Seltener archäologischer Fund


archaeologie_Synagoge140816Ein sehr bewegender Fund wurde bei Ausgrabungen an der archäologischen Stätte Tel Rekhesh in Galiläa gemacht, eine Synagoge aus den letzten Tagen des Zweiten Tempels. Es handelt sich um einen bedeutenden Fund, nicht nur wegen des heutigen „Tischa be Av“-Gedenktages, der an die Zerstörung der beiden Tempel erinnert.

Seit sechs Jahren leitet Dr. Motti Aviam, Fachmann für Archäologie zur Zeit der Römer und Forscher des Kineret-Instituts für Archäologie in Galiläa, Ausgrabungen im oberen Teil des Tel Rekhesh, wo sich zur Zeit der Römer ein landwirtschaftliches Anwesen befand. Am vergangenen Dienstag entdeckte das Ausgrabungsteam, nur 10 cm unterhalb des Erdbodens, eine Synagoge aus dem ersten Jahrhundert. Die Synagoge besteht aus einem grossen Raum vom 9 Meter Länge und 8 Meter Breite. An den Wänden waren aus Kreidestein bestehende Sitzbänke gebaut. Auch wurde ein Grundstein der beiden Säulen gefunden, die das Dach der Synagoge trugen.

Dr. Aviam erklärt: „Es handelt sich hier um die erste Synagoge in einer dörflichen Siedlung in Galiläa. In Migdal gibt es zum Beispiel eine Synagoge, aber dort handelt es sich um eine grössere Stadt. Hier stand ein luxuriöses landwirtschaftliches Anwesen auf einer Fläche von 4 Dunam (4000 m²) mit Gebäuden, die mit Fresken verziert waren. Im Anwesen wohnten jüdische Familien. Da die nächste Synagoge ungefähr 4 km entfernt war, mehr als es am Shabbat erlaubt ist, zu gehen, hatte der Eigentümer des Anwesens eine Synagoge für seine Familie und seine Arbeiter gebaut.“

Die Tatsache, dass die Sitzbänke an den Wänden der Länge nach angebracht waren, wie es Brauch der sefaradischen Juden ist, bestätgt, dass es sich bei dem Fund um eine Synagoge handelt. Die Synagoge ist allerdings nicht nach Jerusalem ausgerichtet, wie es heute und seit der Niederlage im Bar Kochba Aufstand der Fall ist. Auch in anderen Synagogen derselben Epoche, Gamla, Migdal und Modiin, war dies nicht üblich, da die Gebete für Jerusalem erst nach der Zerstörung des Zweiten Tempels entstanden waren,“ erklärte Dr. Aviam.

Auch für das Christentum sei der Fund von Bedeutung, sagte Dr. Aviam. „Im Neuen Testament steht geschrieben, dass Jesus den Bau von Synagogen in Kapernaum und weiteren Orten in Galiläa forderte. Jesus forderte, wie andere Rabbiner auch, den Bau von Synagogen. Das Christentum, dass sich nach der Kreuzigung Jesu entwickelte, betont diese Forderung, Synagogen in Galiläa zu bauen. Daher ist diese Stätte hier auch für die gläubigen Christen von Bedeutung.“

Die Ausgrabungsstätte ist den Archäologen schon seit Beginn des letzten Jahrhunderts bekannt, besonders für Ausgrabungen aus der Bronze- und Eisenzeit. Seit zehn Jahren kommen jährlich Studenten japanischer Universitäten in den Sommermonaten nach Israel und nehmen an Ausgrabungen teil.



Kategorien:Wissenschaft

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