Thorazitat des Tages – Parascha


„…aus den Freveln werden Frevler, die nichts verstehen. Doch die Verständigen werden verstehen!“ (Daniel Kapitel 12 Satz 10)

Thora-Parascha

Schabbat „Wa’Era“
Lesung: 2. Mose 6,2 – 9,35
Prophetenlesung: Hesekiel 31,1 – 18

Wa’era-Psalm 46
Himmlischer Religionsunterricht

Sieben der 10 Plagen, die Gott über die Ägypter brachte, werden im Wochenabschnitt Wa’era beschrieben. Da Psalm 78 sowie auch Psalm 105 die Plagen in Ägypten erwähnen, erkennen wir sofort, warum Rabbi Yizhak aus Trewola in seinem Werk „Schire HaLeviim“ diese zwei Psalmen mit Wa’era verknüpft hat. Unsere Aufgabe ist es, die Zuordnung von Psalm 46 zu begreifen. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: Beide Texte verweisen auf historische Ereignisse, die Menschen zum Erkennen des Allmächtigen bringen sollen.

In der Tora steht mehrmals, dass die Plagen eine Lektion darstellen. Vor der ersten Plage wird Mosche angewiesen: „Und sprich zu ihm: Der Ewige, der Gott der Hebräer hat mich zu dir gesandt mit den Worten: Entlasse mein Volk, dass sie mir dienen in der Wüste! Und siehe, du hast nicht gehört bisher. Also spricht der Ewige: Daran sollst du erkennen, dass ich der Ewige bin: Siehe, ich schlage mit dem Stabe, der in meiner Hand, auf das Wasser, das im Flusse, und es verwandelt sich in Blut“ (Schemot 7, 16 und 17). Vor der Hagelplage hört Pharao: „Denn diesmal sende ich all meine Schläge in dein Herz und gegen deine Diener und dein Volk; damit du erkennest, dass keiner ist wie ich auf der ganzen Erde“ (Schemot 9,14 Vgl. V.16).

Der Psalmist erkennt Gottes Wirken in der Geschichte: „Gehet hin und schauet die Tatwirkungen Gottes, der Verödungen auf Erden gegeben!“ (Psalm  46,9). Und er fordert: „Lasset ab und erkennet, dass Ich Gott bin, hoch unter den Völkern, hoch auf der Erde“ (Vers 11).

Rabbiner Hirsch kommentiert den zitierten Vers: „Lasset das fahren, was ihr bis jetzt festgehalten und woran ihr euch festgehalten habt, und lernet an den euch überall auf Erden begegnenden Ruinen von Staaten, die einst ebenso wie ihr in Vergötterung ihrer Macht auf Erden glänzten, doch endlich erkennen, dass Ich allein Gott hoch bin unter Völkern, wie Ich hoch bin auf der Erde, d. i. dass wie die Erdenwelt, Ich so auch die Menschenwelt beherrsche (vergleiche Psalm 24,1).“ (Von: Prof. Dr. Yizhak Ahren)

Sidra Wa’era

Lass mein Volk ziehen – שַׁלַּח אֶת־עַמִּי

Die Worte schalach et ami, aus der dieswöchigen Sidra Wa’era, inspirierten Jahrhunderte lang Millionen von Menschen. Sie drücken fundamentales Bedürfnis nach Freiheit aus. Der Ruf schalach et ami ist ein Urschrei des Schmerzes unterdrückter Menschen.
In Amerika war dieser Schrei  während der Sklaverei und während des Kampfs um die Gleichberechtigung und in Südafrika  während des Apartheid-Regimes zu hören. In der ganzen Welt kulminierte vor den Türen der Sovjet-Botschaften der Schrei von Juden und Nicht-Juden, die für die Auswanderungsfreiheit der Sovjet-Juden demonstrierten, die massenhaft nach Israel auswandern wollten.
Der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt deklariert die Freiheit in seiner Rede am Kongress vom 6. Januar 1941 als ein Grundrecht für jede Person in der ganzen Welt. Roosevelt spricht diesbezüglich von:
a.     der Freiheit der Rede und des Ausdrucks;
b.     der Freiheit der Religion;
c.     der Freiheit von Not (ausreichende Mittel für ein würdiges Leben);
d.     der Freiheit von Furcht.
Für viele Menschen auf der ganzen Welt formen die genannten Freiheiten die Basis der Realität, in der sie leben.  Aschrenu, ma tow chelkenu, wohl uns, wie gut ist unser Teil! Roosevelts ‚Freiheitsglauben‘ inspiriert jedoch längst nicht alle Regierungschefs und Regierungschefinnen. Zu viele Menschen verkehren in Angst, leben in Armut, kennen weder das Recht zu protestieren noch die Freiheit, ‚ihre‘ Religion zu leben. Die politische oder ökonomische Existenzangst jagt Millionen Menschen in die Flucht, oft in den sicheren Tod. Zu vielen Kindern werden Waffen in die Hände gedrückt mit dem Auftrag zu morden. Zu viele Frauen und Kinder werden vergewaltigt, zu viele Männer für den Krieg missbraucht. Zu Viele hungern, zu Viele warten auf Medikamente, die sie nie bekommen werden (obschon im westlichen Europa 30% der verabreichten Medikamente ungebraucht entsorgt werden). Zu viele Männer, Frauen und Kinder können sich keine Vorstellung machen von so etwas wie das ‚Recht auf Freiheit‘.  Die Vereinten Nationen haben 1951 die ‚Genfer Flüchtlingskonvention‘ anerkannt, in der die Rechte und Pflichten der Flüchtlinge und der Gastländer festgelegt sind. Der Staat Israel gehört zu den 145 Ländern, die diese Konvention unterschrieben haben. Selbstverständlich! Denn wer weiss besser wie es ist Flüchtling zu sein, als das jüdische Volk? Wer erlebte das Verlangen nach Freiheit stärker als das jüdische Volk?
Wie geht Israel, siebenundsechzig Jahre nach dem Unterschreiben der Flüchtlingskonvention mit Flüchtlingen aus Sudan und Eritrea um? Meine Empörung und meine Scham sind gross. Als ob man nie von den Rechten und Pflichten, die in der Konvention festgelegt sind, gehört, geschweige denn, sie unterzeichnet hat. Unbegrenzte Inhaftierung tritt anstelle der Pflicht, den Flüchtlingen Unterkunft zu bieten. Rechtlose Ausschaffung tritt anstelle nachvollziehbarer und fairer Prozeduren, die dem Geflüchteten das Recht auf Berufung einzulegen verschaffen.
Heinrich Heine soll gesagt haben, dass das Wort ‚Freiheit‘ seit dem Auszug aus Ägypten mit einem hebräischen Akzent ausgesprochen wird. Schön. Die Israelische Regierung  hat offenbar nie von Heine gehört.

Schabbat schalom,
Rabbiner Ruven Bar Ephraim, JLG Zürich

Paraschat Haschawua: waera.2.j.pdf, waera.haftara.pdf



Kategorien:Gesellschaft

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