Rettung vor dem Mob


.Nachdem ein illegal in Israel lebender Palästinenser (38) einen israelischen Arzt und seinen Sohn vor einem Steine werfenden Mob beschützt hat, zeigt das Amtsgericht in Tel Aviv nun Milde: „Der Angeklagte ist eine Art ‚Gerechter unter den Völkern’“, so Richter Shamai Becker. Er bezog sich mit dieser Bezeichnung auf den Zweiten Weltkrieg, als Nicht-Juden die Juden vor den Nazis gerettet haben.

Becker verurteilte den Mann schliesslich zu 18 Tagen Gefängnis, die er bereits in Untersuchungshaft abgesessen hat. „Wir verurteilen diesen Mann nicht, sondern zeigen Dankbarkeit, weil er sein Leben und seine Lebensgrundlage hier in seinem Dorf in Israel riskierte, um Juden aus einer schlimmen Situation zu retten“, so der Richter weiter.

Dem 38-jährigen Palästinenser wurden illegaler Aufenthalt in Israel, die Angabe einer falschen Identität und der Besitz von gefälschten Dokumenten vorgeworfen. Er gestand die Vergehen, der Richter liess aber Gnade walten, da es keine Hinweise darauf gab, dass der Mann weitere Straftaten begehen würde.

Der Zwischenfall, bei dem er den zwei Juden das Leben gerettet hatte, hatte sich noch vor Beginn der Militäroperation „Starker Fels“ zugetragen. Ein jüdischer Arzt und sein Sohn waren in einem Dorf im sogenannten Westjordanland unterwegs, als sie versehentlich in einen wütenden Mob gerieten. Der Arzt trat als Zeuge vor Gericht auf und schilderte den Vorfall folgendermassen: „Es war der erste Donnerstag des Ramadan. Es war hell auf der Strasse, viele Menschen waren unterwegs. Ich wurde nervös und versuchte, das arabische Dorf so schnell wie möglich zu durchqueren. Die Leute sagten mir, wo ich hinfahren solle – doch sie wollten mich in die Irre führen und folgten uns.“

Der Arzt und sein mitfahrender Sohn wurden von der Menschenmenge angegriffen, der Sohn rief die Polizei zu Hilfe. Die beiden hatten Todesangst, als sie in eine Sackgasse gerieten und Steine gegen ihr Auto flogen. Doch der 38-Jährige habe eingegriffen und sich mitsamt seiner Familie schützend vor sie gestellt, bis 45 Minuten später Armee-Einheiten eintrafen. „Er hat zweifelsohne unser Leben gerettet“, versicherte der Mediziner dem Gericht. Seither habe der mutige Palästinenser unter Repressalien in seinem Dorf zu leiden, weil er zwei Juden beschützt hatte. Auch dies wurde vom Gericht nun berücksichtigt.

Foto: Palästinensische Arbeiter an einem Kontrollpunkt. Wer keine Arbeitserlaubnis in Israel hat, versucht ihn zu umgehen und illegal nach Israel zu gelangen, um dort etwas Geld zu verdienen. Illegalen, die dabei erwischt werden, drohen Haftstrafen.



Kategorien:Gesellschaft

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