Fragwürdig: UN-Vertreter würdigt Steinewerfer


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Das UN-Fahrzeug war deutlich gekennzeichnet (Symbolbild / Foto: UN Photo/Shareef Sarhan)

Ein UN-Mitarbeiter wird durch palästinensische Steinewerfer verwundet – und bekundet Verständnis für deren Anliegen. Für die Vereinten Nationen selbst ist der Vorfall offenbar nur eine Randnotiz wert.

Munir Kleibo leitet das UN-Büro der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in den palästinensischen Gebieten. Am vergangenen Freitag fuhr er durch Ostjerusalem, als Araber seinen Dienstwagen mit Steinen bewarfen. Infolge des Angriffes wurde der Palästinenser schwer am Kiefer verletzt und in ein Krankenhaus eingeliefert, berichtet die Onlinezeitung „Times of Israel“.

Der UN-Koordinator für Entwicklung und humanitäre Aktivitäten in den besetzten Gebieten, Robert Piper, kommentierte den Vorfall. Er verurteilte den Angriff „auf ein deutlich gekennzeichnetes Fahrzeug der Vereinten Nationen, das auf der Schnellstrasse 50 in Ostjerusalem unterwegs war, wobei ein ranghoher UN-Vertreter ernsthaft verletzt wurde“. Piper ergänzte: „Ich schliesse mich dem Rest der UN-Familie an und wünsche unserem Kollegen eine baldige Genesung.“ Den Namen und die Position des Geschädigten nannte er nicht.

Die israelische Tageszeitung „Ma‘ariv“ macht indes auf Kleibos Facebookseite aufmerksam. Sein Profil sei offen pro-palästinensisch, obwohl er für die UN arbeite und demzufolge eine neutrale Haltung einnehmen müsste. Bis vor ein paar Tagen zeigte sein Titelbild eine Ansicht des Felsendomes auf dem Tempelberg mit düsteren Wolken im Hintergrund. Das Profilbild war eine weisse Inschrift in arabischer Sprache auf schwarzem Grund: „Wir trauern nicht nur um unsere Schahidin (Märtyrer), sondern auch um uns, unsere Augen, unsere Herzen, unser Gewissen und unsere Menschlichkeit.“

Nach dem Angriff postete Kleibo offenbar vom Hadassah-Krankenhaus im Jerusalemer Stadtteil Ein Kerem aus, ihm und seiner Ehefrau Tamara gehe es gut. Gleichzeitig äusserte er den Wunsch: „Möge Allah denen vergeben, die in der Nacht die Steine geworfen haben.“

Das israelische Aussenministerium reagierte befremdet auf das Schweigen der Vereinten Nationen und untersuchte den Vorfall. Erst dadurch stiess es auf den Namen Munir Kleibo. Er unterzeichnet regelmässig UN-Berichte über Israel und sollte deshalb nach Ansicht des Ministeriums Objektivität wahren. Ein Beamter sagte gegenüber „Ma‘ariv“, es sei „bedauerlich, dass die UNO nicht explizit alle palästinensischen Steinewerfer verurteilt hat, die unter anderen einen ranghohen UN-Vertreter verletzt haben. Man kann es noch mehr bedauern, dass derselbe Vertreter, ein Opfer palästinensischer Gewalt, sie weiter auf seiner Facebook-Seite preist“.

Mittlerweile hat Kleibo auf Facebook sowohl das Titelbild als auch das Profilbild durch Aufnahmen von Blumen ersetzt, die er offenbar bei Besuchen am Krankenbett erhalten hat. Ein Screenshot der alten Version findet sich bei „Ma‘ariv“. (inn)



Kategorien:Nahost

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