»Feindbild Israel hat ausgedient«


Demonstranten in Israel stehen für das iranische Volk

„Die Ideologie der Islamischen Revolution fällt auseinander.“ Israel und der Iran sind keine Feinde.

Das islamische Regime im Iran möchte sein Volk überzeugen, dass Israel neben den Vereinigten Staaten der grösste, böse Feind ist.

Von Zeit zu Zeit tauchen jedoch Beweise aus der unterdrückten Nation auf, die darauf hindeuten, dass das iranische Volk die Lügen der Ayatollahs nicht kauft.

Vor wenigen Tagen haben die USA den iranischen Spitzengeneral Qasem Soleimani ermordet. Teheran drohte mit weitreichenden Vergeltungsmassnahmen, auch gegen Israel.

Jetzt finden im Iran wieder regierungsfeindliche Proteste statt. Das Regime versucht natürlich, die Aufmerksamkeit auf die üblichen Sündenböcke zu lenken.

Das Regime platzierte oft grosse US- und israelische Flaggen auf stark frequentierten Fusswegen. Dies würde es Passanten ermöglichen, ihren Hass auf den Grossen und den Kleinen Satan zum Ausdruck zu bringen, ohne ihren Alltag zu stören. Multitasking!

An einer iranischen Universität jedoch verweigerten die meisten Studenten die Gelegenheit, die US-amerikanische und die israelische Flagge mit Füssen zu treten.

Ein von Twitter-User @mamlekate geposteter Videoclip zeigte Menschenmengen, die sehr zielstrebig und respektvoll an den Flaggen der USA und Israels vorbeigehen.

Today, the crowd in an Iranian university refused to trample US and Israel flag #LoveBeyondFlags. These IR ideologies, like forced hijab, are falling one by one. pic.twitter.com/spxEI9DRv4

— مملکته (@mamlekate) January 12, 2020

Das Video vom messianisch-israelischen Blogger @HananyaNaftali weitergepostet.

Viele Leute, auch Iraner, reagierten auf Hananyas Post. Ein iranischer Student schrieb, dass auch auf dem Boden seiner Universität eine ähnliche israelische Flagge gemalt wurde, aber „die meisten Studenten vermieden es, sie zu betreten“.

I will take pics or videos if you want !
We are people not terrorists who wants everyone dead !
As much as our media wants us to hate America ! Yours does too ! Think about it 🙂

— مهشید (@memento988) January 12, 2020

Wie @mamlekate sagte, „Die Ideologie der Islamischen Revolution fällt auseinander.“

Israel und der Iran waren vor der Machtübernahme der Mullahs gute Freunde and viele Iraner wissen sehr gut, dass sie im Grunde überhaupt keine Probleme mit Israel haben. (ih / JNS)

Farshid Delshad über die Proteste im Land, das Verhältnis zum jüdischen Staat und einen Regimewechsel.

Farshid Delshad

Herr Delshad, in den vergangenen Tagen sind Tausende Iraner auf die Strasse gegangen, um gegen das Regime zu demonstrieren. Wie bewerten Sie die Proteste?
Die Iraner ertragen die Mullahs nicht mehr. Sie haben mehr als 40 Jahre Repressalien, Diskriminierungen, Korruption und Lügen seitens der Regierung ertragen. Nun wollen sie ein System, das für die Menschen da ist – und nicht umgekehrt. Die Preise für Lebensmittel und Benzin explodieren, die Inflation wächst rasant. Davon haben die Demonstranten genug. Sie wollen ein Leben in Freiheit, Frieden und Sicherheit.

Auslöser der Proteste war der Abschuss eines ukrainischen Passagierflugzeugs durch die Revolutionsgarden – nachdem Teheran tagelang erklärt hatte, es habe sich um einen technischen Defekt gehandelt.
Das war vielleicht die eine Lüge zu viel, die das Fass zum Überlaufen brachte. Sie war so offensichtlich, so dreist, so feige, so unmenschlich. Die Demonstrationen haben ihren Ursprung jedoch in den Protesten von 1999, als die Iraner begannen, sich erstmals gegen die religiöse Führung auszusprechen. Trotz der Angst vor der Brutalität des Staates gehen die Demonstranten weiterhin auf die Strasse. Es ist ein Dammbruch. Exemplarisch hierfür steht auch das Verhältnis vieler Demonstranten zu den USA und Israel.

Was heisst das?
Iran ist ein sehr junges Land. Der überwiegende Teil der Bevölkerung ist unter 30 Jahre alt. Eine beträchtliche Zahl dieser Menschen sieht die USA und Israel nicht mehr als »Satan«, sondern als Vorbild. Viele junge Iraner hoffen auch auf US-Präsident Trump, weil sie wissen, dass die Mullahs nur die Sprache der Härte verstehen. Und insbesondere das Feindbild Israel hat ausgedient. Das Regime hat es lange konstruiert, um Geschlossenheit zu schaffen. Das funktioniert nicht mehr. Sie sehnen sich nach einer friedlichen Beziehung zu Israel, zumal es viele gemeinsame Interessen zwischen beiden Völkern gibt.

Mehrere Medien haben berichtet, dass sich nach der Tötung Qassem Soleimanis durch die USA viele, auch westliche, Iraner mit den Mullahs solidarisierten …
Soleimani hatte einen besonderen Status. Viele verehrten ihn. Aber das Gros der Menschen war gegen ihn. Sie waren dagegen, dass Soleimanis Revolutionsgarden schiitische Milizen unterstützen, um den Nahen Osten und Israel mit Terror zu überziehen. Die Iraner erwarten, dass die innenpolitischen Probleme im Land gelöst werden, und nicht, dass durch eine aggressive Expansionspolitik neue Probleme entstehen.

Wie wahrscheinlich ist es, dass das Regime zerfällt?
Ich hoffe, dass dies der Fall sein wird und dass es schnell geschieht. Es ist ein Prozess in Gang gekommen, der unumkehrbar ist. Jeder Politikwissenschaftler weiss, dass sich Diktaturen nicht ewig halten können. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Islamische Republik zerfällt.

Mit dem Jenaer Orientalisten sprach Philipp Peyman Engel.



Kategorien:Nahost

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  1. »Feindbild Israel hat ausgedient« — JNS – ISRASWISS – uwerolandgross

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