Thorazitat – Parascha


Wenn ein Mensch jeden Tag die Einsamkeit in einem persönlichen Gespräch mit Gott sucht, dann gibt es für Gott keinen Grund, einem Menschen irgendwelche Ängste ins Herz zu legen.

Thora-Parascha

Schabbat Schuwa „Ha’asinu -Höret“
Wochenabschnitt: 5. Mose 32:1-52
Haftara: Hoschea 14:2 – 10 / Micha 7:18 – 20

 Haasinu-Psalm 71
Gottes Wege

Den Abschiedsgesang von Mosche Rabbenu bezeichnet Rabbiner Hertz als ein lyrisches Lehrgedicht: „Mosche versetzt sich im Geist in eine lange nach seinem Tod liegende Zeit; er gibt von dort aus einen Rückblick auf Israels Geschichte und entwickelt die aus dieser Geschichte gewonnenen Lehren. Dabei gelangt er zu einer Rechtfertigung der Wege Gottes in seiner Beziehung zu Israel.“

Im zugeordneten Psalm 71 ist ebenfalls von der göttlichen Waltung die Rede. Der Psalmist erwähnt mehrfach (Verse 2,15,16,19 und 24) Gottes Gerechtigkeit (hebr.: Zedaka). Rabbiner Hirsch erklärt: „Zedaka ist die im Recht sich bewährende Liebe, die Liebesgerechtigkeit, die sich vor allem darin betätigt, dass, wenn ein Mensch nach dem Diktat des strengen Rechts den Untergang verdient hätte, Gott ihm durch Leidensverhängnisse zu einer solchen geistig sittlichen Neubildung verhilft, dass damit seine Vergangenheit gesühnt wird.“

Im Wochenabschnitt heisst es: „ Sehet jetzt,  dass Ich,  Ich es bin, und kein Gott nebenher; ich töte und belebe, verwunde, und ich heile und niemand rettet aus meiner Hand“ (Dewarim 32,39). Das folgende Bekenntnis des Psalmisten sieht aus wie eine Illustration des zitierten Verses: „Der Du mich viele und böse Nöte hast erfahren lassen, Du belebst mich wieder, und aus der Erde wogenden Tiefen führst du mich wieder hinauf“ (Vers 20).

Es gibt einen weiteren Berührungspunkt zwischen dem Wochenabschnitt Haasinu und Psalm 71. In der Tora steht: „Gedenket der Tage der Urzeit, erwäget die Jahre vergangener Geschlechter, frage deinen Vater, dass er dir künde, deine Alten, dass sie dir ansagen“ (Dewarim 32,7). Der Psalmist bittet um ein langes Leben, um den Nachgeborenen von Gottes Wegen erzählen zu können: „Und auch bis zum Alter und Greisenalter willst, Gott, Du mich nicht verlassen, bis ich Deinen Arm den Zeitgenossen verkündet, allen Kommenden Deine Allmacht“ (Vers 18). (Von: Prof. Dr. Yizhak Ahren)

Sidra ha’asinu – shabbat schuwa

Kehren

Dieser Schabbat verdankt seinen Namen dem ersten Wort der Haftara schuwa – kehre zurück! (Hoschea 14, 2). Der Prophet ruft das Volk Israel auf, zu ihrem Gott zurückzukehren und sich von den fremden Göttern abzuwenden. Das von ‘schuwa’, abgeleitete Wort Teschuwa, Einkehr, ist das Thema der Hohen Feiertage. Lass uns erst die Antwort auf die Frage ‘was bedeutet Teschuwa’ klären. Für Traditionalisten bedeutet es: Sich noch mehr auf das Nachleben der Mizwot richten, noch mehr Talmud, Schulchan Aruch und alle ihre Kommentare lernen und mit noch mehr Kawana, Widmung, beten. Wenn das für Sie funktioniert, schön. Ich vermute jedoch, dass die Realität für die meisten von uns eine andere ist.

In Prinzip kennt der Mensch sich selbst. Wir wissen von unseren guten und weniger guten Eigenschaften. Wir wissen, was uns zu tun bevorsteht, um mehr ins Reine mit uns selbst zu
gelangen. Der Ausspruch: ‘Einem alten Hund kann man keine neuen Tricks beibringen’ ist unjüdisch. Rabbi Elieser verkündete: «Kehre um einen Tag vor deinem Tode!» (Mischna Awot 2,
10). Es gibt somit keine Altersgrenze, die uns von der Pflicht verschont, über unser eigenes Verhalten nachzudenken und unser Verhalten zu ‘kehren’.

Die Zehn Bussetage sollen nicht lediglich unser Bewusstsein für unerwünschtes eingeschliffenes Verhalten öffnen, sie sind meines Erachtens hauptsächlich eine positive Anregung, um automatische Verhaltensmuster, auf die man – oft im Nachhinein – nicht gerade stolz ist, umzukehren. Wenn barsche Reaktionen, scheinheilige Schmeicheleien oder umgekehrt, verletzliche Gradheit zur Gewohnheit werden, verpasst man die Chance auf Respekt und wahrhaftige Zuneigung und somit auf Selbstwertschätzung. Ist das nicht schade? Die jüdische Tradition geht von der Fähigkeit des Menschen aus, sich zu erneuern. Die Selbsterneuerung der Natur im Frühling oder nach Naturkatastrophen ist erstaunlich. Meine eigene Selbsterneuerung fällt mir oft ungemein schwer. Alte, unschöne Verhaltensmuster können einem fesseln.

Teschuwa bedeutet ausser Einkehr auch Antwort. Einkehr verlangt Antworten auf sinnvolle und aufrechte Fragen. Solche Antworten sind schwierig, oft zwiespältig ja sogar widersprüchlich. Einkehr und Antworten, wie peinlich sie auch sein können, führen zu einer auf einem selbst und auf andere bezogene Akzeptanz. Sie öffnen Tore, neue Wege und Herzen.

Lass es uns gelingen.

Schabat Schalom,
Rabbiner Reuven Bar Ephraim,  JLG Zürich


18.45 Ma’ariw leSchabbat – Live Übertragung https://www.orchadasch.netlify.com
10.00 Schacharit leSchabbat – Live Übertragung https://www.orchadasch.netlify.com

Siddurim:



Kategorien:Gesellschaft

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