können. Es zeigt uns, wieder einmal mehr, wie zerbrechlich ein Friedensgedanke sein kann.

Bei dem Terroristen soll es sich um einen Bewohner von Ostjerusalem handeln. Er konnte durch Schüsse neutralisiert werden. Weitere Einzelheiten werden zurzeit nicht gemeldet da die Polizei eine Nachrichtensperre verhängt hat. Sicherheitskameras konnten den Moment des Anschlages festhalten (siehe Video).

Ein Sprecher des Hadassah – Krankenhauses berichtete, dass sich unter den Verletzen ein schwer- und drei mittelschwer verletzte Menschen befinden. Die Hamas Terror-Organisation hat den Anschlag begrüsst.

Der Tod von vier jungen Israelischen Soldaten ist von vielen Arabern in Gaza und auch in den arabischen Stadtteilen im Osten Jerusalems gefeiert worden. In Gaza gingen zahlreiche Menschen auf die Strasse, es wurden Süssigkeiten verteilt als Zeichen der Freude über den Tod der jungen Israelis (siehe Video).

Die Terror-Organisation Hamas hat den Terroranschlag begrüsst und zu weiteren Anschlägen aufgerufen. Sie versprach den „Märtyrern“, den „Shahiden“, die einen Anschlag gegen den „zionistischen Feind“ ausführen, ihre volle Unterstützung.

Der Anschlag wurde von dem Terroristen Fahdi Ahmad Al-Qunbar, einem Bewohner des Stadtteils Jabal Mukaber ausgeführt. Er hatte sich spontan entschieden, mit seinem Lastwagen auf die Gruppe der Soldaten zu fahren. Seine Schwester lobte die Tat ihres Bruders. Sie, wie auch weitere Familienangehörige, wurden später festgenommen, nachdem sie versuchten, für den „Märtyrer“ ein Trauerzelt zu errichten.

Und gerade in dieser Woche zeigt uns die Parascha deutlich auf. Das solange die Juden klein an Zahl waren, war die Feindseligkeit noch verhüllt; aber je grösser das jüdische Volk wurde, desto mehr Feindschaft rief es hervor, wie dieser Wochenabschnitt berichtet. Die Juden mussten also „vergessen“, dass ihre Lage bedrohlich war. Sie mussten sich an der Wahrheit und Schönheit ihres Glaubens orientieren.

Was müssen wir heute vergessen? Uns bedroht kein übermächtiger, offenkundiger Feind. Dennoch ist unsere Identität gefährdet, wenn wir der Versuchung erliegen und uns mit der jetzigen Situation abfinden. Manchmal müssen wir vergessen, wie schön es ist, von anderen umarmt zu werden, wie leicht es ist, auch ohne die Mizwot ein Leben lang finanziell sicher zu sein, wie bequem es ist, nicht „anders“ zu sein.

Gerade heute dürfen wir die unumstössliche Wahrheit der Tora nicht vergessen. Wenn Sie mitten an Ihrem materiellen Tag innehalten und sich fragen, was wichtig ist, dann werden Sie sich daran erinnern. Und dann werden Sie es tun.

Überall auf der Welt sind wir heute von einer demoralisierten und feindlichen Gesellschaftsschicht umgeben. Einer Gesellschaft, in der die elementaren Prinzipien von Menschlichkeit und Gerechtigkeit mit den Füssen getreten werden, einer Welt, die so verworren denkt und argumentiert, dass Dunkelheit für Licht und Licht für Dunkelheit erklärt werden, einer Welt, die vor sich selbst und – Gott behüte – vor einer atomaren Selbstvernichtung Angst hat.

Wir müssen uns bewusst machen, dass jede Tat, jedes Wort und jeder Gedanke eine Wirkung hat. Manchmal ist diese Wirkung greifbar, ein andermal ist sie eher subtil und nur für das feinere, spirituelle Auge sichtbar. Aber kein Potenzial bleibt unverwirklicht. So ermahnten uns unsere Weisen: „Wer schlecht von anderen redet, tötet drei: den Sprechenden, den Zuhörer und den, von dem er spricht“ (Talmud Erchin 15b).

Chaim Stolz



Kategorien:Sicherheit

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