Thorazitat – Parascha


Unsere Weisen lehrten uns: Es gibt drei Kronen: Die Krone des Richters, des Kohens (Priesters) und des Königs. Allerdings steht die Krone eines guten Namens über jede andere.

Thora-Parascha

Sidra: „Bereschit – Am Anfang“
Lesungen: 1. Mose 1,1 – 6,8
Haftara: Jesaja 30,6 – 18

Bereschit – Psalm 139

Wundervoll ist Gottes Schöpfung

Die Tora beginnt mit einem Bericht über die Erschaffung der Welt. Der Mensch wurde am sechsten Tag erschaffen: „Und Gott sprach: Lasst uns machen einen Menschen in unserem Bilde nach unserer Ähnlichkeit… Und Gott schuf den Menschen in seinem Bilde…“ (Bereschit 1, 26 und 27).

Dem Wochenabschnitt Bereschit wurde Psalm 139 zugeordnet. In diesem Kapitel spricht der Psalmist über Gottes Mitwirkung bei seiner Entstehung: „Denn Du hast meine Nieren Dir zu eigen gemacht, als Du mich decktest in meiner Mutter Schoss. Dir huldige ich darob, dass ich in so überwältigend wundervoller Weise geworden bin. Wundervoll sind Deine Werke, und meine Seele ist sich des sehr bewusst. Dir war mein Wesen nicht verhohlen, als ich im Verborgenem gestaltet ward, gewebt wurde in der Erdenniedere“ (Verse 13 – 15).  Der Mensch zeichnet sich von allen anderen Lebewesen dadurch aus, dass er um das Wundervolle der Schöpfung weiss und Dank aussprechen kann.

Den Ausdruck „gewebt in der Erdenniedere“ erläutert Rabbiner S. R. Hirsch: „Die Stätte, in welcher die allerersten Anfänge eines irdischen Daseins vorgehen, wird hier bildlich: irdischer Untergrund, Erdenniedere genannt. Es ist die unterste Stufe, von der auf ein zu geistiger Höhe bestimmtes Wesen sich emporbildet.“ A. Chacham referiert einen Kommentar, der in der Erwähnung der Erde eine Andeutung auf die Erschaffung des ersten Menschen erkennt, von dem die Tora sagt: „Da bildete der Ewige, Gott, den Menschen aus Staub von dem Erdboden“ (Bereschit 2,7).

„Da schickte ihn weg der Ewige, Gott, aus dem Garten Eden, den Boden zu bauen, davon er genommen worden“ (Bereschit 3,23). Psalm 139 schildert die weiterhin bestehende Beziehung zwischen Gott und dem Menschen: „Du kennst mein Sitzen und mein Aufstehen, siehst meinem Gedanken schon entgegen aus der Ferne“ (Vers 2). Daher kann der Psalmist Gott um Hilfe bitten: „Leite mich in den Weg der Ewigkeit“ (Vers 24). (Prof. Dr. Yizhak Ahren)

Sidra Bereschit

Bin ich denn der Hüter meines Bruders?
Die erste Sidra der Tora, die dieswöchigen Sidra Bereschit, verwirrt mich. Es fängt schön und ordentlich an. Es gibt ein klares Programm für die Schöpfung von Himmel und Erde. Jeden Tag wird Neues erschaffen und nach sechs Tagen haben wir eine vollendete Schöpfung, in der Mensch und Tier ein gutes Leben geniessen können. Im Garten Eden, ein wahres Paradies auf Erden, sind Früchte, Pflanzen und Kräuter im Überfluss vorhanden. Doch es geht rasch bergab.
Adam und Chawa zeigen sich nicht von ihrer besten Seite. Adam informiert Chawa lückenhaft darüber, von welchen Bäumen sie die Früchte essen dürfen und von welchen nicht. Chawa ihrerseits verrät Adam nicht, von welchem Baum sie die Frucht gepflückt hat, die sie ihm zu essen gibt. Eine Musterehe ist die Verbindung zwischen Adam und Chawa wohl kaum zu nennen. Das Ende der Geschichte ist bekannt: Das Paradies wird aufgehoben, das Essen muss im Schweisse des Angesichts des Mannes verdient werden und die Frau leidet bei der Geburt grosse Schmerzen.
Mit der Harmonie auf Erden ist es getan. Obwohl alle Geschwister sich streiten, endet dies in der Regel nicht mit Mord. Kajin aber tötet seinen Bruder Hewel. Gott sieht „dass die Bosheit des Menschen gross war auf Erden und dass alles Sinnen und Trachten seines Herzens allezeit nur böse war“ (Bereschit 6, 5). Gott bedauert es, die Welt erschaffen zu haben und sinnt darauf, sie zu vernichten. Dies ist nun genau der Punkt, der mich verwirrt. Die Sidra Bereschit fängt mit dem Ordnen des Tohuwabohus an und endet mit dem Plan, die Welt wieder ins Tohuwabohu zu stürzen.
Nachdem Chawa die verbotene Frucht mit Adam geteilt hat, geht Gott auf die Suche nach Adam und ruft: „Ajeka“, wo bist du? (Bereschit 3, 8). Oder: Hinter welchem Baum, in welcher Grotte verbirgst du dich, wo finde ich dich? Nachdem Kajin den Hewel getötet hat fragt Gott ihn, wo sein Bruder denn sei. Kajin: „Haschomer achi anochi», bin ich denn meines Bruders Hüter? (Bereschit 4, 9).
Beide Fragen übersteigen den Kontext der Sidra und verweisen auf den geschilderten Niedergang der Welt. Die Fragen haben jedoch einen überraschend aktuellen Charakter. «Adam, Mensch, wo bist du?» Oder: Mensch, wo stehst du in deiner Gesellschaft? Was tust du, um dafür zu sorgen, dass die Welt, die Schöpfung, auch für die nächste Generation bewohnbar und lebenswert bleibt? Die Antwort verbirgt sich in der Verteidigung Kajins. Ja, wir SIND die Hüter unserer ‚Brüder und Schwestern‘, ja, wir SIND die Hüter unserer Nächsten. Ja, wir SIND die Hüter unserer Kinder, unserer nächsten Generation, damit auch sie auf Erden leben können. Wir sind verpflichtet dasjenige zu tun, was in unserer Macht und Möglichkeiten liegt, um Sorge zu tragen für unsere ‘Brüder und Schwestern’ und die nächste Generation.
Sidra Bereschit zeigt, wie gross unsere Pflicht und Verantwortlichkeit gegenüber der Welt und der Menschheit ist und, dass nichts tun, uns hinter Bäumen verbergen oder uns mit einer zynischen Frage verteidigen, uns nicht davon befreit.
„Als der Heilige, gepriesen sei Er, den ersten Menschen schuf, nahm Er ihn und zeigte ihm alle Bäume im Garten Eden und sagte: „Schau wie schön und gut Meine Werke sind! Alle habe Ich für dich erschaffen. Denke daran, dass du sie nicht zerstörst und Meine Welt nicht ruinierst, denn nach dir gibt es niemanden, der sie wiederherrichtet.“ (Midrasch Kohelet Raba 7, 28)

Schabat Schalom,
Rabbiner Ruven Bar Ephraim, JLG Zürich



Kategorien:Gesellschaft

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