Thorazitat – Parascha


Unsere Weisen lehrten uns: Wer seine Mitmenschen achtet, wird selbst geachtet.

Thora-Parascha

Schabbat Sachor:„Wajikra“
Sidra: 1. Sefer 3. Mose 1:1 – 5:26, 2. Sefer Dewarim 25:17-19
Haftara: Schmuel I 15:2 – 34

Wajikra-Psalm 50
Vom Sinn der Opfer

In unserem Wochenabschnitt ist von verschiedenen Opfern die Rede. Das hebräische Wort für Opfer lautet: Korban (Mehrzahl: Korbanot). Die Wurzel des hebräischen Wortes heisst: „näher kommen“. Geht man von der Wortbedeutung aus, so gelangt man zu einer Annahme, die viele Autoren vertreten; es sei die Gottesnähe, die mit den Korbanot angestrebt wird.

Psalm 50 behandelt das Thema Korbanot, auch wenn ein anderes hebräisches Wort (Sewach) verwendet wird. Der Psalmist spricht im Namen Gottes: „Versammelt mir die Frommen, die meinen Bund schliessen über dem Opfer“ (Vers 5). A. Chacham erklärt, dass die Frommen zusammengekommen sind, um den Bund mit Gott zu erneuern;  zum Bundesschluss haben sie Korbanot gebracht.

Unmissverständlich wird die Ansicht abgelehnt, der Ewige sei am Fleisch der Tiere interessiert: „Esse ich das Fleisch der Masttiere oder  trinke ich der Böcke Blut?“ (Vers 13). Wer opfert, der darf nicht eine verkehrte Auffassung von Korbanot haben – sonst ist sein Opfer sinnlos. Der Psalmist erklärt, nur solche Korbanot seien erwünscht, die man als Zeichen des Dankes bringt: „Opfere Gott Dank und bezahle dem Höchsten deine Gelübde“ (Vers 14). „Dank“ (hebr.: Toda) meint: Dank-Opfer (siehe Wajikra, Kap. 7, 12-15).

Rabbiner  Hirsch hat den eben zitierten Vers anders übersetzt: „Bekenntnis opfere Gott und löse dem Höchsten deine Gelübde“. Er folgt dem Kommentar von Raschi, der erklärt, Korbanot seien dann Gott wohlgefällig, wenn der Opfernde beim Darbringen seine Sünden bekennt. Opfer sind also dann erwünscht, wenn sie mit Gedanken der Umkehr verbunden sind. Den Zusammenhang der zwei Teile des Verses erklärt Raschi wie folgt: Erst nach der Umkehr eines Menschen nimmt Gott seine Gelübde wohlgefällig an. (Prof. Dr. Yizhak Ahren)

Sidra Wajikra; Schabbat ‘Sachor’ – 9. Adar II 5779

Erinnere dich!

Der Schabbat vor Purim heisst ‘Schabbat Sachor‘. Der Name ist dem ersten Wort des letzten Abschnittes der Tora Lesung, der speziell an Schabbat Sachor gelesen wird, entnommen. ‚Sachor‘ ist ein Imperativ und bedeutet ‘erinnere dich’! Und zwar daran, dass du nicht vergessen sollst, die Erinnerung an den bösen Amalek auszulöschen. Es handelt sich hier um einen merkwürdig spannenden Auftrag. Wir sollen uns jedes Jahr daran erinnern, die Erinnerung an Amalek auszulöschen. Amalek hatte das Volk Israel direkt nach der Überquerung des Schilfmeers von hinten, dort wo sich die Frauen, Kinder und alten Männer aufhielten, angegriffen (Dewarim 25, 17-19). Diese feige Tat hat Amalek in der jüdischen Tradition den zynischen Ehrentitel ‘Erzfeind’ eingebracht und ihn zum Symbol des Bösen ‘erhoben’.

Auch die auf die Tora Lesung folgende Haftara, ein Abschnitt aus den Prophetenbüchern, ist auf den Schabbat Sachor ausgerichtet. Wir fallen mitten in die zweite Episode der angespannten Beziehung zwischen dem Volk Israel und Amalek. Schmuel beauftragt den König Schaul, den Amalekiter König Agag und sein Heer zu schlagen: «So spricht der EWIGE der Heerscharen: Ich ahnde, was Amalek Israel angetan hat: dass es ihm in den Weg trat, als es aus Äִgypten heraufzog. Nun geh und schlage Amalek. Und alles was ihm gehört sollt ihr der Vernichtung weihen und nichts sollst du verschonen, sondern du sollst Mann und Frau, Kind und Säugling, Rind und Schaf, Kamel und Esel töten» (1. Schmuel 15, 2-3). Schaul tötet weder das Vieh noch den Agag. Dies kommt ihn teuer zu stehen, er verliert Schmuels Vertrauen und die Königskrone.

Der Auftrag, an Purim die Megilat Ester zu lesen, bringt uns zurück in die Amalek Saga. Mordechai und Haman fechten die dritte und letzte Etappe des Krieges zwischen Israel und Amalek aus. Mordechai ist ein Binjaminiter, Sohn des Jair, Sohn des Schimi, Sohn des Kisch (Ester 2, 5). Auch Schaul ist ein Sohn des Kisch (1. Schmuel 9, 1-2), was ihn zum Urgrossonkel von Mordechai macht. Haman ist der Sohn des Hamedata der Agagiter und ist somit ein Nachfahre des Amalekiter Königs Agag. Schaul hatte versagt, Agag und die Amalekiter auszurotten. Mordechai dahingegen stürzt Haman samt seinem Vorhaben, die Juden in Persien umzubringen, in den Tod.

Ich liebe diese wunderschöne Literatur mit ihren innerbiblischen Verbindungen. Die Kernbotschaft der Amalek Trilogie: Vergiss niemals das Böse zu bekämpfen.

Schabbat Schalom,
Rabbiner Ruven Bar Ephraim, JLG Zürich



Kategorien:Gesellschaft

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