Ultraorthodoxen sehen ihre Privilegien in Gefahr


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Ultraorthodoxe sehen ihre Zukunft durch Militärdienst in Gefahr

Die geplante Einberufung von ultraorthodoxen Bibelschülern zum Militär schlägt in Israel hohe Wellen. Ultraorthodoxe Politiker wie der Abgeordnete Meir Porush (Vereinigte Thora-Partei) werfen der Regierung vor, sie wolle die „Welt der Thora“ zum Einsturz bringen. Mehrere Vereinigungen der Streng-Religiösen kündigten entschiedenen Widerstand an. Geschimpft wird vor allem auf den neuen Finanzminister Yair Lapid. Dessen säkulare Zukunftspartei ist mit dem Versprechen angetreten, die Lasten innerhalb der israelischen Gesellschaft gerechter zu verteilen.

Verunsichert von der ganzen Debatte zeigt sich mittlerweile sogar die Armeeführung. Sie hatte ein öffentliches Gelöbnis mit jungen Ultraorthodoxen angesetzt, die sich freiwillig zum Militär gemeldet hatte. Weil sie jedoch Massenproteste und Störungen durch gewaltbereite ultraorthodoxe Gruppen befürchtete, sagte die Armee die Veranstaltung wieder ab. Daraufhin wurden Vorwürfe laut, das Militär gehe vor den Ultraorthodoxen in die Knie. Nun soll die Vereidigung der gläubigen Soldaten doch noch öffentlich gefeiert werden, und zwar am kommenden Sonntag in Jerusalem.

In der israelischen Armee gibt es spezielle Einheiten für die Ultraorthodoxen. Sie müssen dort nicht mit Personen des anderen Geschlechts zusammenarbeiten, bekommen koscheres Essen und Zeit für religiöse Studien.

Ein Ausschuss der Regierung hatte in dieser Woche nach monatelangen kontroversen Diskussionen die Eckpunkte der geplanten Militärreform vorgestellt. Demnach soll der Wehrdienst für Männer von 36 auf 32 Monate verkürzt, für Frauen von 24 auf 28 Monate verlängert werden. Nach einer dreijährigen Übergangszeit sollen dann auch die Ultraorthodoxen eingezogen werden. Für 2016 geht man davon aus, das von 8000 jungen Ultraorthodoxen rund 5200 zum Militär- oder Zivildienst herangezogen werden. 1800 Bibelschüler erhalten eine Ausnahmegenehmigung, etwa 1000 werden voraussichtlich als untauglich eingestuft. Der Vorschlag muss nun im Parlament diskutiert werden.

Bislang hatten die Ultraorthodoxen das Privileg, nicht in der Armee dienen zu müssen. Viele Männer, erkennbar an ihrer schwarzen Kleidung, Vollbärten und Schläfenlocken, verfolgen das Ideal eines möglichst lebenslangen Vollzeitstudiums der Heiligen Schriften. Frühere Regierungen stimmten dem zu und bewilligten entsprechende Gelder, da sie die orthodoxen Parteien für ihre Mehrheit im Parlament benötigten. In der aktuellen Regierung sind die Interessenvertreter der Ultraorthodoxen aber nicht mehr vertreten.

 



Kategorien:Gesellschaft

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1 Antwort

  1. Zwar ist das ganze nicht unmittelbar unser Problem – aber wenn sich in Deutschland ein Hartz IV Empfänger dem „Vollzeitstudium der Thora“ widmen würde, hätte der nach zwei Tagen die Sozialermittler vom Amt in der Bude und bekäme vom Staat einen Tritt in den Arsch.

    Wieso Israel meint, sich eine Gruppe religiös verbrämter Sozialschmarotzer leisten zu können, entbirgt sich mir nicht – und wie man sieht, bin ich da nicht allein, die israelische Regierung führt die „Diskussion“ ja wohl mittlerweile auch schon mal mit Wasserwerfern.

    Vorgerstern gab es dazu eine Reportage im ZDF Auslandsjournal. Ein Ehepaar mit 14 (vierzehn!) Kindern – in zwei Zimmern, keine Dusche, schier unbeschreibliche hygienische Zustände, kein Geld, bezahlen tut das Vater Staat – und am besten auch den Strejmel für den Chef der Familie. Sind das wenigstens Imitate? Oder ist das immer noch echtes Zobelfell? Also nichts arbeiten, Frau und 14 Kinder in zwei Zimmern ohne Dusche, aber dafür wenigstens ein Hut, für den eine Putzfrau ein Jahresgehalt (brutto) hinlegen müsste, wenn das überhaupt reicht.

    Es verwundert nicht, daß die isarelische Regierung da langsam die Krise kriegt.

    Mich würde es nicht mal verwundern, sofern es in Israel eine Sozialdemokratie gibt, wenn die sich Gerhard Schröder als Regierungschef ausleihen würden.

    Was mich freilich irritiert, daß ich nicht genau einschätzen kann, wie nahe ein Großrabbiner Yonah Metzger (der in Deutschland für die Beschneidung getrommelt hat) den Ultraorthodoxen eigentlich steht. Die Geschichte seiner Vorgänger (angefangen bei Abrahim Isaak Kook) und auch teilweise Nebengleisen (Kooks Sohn Zvi Yehuda war IIRC Gründer der Siedlerbewegung, mit der wir u.a. im Westjordanland zu tun haben) läßt da zumindest Fragen aufkommen.

    Welche Macht haben hier ultraorthodoxe Leute, die die Aufklärung ablehnen und mit ihrem Verhalten nicht nur in Israel anecken? Und denen Leute, die in Deutschland für eine Akzeptanz steinzeitlicher Verstümmelungsrituale (die ich für latent pädophil halte, es verwundert nicht, daß Volker Beck von den Grünen maßgeblich die Beschneidung unterstützt hat, das paßt zu seinen früheren, zu Irriationen führenden, Äußerungen, die ihm gerade auf die Füße fallen) in bedenklicher Weise nahestehen?

    Wir leben im Jahr 2013. Und heute akzeptierte Staaten akzeptieren die Werte der Aufklärung und der Menschenrechte. (Ich würde es ausdrücklich begrüßen, wenn die Bundesrepublik Deutschland sich hier wieder einreihen würde, was die vollständige Rücknahme des Par. 1631d BGB erforderlich macht) Und heute akzeptierte Saaten katzbuckeln nicht vor religiösen Sektierern.

    Hier muß sich Israel (und im Gefolge Deutschland) mal überlegen, ob man weiter im Mittelalter leben will oder sich langsam mal Richtung 21. Jahrhundert bewegt.

    Zumal die Ultraorthodoxen den Staat Israel rigoros ablehnen. Ja bitte, die beißen die Hand, die sie füttert. Der Staat könnte diese Leute auch einfach fallen lassen.

    Liken

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