Thorazitat des Tages – Parascha


Thora„Die Gnaden des Ewigen will ich ewig singen, in dem ich Deine Treue in alle Geschlechter mit meinem Munde kund mache.“ (Psalm 89, Vers 2)

Thora-Parascha

Schabbat „Noach“
Lesung: 1. Mose 6,9 – 11,32
Sidra: Zefania 3,1 – 20

Noach-Psalm 29
Was lehrt uns die Sintflut?

Im Wochenabschnitt „Noach“ lesen wir  über eine grosse Flut (hebr.: Mabul),die nur wenige  überlebt haben:  „Es erstarrte alles  Fleisch, was auf Erden auftritt, an Vogel und Vieh und Waldtier und an allem auf der Erde kriechenden Gewürm; und alle Menschen. Alle, deren Antlitz der Hauch des Lebensgeistes war, von allem was sich auf dem Trockenen befindet, starben. Und es löste alles Selbständige auf, das  auf der Fläche des Erdbodens war, vom Menschen bis Vieh, Gewürm und Vogel des Himmels; sie wurden von der Erde weggelöscht, und nur Noach und was bei ihm in der Arche war blieb übrig“ (Bereschit 7, 21-23). Das hebräische Wort „Mabul“ kommt in diesem Wochenabschnitt ein Dutzend Mal vor; sonst findet sich dieses Hauptwort in der Bibel nur noch in Psalm 29: „Der Ewige thronte über der Sintflut, der Ewige wird als König für immer thronen“ (Vers 10). Diese Erwähnung der Flut war für die Zuordnung von  Psalm 29  zum  Wochenabschnitt Noach ausschlaggebend.

Es mag stimmen, dass der deutsche Begriff Sintflut etymologisch nicht mit Sünde in Verbindung gebracht  werden sollte (siehe tenachon, S. 38). Aber zweifellos war der Mabul nach dem Bericht der Tora eine göttliche Strafe: „Und die Erde war verdorben vor Gott, und die Erde war voll Gewalt“ (Bereschit 6, 11). Nach Raschi bezieht sich „verdorben“ auf Unzucht und Götzendienst und „Gewalttat“ auf Raub. Bemerkenswert ist ein Kommentar zu Gottes Ankündigung: „Das Ende  alles Fleisches ist vor mich gekommen, denn die Erde ist voll von Gewalttat durch sie, und so bin ich im Begriff, sie mit der Erde zu verderben“ (Bereschit  6, 13). Raschi kommentiert: „Das Urteil über sie wurde erst durch Gewalttaten besiegelt.“ Man kann den Schluss ziehen, dass Götzendienst und verbotene sexuelle Beziehungen das Urteil nicht besiegelt haben.

Die Mabul-Episode ist lehrreich. Sie beweist, dass der Schöpfer seine Welt nicht sich selbst überlässt. Als ein bestimmtes Mass des Unrechts überschritten war, hat der Ewige in die Geschichte eingegriffen und dem schändlichen Treiben ein Ende bereitet. Durch den Untergang der Übeltäter wurde Gottes Königtum sichtbar gemacht. (Von: Prof. Dr. Yizhak Ahren)

Sidra Noach

Die dunkle Seite der Ehre

Es gibt Länder die reich sind, in denen das Bruttonationaleinkommen (BNE) im Durchschnitt relativ gesehen hoch ist. Die Schweiz ist so ein Land (BNE pro Kopf € 64.000, womit die Schweiz in Europa den 2. Platz einnimmt). Der Wohlstand in der Schweiz ist relativ hoch. Es gibt Länder die arm sind. Burundi ist so ein Land. (BNE pro Kopf € 226). Es gibt Länder die reich sind, in denen der grösste Teil der Bevölkerung jedoch in Armut lebt. Nigeria ist so ein Land. Es gibt Länder die arm sind, in denen die regierende Gruppe des Landes jedoch reich ist. Haiti ist so ein Land.

Das BNE drückt den Wohlstand eines Landes aus, aber eben, nicht unbedingt den Wohlstand der Individuen. Die Regierungen reicher Länder führen im Allgemeinen keine Diskussionen über für jeden Haushalt zugängliches Trinkwasser, weder über Unterernährung, Kindersterblichkeit oder das Vorhandensein von basalen Medikamenten. Wir wundern uns in West-Europa nicht mehr darüber, dass jederzeit sauberes Wasser aus dem Hahn strömt oder dass wir für jegliches Leiden ein Mittel verschrieben bekommen oder kaufen können.

Viele arme Länder sind in bewaffnete Konflikte verwickelt. Die Logik, wenn auch stark vereinfacht, springt ins Auge: Geld, das für Kriegsmaterialien ausgegeben wird, kann nicht in Infrastrukturen, lebensnotwendige Basismassnahmen und Sozialleistungen investiert werden.

Genau diesen Gedanken benützt Rabbiner Benno Jacob (1862-1945) als Erklärung für den durch Gott zerstörten babylonischen Turm. Wir lesen in der dieswöchigen Sidra Noach, dass die ganze Menschheit am Bau eines Turms arbeitete: „dessen Spitze bis an den Himmel reicht und uns so einen Namen macht“ (Bereschit 11, 4). Das Projekt war erfolgreich unter anderem, da die ganze Menschheit die gleiche Sprache sprach, wodurch die Kommunikation reibungslos vonstattenging. Gott fand diesen Turmbau keine gute Idee, zerstörte den Turm und die Stadt, zerstreute die Menschen über die ganze Welt und kreierte viele dutzende Sprachen. Die Menschen verstanden einander fortan nicht mehr. Hätten die Menschen, so Rabbiner Jacob, das Produzieren von Bausteinen und Mörtel zur Verbesserung des materiellen Lebensraumes in ihrer Stadt angewendet, anstatt der Ehre nachzujagen, zürnte Gott ihnen nicht. Sie bauten einen Turm mit der Absicht „sich einen Namen zu machen“. Ihre Ehre war diesen Leuten wichtiger als ihre Lebensumstände.

Das Retten der Ehre spielt bei vielen der heutigen Konflikte in der Welt – neben komplexen anderen Faktoren – bestimmt auch eine Rolle: Die Ehre der Stämme, der Machthaber oder des Volkes muss hochgehalten werden. Das der Ehre Nachjagen bringt einer Gesellschaft nicht viel Gutes. Die talmudischen Rabbinen sagen es (frei übersetzt) so: „Wer nach Ehre jagt, vor dem flieht sie; wer die Ehre meidet, dem kommt sie hinterher.“ (Bab. Talm Eruwin 13b).

Schabbat Schalom,

Rabbiner Ruven Bar Ephraim,  JLG Zürich

Paraschat Haschawua: noach.3.j.pdf, noach.haftara.pdf



Kategorien:Gesellschaft

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