Mondlandung scheitert am Hauptmotor


 israelische Raumsonde „BeReschit“

Kurz vor der missglückten weichen Landung am Donnerstagabend hat die israelische Raumsonde „BeReschit“ noch ein Selfie mit dem Mond gemacht

„Wir haben ein Problem mit dem Hauptmotor.“ So lautete die Ansage am Donnerstagabend um 21:23 Uhr Mitteleuropäischer Zeit aus der israelischen Kommandozentrale in Jehud bei Tel Aviv. Bis dahin war bei der Mondmission der israelischen Raumsonde „BeReschit“ alles wie geplant verlaufen. Im freien Fall zerschellte dann einige Momente später die Sonde auf der Mondoberfläche.

Der Abend hatte so verheissungsvoll begonnen: Mit der Übertragung des Live-Streams über Facebook und YouTube um 20:47 Uhr traf der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu mit seiner Frau Sara in der Kommandozentrale ein, schüttelte die Hände der Forscher und begrüsste den amerikanischen Botschafter David Friedman. Netanjahu nahm Platz neben dem südafrikanischen Milliardär Morris Kahn, der massgeblich an der Finanzierung des 100 Millionen Dollar teuren Mondprojekts beteiligt ist.

Um 21:07 Uhr leiteten die Forscher das Landemanöver von „BeReschit“ ein, das geschätzte 21 Minuten dauern sollte. Ein paar Augenblicke später empfing die Zentrale ein Selfie der Sonde, die sich dem Mond immer weiter annäherte. Applaus brandete auf. Über eine virtuelle Übersichtsgrafik verfolgten die Zuschauer, deren Anzahl auf dem Höhepunkt der Mission die Hunderttausendmarke knackte, die Entfernungsdaten der Sonde.

Das Problem mit dem Hauptmotor

Ein erstes Anzeichen, dass an diesem Abend nicht alles perfekt lief, war um 21:21 Uhr ein kleineres Problem mit der Telemetrie der Sonde, was sich aber schnell wieder klärte. Zwei Minuten später kam dann das Problem mit dem Hauptmotor, der ausfiel. Die Techniker versuchten, ihn neu zu starten. Dann brach die Kommunikation mit der Sonde ab. Um 21:26 Uhr hiess es aus der Kommandozentrale: „Wir sind nicht erfolgreich gelandet.“

Der Generaldirektor der israelischen Raumfahrtabteilung, Opher Doron, bestätigte: „Wir sind definitiv auf der Mondoberfläche abgestürzt.“ Durch den Motorenausfall und den zu späten Motorenstart sei die Sonde zu schnell unterwegs gewesen, um noch sicher zu landen. „Eine der Trägheits-Messeinheiten versagte. Das verursachte eine Kettenreaktion, über deren genauen Verlauf wir uns noch nicht klar sind“, sagte Doron. Israel ist trotzdem erst das siebte Land, das mit einem Raumfahrzeug bis zum Mond gelangte.

Netanjahu: Versucht es einfach wieder!

„Wenn man keinen Erfolg hat, versucht man es einfach wieder“, tröstete Premier Netanjahu das Forschungsteam. „Wir haben den Mond erreicht, und wir werden es wieder versuchen. Nächstes Mal wollen wir eine weiche Landung. Der Versuch an sich ist eine bedeutende Leistung.“ Dem stimmte Kahn, der auch Präsident der israelischen Organisation SpaceIL ist, die das Mondprojekt umsetzte, zu: „Wir waren nicht erfolgreich, aber unsere Leistung ist grossartig.“

Der israelische Präsident Reuven Rivlin hatte für den feierlichen Abend mehrere Dutzend Kinder in seine Residenz in Jerusalem eingeladen. Diese bauten unter anderem aus Papier das Modell der Raumsonde nach. Als alle nach der missglückten Mondlandung niedergeschlagen waren, stimmte er – per Fernschalte zugeschaltet – die israelische Nationalhymne an. Netanjahu stimmt mit ein und auch der Rest im Zuschauerraum begann zu singen.

Den Kindern sagte Rivlin: „Als wir Kinder wie ihr waren, konnten wir nicht davon träumen, einmal zum Mond zu fliegen. Das ist ein wichtiger Abend für Israel, seine Bürger und Kinder, die gesehen haben, was wir erreichen können, wenn wir uns anstrengen.“ Es gebe Enttäuschungen auf dem Weg. Aber die seien nichtig im Vergleich zu den Errungenschaften, die Israel geschafft habe. Es sei ein unvergesslicher Abend gewesen. Trotz der missglückten Landung fasste er zusammen: „Wir sind auf dem Mond.“

US-Astronaut Aldrin: Ihr inspiriert uns alle!

Der zweite Mann auf dem Mond, der amerikanische Astronaut Buzz Aldrin, schrieb am Donnerstagabend auf Twitter: „Mein Beleid an das Team SpaceIL der ‚BeReschit‘-Sonde, die es fast geschafft hätte! Die Kommunikation mit der Sonde wurde nur 150 Meter vor der Oberfläche verloren. Verliert nie die Hoffnung – eure harte Arbeit, eure Zusammenarbeit und Innovation inspiriert uns alle!“ Auch in Deutschland wurde Anteil am Ausgang der Mondmission genommen. Das Vorstandsmitglied des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, der Professor Hansjörg Dittus, sagte: „Schade! Aber es war trotz allem mutig. Meine Anerkennung haben sie trotz der am Ende missglückten Landung.“

(INN, Foto: SpaceIL, Twitter)

 



Kategorien:Wissenschaft

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