„Gott ist mein Gegenmittel“


Immer mehr prominente Rabbiner rufen ihre Bevölkerung auf, den menschlichen Geboten zu folgen, um weiterzuleben und in Zukunft wieder göttlichen Geboten folgen zu können.

Für viele orthodoxe Juden stellen die Vorsichtsmassnahmen des israelischen Gesundheitsministeriums keinen Grund zur Panik dar. Gegen alle Anordnungen hat beispielsweise eine orthodoxe Gemeinschaft in Beit Schemesch eine wilde Hochzeitsfeier abgehalten, was in den israelischen Medien heftig kritisiert wurde. Auch in den sozialen Netzwerken kommentieren Tausende Israelis das unverantwortliche Verhalten ihrer orthodoxen Geschwister.

Anfänglich haben zahlreiche Rabbiner mit den neuen Regierungsvorschriften nicht kooperiert, denn sie sind der Meinung, gegen alles geimpft zu sein. „Gott ist mein Gegenmittel zum Coronavirus“, sagte mir ein orthodoxer Jude an der Tankstelle halb ernst, halb zynisch. Aus Sicht dieser Menschen ist alles in Gottes Händen, daher machen menschliche Vorschriften für sie oft keinen Sinn. „Der Allmächtige hat die Kontrolle und bewahrt mich“ habe ich nacheinander von orthodoxen Juden gehört. Diese Denkweise basiert auf derselben Mentalität, nach der orthodoxe Juden nicht in der Armee dienen. Sie betrachten sich als Armee Gottes und sehen ihren Verteidigungsdienst im Gebet und Thoralernen. Das ist eine fremde Weltanschauung, die für die meisten Menschen in Israel unverständlich ist.

Nun aber bemüht sich die israelische Regierung, die orthodoxe Gesellschaft im Land davon zu überzeugen, dass der Coronavirus nicht nur den Namen des mexikanischen Biers gestohlen hat, sondern viel gefährlicher ist, als sie meinen. Und das geschieht mithilfe von anerkannten Rabbinern, darunter Israels Oberrabbiner. Nicht nur Versammlungen in den Synagogen und an der Klagemauer sollen verboten werden, sondern ebenso das sogenannte Minjan Gebet, in dem sich zehn Juden versammeln und das Morgen- und Abendgebet rezitieren.

Auch die jüdischen Taufbecken, genannt Mikwe, sollen den neuen Vorschriften zufolge zur Sicherheit der Bevölkerung geschlossen werden. „Solange der Zorn des Virus über uns schwebt, müssen wir vorsichtig sein und uns von den üblichen Traditionen abwenden. Es geht um unser Leben, das Leben des jüdischen Volkes“, betonte Israels Oberrabbiner David Lau.

Nicht nur das, Rabbi Jehuda Jeruslevsky verschärfte gar den Ton gegen diejenigen, die sich nicht an die offiziellen Regierungsregeln halten. Um der Gesundheit willen sei es Pflicht und Gebot, andere zu verpetzen: „Juden, die nicht in der Isolierung bleiben, müssen sofort den Behörden gemeldet werden“, verlangte der berühmte Chabad-Rabbiner. „Denn das ist lebensbedrohlich. Wir sind zu seiner Seelenaufsicht (Pikuach Nefesch) gezwungen, um Blutvergiessen zu vermeiden, die nicht die Anweisungen befolgen.“

Zudem sind nun erstmals Plakate an den Häuserwänden in orthodoxen Wohnvierteln wie Mea Schearim in Jerusalem zu sehen, die vor einer schrecklichen Magefa warnen, einer Epidemie (siehe Foto).

Nun werden immer mehr Stimmen prominenter Rabbiner lauter, die ihre Bevölkerung aufrufen, den menschlichen Geboten zu folgen, um weiterzuleben und in Zukunft wieder göttlichen Geboten folgen zu können. (Aviel Schneider, ih)



Kategorien:Gesellschaft

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