Protest von 150 Rabbis gegen Zürcher Vorhaben


In London haben am Montag britische Juden gegen die Erweiterung des Zürcher Kunsthauses protestiert. Grund: Auf dem Areal befindet sich ein alter jüdischer Friedhof.

Rabbi_CH-Botschaft_London

Demo-Organisator Rabbi Asher Gratt, Vorsitzender des «Europäischen Ausschusses zur Erhaltung des antiken jüdischen Friedhofs in Zürich»: «Das jüdische Gesetz erlaubt es nicht, die Totenruhe zu stören oder gar Gräber zu zerstören.»

Etwa 150 Rabbis haben sich am Montagnachmittag vor der Schweizer Botschaft in London versammelt. Sie demonstrierten gegen den Erweiterungsbau des Zürcher Kunsthauses. Denn dieser kommt genau dorthin, wo vor einigen hundert Jahren Juden bestattet wurden.

Demo-Organisator Rabbi Asher Gratt, Vorsitzender des «Europäischen Ausschusses zur Erhaltung des antiken jüdischen Friedhofs in Zürich»: «Das jüdische Gesetz erlaubt es nicht, die Totenruhe zu stören oder gar Gräber zu zerstören.» Dabei spiele es keine Rolle, ob es sich beim Toten um einen nahen Verwandten oder einen bereits vor mehreren hundert Jahren Verstorbenen handle: «Ich hoffe deshalb, dass die Bauarbeiten so schnell wie möglich gestoppt werden.»

Anders sieht das Jonathan Kreutner, Generalsekretär des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG): «Es gibt keinen Grund für solche Proteste.» Zudem handle es sich bei den jüdischen Demonstranten vor der Schweizer Botschaft in London um eine Splittergruppe ultraorthodoxer Juden: «Sie sind wohl über die Zusammenarbeit der Stadt mit den jüdischen Gemeinden in Zürich nicht im Bild.»

Das bestätigt Urs Spinner, Departementssekretär im städtischen Hochbaudepartement: «Wir stehen seit Jahren im Dialog mit den drei jüdischen Gemeinden der Stadt Zürich. Sie kennen das Projekt gut und verstehen die Notwendigkeit, eine gangbare Lösung zu finden.» Er wundert sich darüber, dass ausgerechnet jetzt in London gegen die Bauarbeiten demonstriert wird: «Wir informierten bereits vor acht Jahren darüber, dass sich auf dem Gelände jüdische Gräber befinden könnten.»

Zudem wird laut Spinner auf dem Areal der ehemaligen Turnhallen am Heimplatz seit Herbst 2015 gebaut: «Archäologen sind sowieso vor Ort, jedoch ist es unwahrscheinlich, dass ein Fund jüdischer Gebeine gemacht wird.» Falls doch noch alte Gräber entdeckt würden, haben die jüdischen Gemeinden mit der Stadt bereits Massnahmen ausgearbeitet. Wie diese konkret aussehen, gab Spinner nicht bekannt.



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