Weizenbier auf dem Golan


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Die Brüder Hagai und Or zeigen stolz die Zutaten aus München für ihr echt israelisches Bier. (© Matthias Hinrichsen)

Manche starten aus einer Laune heraus, andere lieben den Geschmack und haben einen kommerziellen Anspruch: Seit fünf Jahren erfinden junge Israelis das Handwerk des Bierbrauens in ihrer Heimat neu – und orientieren sich dabei an deutscher Braukunst. Boutique-Biere werden die Erzeugnisse genannt, um von der Masse der üblichen Flaschenbiere, die von grossen internationalen Konzernen hergestellt werden, abzuheben. Das gelingt offensichtlich sehr gut, denn die Mikrobrauereien mit direktem Verzehr und Vertrieb wie beispielsweise in Tel Aviv am Rothschild Boulevard laufen inzwischen sehr gut. Bis zu 5.000 Liter pro Jahr werden hergestellt, mehr als 20 Kleinbetriebe existieren inzwischen, in Tel Aviv, Jerusalem, Haifa, Galiläa und auf dem Golan bei den Fass-Brürdern.

Mit einer Laune lässt sich solch ein Geschäft allerdings nicht aufbauen, schon gar nicht auf dem Golan, wo das Einkommensniveau weit unter dem von Tel Aviv und Jerusalem liegt. Zwei israelische Brüder sind sich einig, dass Bier brauen die Erfüllung ihres Lebenstraums ist. Der eine, Hagai, ist mit seinen 32 Jahren nachdenklicher als sein vier Jahre jüngerer Bruder Or mit den Dreadlocks. Beide haben im Erwachsenenalter schon immer gerne in der Küche mit Lebensmitteln experimentiert, doch Bier herzustellen, ist für beide eine Herausforderung ohne zeitliches Limit.

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Die Temperaturen während des Brauens werden ständig kontrolliert.
(© Matthias Hinrichsen)

“Handmade”-Bier birgt stets Unwägbarkeiten, und wenn es nur ein paar Grad Temperaturunterschied der Umgebungsluft sind. “Das Winterbier schmeckt anders als das, was wir im Sommer aus den Kesseln lassen”, sagt Or, der mehr der praktische Typ zu sein scheint. Zu Hause haben sie experimentiert, zum Schluss waren es um die 25 Liter pro Braugang. Für die Mutter jedoch war es zu viel der Gerüche und Aktivitäten, sodass sie Mitte 2012 in den ehemaligen Speisesaal des Kibbutz umzogen und provisorisch eine grössere Brauanlage aufgebaut haben. Allerdings ist auch diese Ausführung, die pro Kessel 200 Liter ausstösst, eigene Erfindung, denn für eine industrielle Anlage reichte das Geld nicht, noch nicht.

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Sauberkeit hat oberste Priorität in der Fass Mikrobrauerei.
(© Matthias Hinrichsen)

Ganz so Deutsche Namen wie Müller, Schneider oder Meier rühren aus einer Zeit, da die Menschen genau diesen Beruf ausgeübt hatten. Aber wie kann es bezeichnet werden, wenn jemand zu einem Beruf findet, der seinem Namen nahe kommt? Hagai und Or heissen mit Nachnamen Fass. Sie kennen das deutsche Wort und dessen Bedeutung. Zufall oder Bestimmung? Oder vielleicht sogar Berufung, dass die Fass-Brüder Bier brauen? Sie scheinen jedenfalls talentiert zu sein, denn die drei Sorten Weizen, Lager und Porter präsentieren sich schon sehr gelungen und modern. Kein Einheitsbier, sondern mit Charakter, den man nicht in Flaschen der grossen Brauereien findet. Die Blume bei Weizen und Lager ist britisch und schon nach kurzer Zeit fast im Bier versunken. Das Weizen vielleicht noch etwas zu süss, doch die Einheimischen mögen, so die beiden Brüder einhellig. Aber die Qualität ist eindeutig vorhanden, besonders zu empfehlen sind die Sorten Lager und Porter.

Die drei Biersorten verlassen die 200-Liter-Kessel in unregelmässigen Abständen. In den letzten Jahren haben sie so 5.500 Liter zusammengebraut, nur einmal ging’s daneben, bekennt Hagai ganz eigenkritisch. Da hätten sich Bakterien im Sud breit gemacht, trotz penibler Sauberkeit. Aber so etwas spornt die beiden zu weiterer Optimierung an und sie halten ständigen Kontakt zu ihrem Lehrmeister in Katzrin, der sein Handwerk in Deutschland erlernt hat. Dass die beiden Brüder selbst einmal eine deutsche Brauerei besichtigen, steht weit oben auf ihrer Vorhabenliste. München sollte es dann schon sein, dort wo auch das Malz herkommt für ihre eigenes Bier.

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Nach der Arbeit kommt das Geld verdienen, auch im Fass Brewhouse.
(© Matthias Hinrichsen)

Mit regelmässigen Musik-Veranstaltungen in den rustikalen Räumen kommen auch die Kunden, die vom FASS-Bier begeistert und viele von ihnen inzwischen Stammkunden sind. Frisch aus dem Zapfhahn schmeckt auch in Israel ein Bier noch am besten, die drei Sorten des Hauses gibt es aber auch als Flaschenbiere mit dem hauseigenen Logo drauf. Für Gruppen bieten Hagai und Or eine kleine Führung durch ihr Micro-Brauerei-Reich mit anschliessender Verkostung und Essen an.

 Besucherinformationen

FASS Brewhouse (gegründet 30. August 2012)
Inhaber: Hagai und Or Fass
12942 Geshur, Israel
Telefon +972 52-457-6109
>>> Fass Brewhouse auf Facebook

Öffnungszeiten: Mittwoch-Donnerstag, Samstag 20.30-01.00 Uhr, Freitag 12.00-18.00 Uhr, Gruppen jederzeit mit Voranmeldung, Gruppenverkostung mit Getränken und Essen, Abendessen, Aussenplätze, grosser Parkplatz



Kategorien:Tourismus

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