Polizei-Attacke gegen jüdischen Professor


Weil er eine Kippa trug, wurde Professor Jitzchak Jochanan Melamed (50) aus Baltimore (USA) am vergangenen Mittwoch in Bonn von Deutsch-Palästinenser Bilal Z. (20) angegriffen, beleidigt, getreten. Unfassbar: Polizisten halten Professor für den Täter, mindestens ein Beamter schlägt ihn. Nun wird gegen die Beamten ermittelt.

Der in Baltimore (USA) lebende Philosophie-Professor sagte der „Funke Mediengruppe“: „Ich war geschockt, und ich rief: ‚Ich bin die falsche Person!’“ Und: Er habe den Beamten gegenüber keinerlei Gegenwehr geleistet. „Ich war nicht zu 100, sondern zu 500 Prozent passiv, ich habe nichts gemacht.“

Eine verhängnisvolle Verwechslung, übermässiger Gewalteinsatz und Lügen in einer Pressemitteilung. Die Bonner Polizei sieht sich wegen ihres Vorgehens bei einem antisemitischen Angriff gegen einen israelischen Professor massiven Anschuldigungen ausgesetzt. Gegen die am Einsatz am vergangenen Mittwoch beteiligten Beamten wird ermittelt.

Jitzchak Jochanan Melamed, Professor aus Israel, lehrt an der Johns Hopkins University in Baltimore. Als er vergangene Woche für eine Vorlesung in Bonn war, wurde er im Hofgarten von einem Deutschen mit palästinensischen Wurzeln attackiert. Der Professor war am letzten Mittwoch gegen 14.20 Uhr mit einer Uni-Mitarbeiterin zu Fuss im Bonner Hofgarten unterwegs. Er trug eine Kippa. Der 20-Jährige, ein Deutscher mit palästinensischen Wurzeln, sprach den Mann darauf an, schlug ihm die Kippa mehrfach vom Kopf, schubste sein Opfer, schlug ihm gegen die Schulter. Dabei rief er: „Kein Jude in Deutschland.“ Das berichteten die Polizei in einer Pressemitteilung und Melamed selbst in einem Brief an mehrere Medien.

Als Melamed attackiert wurde, rief eine Begleiterin des Professors die Polizei. Die Einsatzkräfte hielten Melamed irrtümlicherweise für den Angreifer, überwältigten und schlugen ihn. Auch darüber gibt es keinen Zweifel, die Behörde hat die Verwechslung und Schläge in der Pressemitteilung eingeräumt. Allerdings verbreitete sie auch, Melamed sei nicht stehengeblieben und habe sich gewehrt.

Der Philosophieprofessor beschuldigt die Behörde, Lügen über den Vorfall zu verbreiten. Er sei dem Angreifer hinterhergelaufen, um den Polizisten die Richtung zu weisen. Seinem Schreiben zufolge gingen vier oder fünf Beamte sofort auf ihn los: „Sie drückten meinen Kopf zu Boden und dann, während ich völlig außer Gefecht gesetzt war und kaum atmen konnte, begannen sie mir ins Gesicht zu schlagen.“ Melamed sagt, er sei mehrere Dutzend Mal geschlagen worden.

Er habe sich in keiner Weise gewehrt, sondern nur gerufen, dass er der Falsche sei. Nachdem der Irrtum aufgeklärt war, hätten die Beamten auf der Wache auch noch versucht, ihn von einer Beschwerde abzubringen. Unter anderem soll der Satz „Leg dich nicht mit der deutschen Polizei an“ gefallen sein.

Die Aufarbeitung nach dem mutmasslich antisemitischen Übergriff auf einen jüdischen Gastprofessor aus den USA und dem aus dem Ruder gelaufenen Polizeieinsatz hat begonnen. Bei der Bonner Polizei, bei der Stadt und an der Universität haben sich am frühen Montagmorgen hochrangige Entscheider zusammengesetzt, um zu diskutieren, wie man mit dem Geschehenen nun umgehen soll.

Dass sich Bonns Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa bei Melamed persönlich entschuldigte, bezeichnete Melamed in seinem Statement als „klaren und unaufrichtigen politischen Schachzug“.

Bei der Uni seien Mails von besorgten Hochschulangehörigen und Alumni eingegangen. „Es ist eine Mischung aus Bestürzung, Trauer, Mitgefühl und einem Suchen nach Rat“, sagt Uni-Sprecher Klaus Herkenrath. „Es gibt ein hohes Bedürfnis nach Aufklärung“, ergänzt er: „Zudem es gibt viele Fragen und wir müssen nun die Antworten finden.“

Die Ermittlungen gegen die Polizisten führen die Staatsanwaltschaft Bonn und die Polizei Köln. Die Beteiligung aller vier bei dem Vorfall eingesetzten Polizisten werde geprüft, sagt Sebastian Buß, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Nach Angaben von NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) wurden gegen alle an dem Einsatz beteiligten Beamten Disziplinarverfahren eingeleitet.

Konkret gehe es um den Tatverdacht der Körperverletzung im Amt. Weitere Details zu den laufenden Ermittlungen würden aktuell nicht bekannt gegeben, sagte Buß. Die Kölner Polizei wollte sich aus diesem Grund gar nicht zu dem Vorfall äussern.

Robert Scholten, Sprecher der Polizei Bonn, teilte mit, dass der Verdacht der möglichen Strafvereitelung im Amt im Raum stehe. „Gegenstand der Ermittlungen ist auch der Versuch, den Professor auf der Wache von einer Beschwerde abbringen zu wollen.“

Laut Scholten steht fest, dass ein Beamter gewalttätig wurde: „Wir wissen, dass ein Kollege geschlagen hat.“ Dieser mache keinen Dienst mehr bei der Einsatzbereitschaft. Derzeit sei er krank geschrieben. Der Bonner Polizist, der bei einem Einsatz einen jüdischen Professor geschlagen hat, ist in eine andere Dienststelle versetzt worden.

Der betreffende Polizist schlug ihm ins Gesicht. Strittig ist allerdings, wie oft. Melamed spricht von „Dutzenden Malen“. Die Polizei verweist auf die laufenden Ermittlungen. Ein Augenzeuge beschrieb dem Bonner „General-Anzeiger“ den Vorfall ebenfalls als „äußerst brutal“. Er beobachtete demnach allerdings nur, dass ein Polizist mit dem Wissenschaftler gerungen habe, nicht mehrere.

Nach Angaben von NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) wurden gegen alle an dem Einsatz beteiligten Beamten Disziplinarverfahren eingeleitet.

Das ist der Juden-Hasser! Der 20-jährige Bonner wurde nach seiner antisemitischen Tat auf freien Fuss gesetzt

Unfassbar: Der polizeibekannte Täter ist auf freien Fuss, weil er einen festen Wohnsitz habe und die Vorwürfe (Körperverletzung, Volksverhetzung) reichten nicht für eine Untersuchungshaft. Laut Polizei er stand angeblich unter Drogen. Ein Schnelltest verlief positiv, die Blutentnahme wurde angeordnet. Selbst vor der Polizei wiederholte er seine antisemitischen Äusserungen. Professor Jitzchak Jochanan Melamed erstattete Anzeige gegen die Beamten. „Ganz sicher habt ihr ein Problem mit dem Antisemitismus, aber ihr habt auch ein Problem mit brutaler Polizeigewalt. Das ist ein abscheuliches Polizeiverhalten.“, sagte er zu diesem Vorfall.

(JNS und Agenturen / Beitragsbild: facebook.com/yitzhak.melamed)

 



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