Zu den jüngsten polnischen Äusserungen


Der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki sagte gestern auf der Sicherheitskonferenz in München in Bezug auf das umstrittene polnische Holocaust-Gesetz, dass es nicht strafbar sei, wenn man sagen werde, es habe polnische Täter während des Holocaust gegeben, genauso wie es auch jüdische , russische oder ukrainische Täter gegeben hätte und nicht nur deutsche. Diese Satz hat in Israel eine neue Welle der Entrüstung in allen politischen Kreisen hervorgerufen. Es wurden Stimmen laut, die forderten, die israelische Botschafterin in Polen zurück nach Israel zu beordern.

In der Zeitung Jediot Achronot erschien heute ein Bericht des Journalisten Ronen Bergman, die sich zur Zeit wegen der Sicherheitskonferenz in München aufhält. Im Artikel schreibt er, dass er vom polnischen Ministerpräsidenten eine Stellungnahme zu dem Holocaust-Gesetz bekommen wurde. Daher wandte er sich einer Fragestunde an ihn und sagte:

„Was ich sage, hat mit dem neuen Gesetz zu tun, dass Sie gerade verabschiedet haben, das Menschen verbietet zu sagen, dass Sie (Polen) mit an dem Genozid meines Volkes beteiligt waren. Ich komme aus Israel. Ich bin ein israelischer Journalist und schreibe auch für die New York Times. Entschuldigen Sie mich, wenn ich etwas persönlich werde. Meine beiden Eltern wurden in Polen geboren. Meine Mutter erhielt im Alter von 5 Jahren einen Preis des polnischen Bildungsministeriums Danach begann der Krieg und sie verloren den grössten Teil ihrer Familie wegen ihrer Nachbarn, ihrer polnischen Nachbarn, die der Gestapo verrieten, dass sie Juden bei sich versteckten. Meiner Mutter gelang es, einen grossen Teil der Familie zu retten, weil sie in der Nacht hörte, wie ihre Nachbarn sagten, dass sie der SS am nächsten Tag sagen werfen, dass sie Juden bei sich haben.“

„Nach dem Krieg schwor meine Mutter, dass sie in ihrem ganzen Leben niemals mehr Polnisch sprechen werde, nicht ein einziges Wort. Wenn ich richtig verstanden habe, werde ich jetzt nach diesem Gesetz in Ihrem Land als Straftäter angesehen. Was ist der Sinn dieses Gesetzes? Was für eine Botschaft wollen Sie der Welt damit mitteilen? Sie erreichen damit nur das Gegenteil und schenken diesen Grausamkeiten nur noch mehr Aufmerksamkeit.“

Der israelische Journalist bekam starken Beifall von den Anwesenden Dann antwortete der polnische Ministerpräsident in Bezug auf das Holocaust-Gesetz, das zu einer tiefen Krise zwischen Israel und Polen geführt hat. Er sagte:

„Zunächst ist es sehr wichtig, zu verstehen, dass niemand bestraft werden wird oder es als Straftat angesehen wird, wenn er sagt, dass es polnische Täter während des Holocaust gegeben hätte. Genauso wie es auch jüdische, russische und ukrainische Täter gegeben hat und nicht nur deutsche. Allein im Jahr 2017 mussten polnische Botschaften 260 Mal auf die Bezeichnung polnische Todeslager oder Konzentrationslager reagieren. Meine Damen und Herren, es hat keine polnischen Todeslager oder Konzentrationslager gegeben, es waren Lager der deutschen Nazis.“ „In Polen, das heisst, auf polnischen Boden, denn es gab während des 2. Weltkrieges kein Polen, war der einzige Platz auf Erden, wo all die Familien, all die Nachbarn, all die Dorfbewohner umgebracht wurden, weil sie unseren jüdischen Brüdern und Schwestern halfen. Wir haben 6 Millionen Menschen in Polen verloren, das ist der höchste Prozentsatz unter allen europäischen Nationen. Insgesamt 30.000 Juden sind aus dem Warschauer Ghetto geflohen und ihnen wurde von drei-, vier- oder fünfmal so vielen polnischen Bürgen geholfen, auch wenn sie dadurch den Tod der ganzen Familie riskierten.“

Dann sagte er: „Wir werden niemanden verfolgen, der sagt, es habe polnische Verbrecher gegeben. Aber wir können nicht hinnehmen, dass Täter mit Opfern vermischt werden.“

Mehrere israelische Politiker beschuldigten danach den polnischen Ministerpräsidenten des Antisemitismus.

Yair Lapid (Jesh Atid) forderte, die israelische Botschafterin sofort aus Polen abzurufen. Die Aussage des polnischen Ministerpräsidenten sei Antisemitismus ältersten Sorte. Die Täter seien nicht die Opfer. Der jüdische Staat werde nicht zulassen, dass die Ermordeten für ihren eigenen Mord verantwortlich gemacht würden.

Der Vorsitzende der Arbeitspartei Avi Gabai sagte, der polnische Ministerpräsident habe wie jeder andere Verleugner des Holocaust gesprochen. „Das Blut von Millionen Juden schreit aus der Erde Polens über die Verfälschung der Geschichte und der Flucht vor der Verantwortung. Juden wurden während des Holocaust ermordet und Polen haben aktiv an ihren Mord teilgenommen“, sagte Gabai.

Mehrere israelische Politiker beschuldigten danach den polnischen Ministerpräsidenten des Antisemitismus.

Yair Lapid (Jesh Atid) forderte, die israelische Botschafterin sofort aus Polen abzurufen. Die Aussage des polnischen Ministerpräsidenten sei Antisemitismus ältersten Sorte. Die Täter seien nicht die Opfer. Der jüdische Staat werde nicht zulassen, dass die Ermordeten für ihren eigenen Mord verantwortlich gemacht würden.

Premierminister Benjamin Netanyahu hat sich am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz zu den ebenfalls dort getätigten Äusserungen seines polnischen Amtskollegen Mateusz Morawiecki in Zusammenhang mit dem polnischen Holocaustgesetz geäussert.

Netanyahu erklärte:

„Die Bemerkungen des polnischen Premierministers hier in München sind empörend. Es bestehen hier ein Problem der Unfähigkeit, die Geschichte zu verstehen und ein Mangel an Sensibilität gegenüber der Tragödie unseres Volkes. Ich beabsichtige, schnellstens mit ihm zu sprechen.“

Am Sonntag schliesslich sprachen die beiden Premierminister am Telefon miteinander. Premierminister Netanyahu erklärte seinem polnischen Amtskollegen Morawiecki gegenüber, dessen Äusserungen seien inakzeptabel gewesen und es gebe keine Basis für einen Vergleich der Handlungen von Polen während des Holocaust zu denen von Juden.

Premierminister Netanyahu wies darauf hin, dass es das Ziel des Holocaust gewesen sei, das jüdische Volk zu zerstören und dass alle Juden zum Tode verurteilt gewesen seien. Er sagte seinem polnischen Amtskollegen, dass die Verzerrung bezüglich Polens nicht durch eine weitere Verzerrung korrigiert werden solle.

Beide einigten sich darauf, dass die Länder ihren Dialog zu diesem Thema fortsetzen würden und sich zu diesem Zweck Delegationen beider Länder bald treffen sollten.

Die polnische Regierung reagierte heute und besteht darauf, dass es sich bei den Äusserungen des Ministerpräsidenten nicht um eine Verleugnung des Holocaust gehandelt habe.

 



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