Thorazitat & Parascha


„…du redest wie eine Niederträchtige. – Das Gute wollten wir von Gott annehmen, doch das Böse nicht?…“ (Hiob, 2. Kapitel, Satz 10)

Thora-Parascha

Schabbat „Wa’Jechi “
Lesung: 1. Mose 47,28 – 50,26
Parascha: Jehoschua 24:19 – 33

Live Streaming:  https://www.youtube.com/channel/UC6m5EJQu3x04EvapqMpG3vg

Wajechi-Psalm 41
Lohn des Krankenbesuchs

Sowohl im Wochenabschnitt als auch im zugeordneten Psalm 41 ist von der Mitzwa des Krankenbesuchs (hebr.: Bikkur Cholim) die Rede. 
 
In der Tora lesen wir: „Es war nach diesen Ereignissen, da liess er Josef sagen: Siehe, dein Vater ist krank. Er nahm darauf seine beiden Söhne mit sich, Menasche und Ephrajim. Er liess es Jakob erzählen und dann ihm sagen: Siehe, dein Sohn Josef ist zu dir gekommen; da erkräftigte sich Israel und setzte sich im Bette auf“ (Bereschit 48, 1 und 2). Ein Midrasch, den Rabbiner B. P. Goldberg in seinem Werk „Pne Baruch. Bikkur Cholim Kehilchato“ erwähnt, leitet aus der zitierten Tora-Passage folgende Regel ab: Ein Besucher sollte nicht plötzlich in das Zimmer einer kranken Person eintreten, denn sie könnte beschämt werden; vielmehr sollte ein Besucher erst nach Ankündigung eintreten.
 
Der zweite Vers von Psalm 41 lautet: „Selig, der sich des Kranken annimmt, am Tag des Unglücks wird der Herr ihn retten.“ Das Wort „ihn“ kann man sowohl auf den Kranken als auch den Besucher beziehen. Wen wird Gott retten? Im Talmud (Nedarim 40a) interpretiert Rav unseren Vers wie folgt: „Wer einen Kranken besucht, wird vom Strafgericht des Fegefeuers errettet.“ Der Talmud fragt dann weiter: „Was ist seine Belohnung auf dieser Welt?“ Als Antwort wird der dritte Vers von Psalm 41 zitiert: „Der Herr wird ihn behüten und erhalten, und glücklich gepriesen wird er in dem Lande, und du übergibst ihn nicht dem Übermut seiner Feinde“ (siehe auch Raschi zu dieser Stelle).
 
An die Tatsache, dass es für Krankenbesuche eine doppelte Belohnung gibt, erinnert uns eine Passage, die wir  im Morgengebet sprechen: „Dies sind Dinge, deren Früchte der Mensch in diesem Leben geniesst, deren Stamm aber für die kommende Welt erhalten bleibt“; aufgelistet ist dort im Lehrtext  u. a. Bikkur Cholim.  (Von: Prof. Dr. Yizhak Ahren)

Sidra Wajechi

Fehlschlag und Weltgeschichte

Mit der dieswöchigen Sidra Wajechi, ‘er lebte’, erzählt die Tora über Ja’akows Sterben. Sein Hinschied bewirkt eine neue Dynamik zwischen den Brüdern. Obschon Jossef den Brüdern den Verkauf an die Sklavenhändler verziehen hat (Bereschit 45, 5), überbringen ihm die Brüder Ja’akows letzte Bitte: «Dein Vater hat vor seinem Tod geboten: Dies sollt ihr zu Jossef sagen: Ach, vergib deinen Brüdern ihr Verbrechen und ihre Verfehlung, denn Böses haben sie dir angetan. Nun vergib den Dienern des Gottes deines Vaters ihr Verbrechen.» (Bereschit 50, 16-17). Jossef antwortet: «Ihr zwar habt Böses gegen mich geplant, Gott aber hat es zum Guten gewendet.» (Bereschit 50, 20). Ob Jossef seinen Brüdern glaubt und ob Ja’akow diese Worte tatsächlich gesagt hat, ist hier nicht der Punkt. Indem er die Geschehnisse in eine neue, positive Perspektive setzt, legt Jossef sein Erwachsensein an den Tag. Jossef bestätigt seinen Brüdern, dass sie «Böses» gegen ihn getan hatten. Weder schwächt er es ab, noch verschönert er die widerliche unbrüderliche Tat. Jossef wälzt sich jedoch nicht in seiner Opferrolle. Er lässt die Bitterkeit über den Verrat seiner Brüder, die er bestimmt gefühlt haben muss, keine Oberhand über sein Leben gewinnen. Im Gegenteil, er meint, es habe ihm Gutes gebracht, Gott habe es zum Guten gewendet. Hätten sie ihn nicht nach Ägypten verkauft, so wäre er nicht zum Unterkönig Ägyptens aufgestiegen. Wäre er kein Unterkönig von Ägypten, so würde er seine Familie nicht vor der Hungersnot haben retten können. Dieses ‘happy end‘ war sicherlich nicht die Absicht der Brüder, trotzdem hätte das grosse Glück die Ja’akow Sippe ohne ihre abscheuliche Tat nicht ereilen können.

Der Wettstreit und Zusammenprall zwischen Jossef und seinen Brüdern ist nur ein kleines Rad in der Kette der Tora Geschichte. Schon Awraham wurde mitgeteilt, dass seine Nachkommen 400 Jahre in Ägypten weilen würden (Bereschit 15, 13). Laut der Tora selbst, ist Jossefs Verkauf an die Sklavenhändler, sein Aufstieg und Erfolg als Wirtschaftsminister, die Rettung der Familie vor dem Hungerstod und die Umsiedlung der Ja’akow Sippe nach Ägypten, Unterteil Gottes Planes. Die Familie Ja’akowsohn wird zu einer grossen Nation heranwachsen, die mit Hilfe von Wundern das Sklavenleben und Ägypten hinter sich lassen wird. Das Buch Bereschit beginnt mit der Erschaffung der Welt und endet mit dem Beginn des Volkes Israel. Jedes Mal, wenn wir ein Tora Buch fertiglesen, sagen wir «hadran elecha», mit der Bedeutung: wir werden zu dir zurückkehren, um weiter zu lernen.

Unser Leben zeigt sich in unserer Verhaltensweise, unseren Taten und Erwiderungen. Im Allgemeinen sind wir zufrieden damit, wie wir Sachen meistern, manchmal sogar stolz darauf, wie wir etwas abgehandelt haben. Doch können wir nicht ableugnen, ich auf jeden Fall nicht, dass es Handlungsweisen in gewissen Situationen gab, auf die wir alles andere als stolz sind, ja, wofür wir uns sogar schämen. Der unterschwelligen Scham kann man sich stellen, indem man sein Verhalten beurteilt und, wenn nötig, verurteilt. Fehlerhaftes Verhalten bleibt fehlerhaftes Verhalten. Indem wir es evaluieren und berichtigen, bleiben unsere Fehler zwar ein Teil von uns selbst, sie bedrücken uns jedoch nicht mehr.

Schabbat schalom,

Rabbiner Ruven Bar Ephraim, JLG Zürich

PARASCHAT HASCHAWUA

wajechi.3.j.pdf wajechi.haftara.3.j.pdf



Kategorien:Gesellschaft

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