Die Schüsse im Inneren des Fahrzeuges


Amir Levy/FLASH90

Die kleine Gruppe von rechtsgerichteten Journalisten verflüchtigt sich inmitten linksgerichteter Machtkämpfe.

Für die deutsche Redewendung „Sich selbst ins Knie schiessen“ gibt es im Hebräischen einen ähnliches, wenn nicht sogar noch dramatischeres Idiom, wo es heisst, man „schiesst im Inneren des Fahrzeuges“. Die Bedeutung bezieht sich darauf, dass sich Freunde in genau dem Fahrzeug, das sie vor feindlichem Feuer schützen soll, gegenseitig beschiessen. Dies ist ein grauenhaftes Bild, das auf Menschen aus demselben politischen Lager angewandt wird, die miteinander abrechnen, ungeachtet des Kollateralschadens, den sie ihrem eigenen Lager zufügen.

Vor kurzem erzählte ich in meiner Kolumne die merkwürdige Geschichte von drei führenden Journalisten des rechten Flügels, die fast gleichzeitig dieselbe Meinung veröffentlichten und Netanjahus Rücktritt als Gegenleistung für eine Einigung im Strafverfahren forderten. Ob zu Recht oder zu Unrecht, diese recht überraschende Einmütigkeit zwischen führenden rechten Journalisten gab der Spekulation Nahrung, dass Generalstaatsanwalt Avichai Mandelblit diese drei getroffen und sie irgendwie davon überzeugt habe, dass eine Einigung im Strafverfahren den Interessen Israels am besten dienen würde. Libeskind reagierte auf die Gerüchte, er sei zum Kollaborateur von Mandelblit avanciert, äusserst wütend. Ein solches Treffen, schrieb er, habe es nie gegeben, und diejenigen, die das andeuten, seien einfach nur Lügner. Und da auch ich zu der Annahme verleitet worden bin, dass ein solches Treffen stattgefunden habe, ist dies nun der richtige Moment, um mich für diese Fake-Nachricht zu entschuldigen.

Libeskind begnügte sich nicht mit der Aussage, dass Mandelblit ihn nicht informiert hat. In einer Kolumne mit dem Titel “Das gefährliche Blumenbeet”: Unkraut, das am Rande des rechten Journalismus wächst”, ging Libeskind zu einem noch nie dagewesenen Angriff über, bei dem er nicht weniger als acht rechte “Medienschaffende”, wie er sie nennt, unter Beschuss nahm, darunter der populäre Shimon Riklin sowie Kinneret Brashi (letztere ist keine Journalistin – TS).

Neben anständigen rechten Journalisten, die es irgendwie geschafft haben, ihren Weg in die linken Mainstream-Medien zu finden, schreibt Libeskind, “spriesst im Blumenbeet ungestört gefährliches, wildes Medien-Unkraut. Leute, von denen die meisten nie eine Nachricht geschrieben, nie Informationen gesammelt, nie in ein altes Archiv getaucht, nie mit einer Quelle gesprochen, nie eine Geschichte überprüft haben … Leute, die keinen Journalismus verstehen, die keine journalistische Ethik haben”, und diese Art von Angriff geht gnadenlos weiter, nur einen Tag vor dem Tag der Busse (Jom Kippur), und wohlgemerkt von einem religiösen Journalisten.

Libeskinds heftiger Angriff auf rechte “Medienmitarbeiter” wurde von seinen verbitterten linken Kollegen enthusiastisch aufgenommen, die bis zu diesem Zeitpunkt seine vernichtenden, bahnbrechenden Enthüllungen über Richter des Obersten Gerichtshofs und das Rechtssystem ignoriert hatten. Amos Biderman, der Karikaturist der linksextremen Tageszeitung Haaretz, präsentierte folgende Karikatur fröhlich auf seinem Twitter-Account.

Die Karikatur zeigt Libeskind, wie er fröhlich mit den Kleidern von Yaakov Berdugo und Riklin wegrennt, die beiden, die er heftiger angegriffen hat als alle anderen. Die Shofar-Hörner, die die beiden in der Hand halten, verweisen auf die Art und Weise, wie israelische Medien rechte Journalisten nennen. Sie sind Shofars, das heisst, sie sind Instrumente, Marionetten von Netanjahu, die seine Botschaften nur verstärken.

Ebenso heftig reagierten allerdings die angegriffenen Journalisten. Erez Tadmor, ein ehemaliger Berater Netanjahus, schrieb: “Jahrelang waren unsere Reaktionen [auf Libeskind] zurückhaltend … in dem Bemühen, Schüsse innerhalb des Fahrzeuges zu vermeiden. Und jetzt, im Anschluss an seinen Artikel [der eine Verständigung im Strafverfahren vorschlug], als wir zum ersten Mal wagten, Libeskinds Heiligkeit anzuzweifeln, … gerät er ausser Kontrolle. Kleiner Mann.”

Das ehemalige Likud-Mitglied Yaara Zered tweetete: “Es stört Kalman Libeskind, dass ich Likud-Aktivistin war, und zu meiner früheren Tätigkeit als Journalistin zurückkehrte. Sagen Sie, haben Sie Kalman irgendetwas sagen hören über … (Shelly) Yechimovich … das passiert, wenn Kalman mit sich selbst beschäftigt ist, anstatt mit der grossen Story.“ (Yechimovich ist eine Journalistin, die in die Politik gegangen ist und dann doch wieder zu den Medien zurückkehrte.)

Die Hauptbühne wurde jedoch Shimon Riklin überlassen, der den gesamten rechten Fernsehkanal 20 auf seinen Schultern trägt. Riklin wartete bis nach dem Versöhnungstag, um seinen Gegenangriff auf Libeskind zu starten, der 16 Minuten seiner 45-minütigen Abendnachrichtensendung in Anspruch nahm, ein Spektakel, das so noch nie zuvor gegeben hat.

Riklin war offensichtlich emotional, und seine gut vorbereitete Rede war sicherlich kein rednerisches Meisterwerk, aber er ging nicht wirklich auf Libeskinds Wut über das vorgetäuschte Treffen mit Mandelblit ein. Für ihn sei das eine Nebensache, sagte er, dennoch lüge Libeskind, wenn er sagt, Mandelblit habe keine rechten Journalisten Informationen zukommen lassen. Riklin störe vor allem, wie ein führender rechter Journalist wie Libeskind, mit einem Ego von der Grösse eines Fussballfeldes, sich so sehr mit der akribischen Vorgehensweise des investigativen Journalismus beschäftigt, dass er das grosse Ganze übersieht.

Rechts: Shimon Riklin spricht im TV Kanal 20. Links: Libeskind’s Artikel „Das gefährliche Blumenbeet“

Erklärungsbedürftig sei vor allem, warum er nach der vernichtenden Enthüllung Libeskinds über das Rechtssystem auf die Idee der “Verständigung im Strafverfahren” komme und warum gleichzeitig andere rechte Journalisten dasselbe vorschlagen. Die Auseinandersetzung mit Libeskinds Motiven ist nicht nur verständlich, sie ist notwendig, aber Kalman, so Riklin, kann keine Kritik dulden, daher sein erniedrigender Angriff auf seine ehemaligen Kollegen und Freunde.

Die Meinung von Libeskind sei nicht das Thema, so Riklin. Es ist der Generalstaatsanwalt Mandelblit, der zu einem politischen Aktivisten geworden ist, der jetzt versucht, rechte Journalisten zu rekrutieren, die Netanjahu stürzen wollen. Das sei die wahre Story hinter all dem jüngsten Aufruhr.

Und was die Journalisten betrifft, teilt Riklin sie in drei Typen ein:

  • Agenda-orientierte Journalisten, die sich nicht um die Wahrheit scheren.
  • Journalisten, deren Hauptanliegen es ist, die Welt zu verändern (Riklin – TS), und
  • Journalisten, die sich so sehr um Details kümmern, dass sie den Elefanten im Raum übersehen (Libeskind).

Diese Art von Journalisten sei nicht davor gefeit, durch ihre Quellen manipuliert zu werden, die sie für ihre eigenen Zwecke benutzen. Aus diesem Grund habe Libeskind seinen Weg in die Mainstream-Medien gefunden. Letztlich, so Riklin, diene diese Art von rechten Journalisten der alten israelischen Elite, die nie das Recht der Rechtsgerichteten auf das Regieren in Israel akzeptiert habe. Letzten Endes, so Riklin, habe Libeskind seine höhere Berufung, Israel zu verändern, um der klerikalen Arbeit in den Mainstream-Medien willen verraten.

Das Ergebnis dieses Scharmützels ist ein gewaltiger Riss in dem kleinen Kreis von rechten Journalisten, von denen viele religiös sind. Dies wird aus der Reaktion des religiösen Erel Segal deutlich, der zusammen mit dem religiösen Libeskind die Abendnachrichtensendung des öffentlichen Kan-Fernsehens moderierte. Nach Libeskinds gefährlichem Unkrautartikel hat er beschlossen, seinen langjährigen Partner und gut bezahlten Job für den mittelmässigen Fernsehsender 20 zu verlassen, der gern die israelische Version der Fox-Nachrichten wäre. Und würde dieses Scharmützel zu einer neuen, widerstandsfähigeren Art von rechtsgerichteten Journalisten führen, wie Riklin es sich erhofft? Die Zeit wird es zeigen.

Zumindest vorläufig, auch wenn viele Libeskind schätzen, kann es nicht darüber hinwegtäuschen, dass er sich, zumindest aus der Sicht der rechten Wählerschaft, wie ein Elefant in einem Porzellan-Laden benimmt. (Tsvi Sadan/ih)

 

 



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