Auf Schnee folgt Glatteis, Winter freut Skifahrer – Opposition ist verärgert


.Drei Tage lang hat ein Wintersturm Israel weitgehend lahmgelegt. Vier Menschen kamen ums Leben, es gab Dutzende Verletzte, Zehntausende Haushalte waren tagelang ohne Strom. Viele Hauptverkehrsstrassen sind heute früh mit Eis überzogen und bleiben unpassierbar. Mehrere Hundert Menschen, die Jerusalem nicht verlassen konnten, verbrachten das Wochenende in Notunterkünften. Rund einen halben Meter hoch lag die weisse Pracht in der Hauptstadt. Die Armee setzte Panzer und Hubschrauber ein, um die Bevölkerung zu versorgen und akut kranke Patienten in die Hospitäler zu bringen. Mittlerweile ist der Sturm abgezogen, die Sonne scheint, aber es ist für israelische Verhältnisse bitter kalt.

Die Autobahnen rund um Jerusalem boten ein geisterhaftes Bild: Hunderte von verlassenen, zugeschneiten Autos, riesige menschenleere Parkplätze. Ein Sprecher der Jerusalemer Stadtverwaltung erklärte am Sonntag, die Armee, Polizei und Elektrizitätswerke arbeiteten mit Hochdruck daran, dass die Jerusalemer innerhalb der nächsten beiden Tage wieder ein normales Leben führen könnten. Rund 5000 Haushalte sind nach wie vor ohne Strom. Die Hauptverkehrsstrassen werden derzeit vom Schnee geräumt. Der öffentliche Nahverkehr soll schrittweise wieder aufgenommen werden. Wegen akuter Eisglätte bleiben aber viele Busse vorerst in den Depots. Auch die Strassenbahn fährt nicht. Zehntausende kamen deshalb heute nicht zur Arbeit. In Jerusalem und vielen Städten Nordisraels bleiben die Schulen auch heute geschlossen. Im Biblischen Zoo in Jerusalem starben wegen der schlimmsten Kälte seit 100 Jahren mindestens sechs Tiere.

Der schwerste Sturm seit Jahrzehnten hat die Einsatzkräfte bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gefordert. Polizeisprecher Micky Rosenfeld erklärte, seit Beginn des Sturms am Donnerstag habe es rund 70.000 Notrufe gegeben. Der Rettungsdienst meldet, alleine heute Vormittag seien über 100 Menschen auf Glatteis ausgerutscht. Sie verletzten sich so schwer, dass sie medizinisch versorgt werden mussten. Die Polizei rät derzeit davon ab, in Jerusalem Auto zu fahren.

Der heftige Wintersturm hat in Israel auch zu politischen Verwerfungen geführt: Oppositionsführer Isaac Herzog warf der Regierung ein mangelhaftes Krisenmanagement vor. Israels Staatskontrolleur Yosef Shapira forderte die Regierung auf, zu prüfen, warum der Schnee- und Kälteeinbruch Israel so unvorbereitet überraschen konnte. Zehntausende Israelis hatten den Schabbat frierend in ihren Häusern verbracht, deren elektrische Heizungen ausgefallen waren. Regierungschef Benjamin Netanjahu entgegnete, Israel habe die Naturkatastrophe besser bewältigt als andere Länder, die öfter mit solchen Wetterphänomenen zu tun hätten.

Doch der massive Wintereinbruch hat nicht nur negative Seiten: Der Wasserspiegel des Sees Genezareth ist aufgrund der extremen Niederschläge bereits um zehn Zentimeter angestiegen. Der See ist der wichtigste Trinkwasserspeicher des Landes.

Auf dem Berg Hermon in Nordisrael haben die Skilifte geöffnet, auf den Pisten tummeln sich Hunderte Wintersportler. Im Gipfelbereich liegen 120 Zentimeter Schnee, das Thermometer zeigt drei Grad unter Null. (ih)

 

 

 

 

 

 

 

 



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