Wer glaubt schon dem palästinensischen Friedensdiskurs?


Obwohl die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) schon 1965 vom Aktivisten der Moslembruderschaft und ägyptischen Staatsbürger, Yasser Arafat, gegründet wurde, ist Israel immer noch nicht in der Lage, zu bestimmen, ob die PLO primär eine religiöse oder eine nationalistische Bewegung ist.

Und das trotz der Tatsache, dass diese Sicht auf die Gruppe den kritischen Faktor in ihrer Beurteilung darstellt.

Wenn die PLO, die grösste und die regierende Fraktion der Palästinensischen Autonomiebehörde, primär nationalistisch ist, dann ist Frieden, zumindest theoretisch, möglich. Wenn die PLO jedoch primär eine religiös motivierte Organisation ist, dann ist auf wirklichen Frieden nicht zu hoffen.

In ihrem Buch Yasser Arafat (2016) schreibt Ronit Marzan, dass sich Israels Nachrichtendienste nicht über die Rhetorik Arafats einig waren und das, nachdem sich dieser 1997 mit Terrorgruppen traf und nachdem er das Osloer Abkommen unterschrieb und sich angeblich vom Terror abgewandt hatte. Er zitierte weiterhin öfters aus dem Koran und Israels Top Sicherheitsbeamte konnten sich immer noch nicht entscheiden, ob Arafats Worte religiöse Bedeutung haben oder nicht.

Marzan war eine, die Arafats Friedensbotschaft glauben wollte. Sogar als er den religiösen Begriff „Dschihad“ benutzte, glaubte Marzan, dass die Palästinenser vom „militärischen Kampf“ (kleiner Dschihad) zum Bau eines Staates auf diplomatische Weise (grosser Dschihad) gewechselt hätten. Dementsprechend glauben Israelis wie Marzan, dass die Palästinenser den religiösen, bewaffneten Kampf zur „Befreiung“ Palästinas aufgegeben haben, um auf dem realistischeren, diplomatischen Weg die Unabhängigkeit in Gaza und dem Westjordanland zu erreichen.

Dementsprechend wurde die PLO nach 1993 angeblich eine primär nationalistische Bewegung. Die andauernde religiöse Sprache im palästinensischen Diskurs diente lediglich dazu, die Massen zu befriedigen und sie langsam dazu zu bringen, Israel zu akzeptieren. Es war diese Sichtweise, die Arafats Schüler, Mahmud Abbas zu einem wahren Friedenspartner machte. Es ist keine Überraschung, dass diese Sichtweise vor allem im linken, politischen Spektrum zu finden ist.

Auf der anderen Seite der Debatte stehen solche, die sagen, dass die palästinensische Friedensrhetorik Taqiyya ist – die religiöse Pflicht, die wahren Ziele des Islam zu verbergen. Unter anderem tritt Taqiyya in der Form auf, dass versucht wird, den Islam im Westen als Religion des Friedens darzustellen. Die Trennung zwischen Islam und Terror ist zum Beispiel eine Kategorie von Taqiyya.

Itamar Marcus gehört zu dieser Seite und sagt, dass die Palästinenser mit einer Täuschungskampagne erreichen wollen, dass Israelis glauben, die Gewalt der Palästinenser sei kein Dschihad, sondern ein legitimer Kampf für Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden. Marcus, der 1996 die Organisation Palestinian Media Watch (PMW) gründete, sagte in einem Interview im November 2012, dass Religion der Kern der Weltsicht der Palästinensischen Autonomiebehörde bildet. Er betonte, dass Mahmud Abbas Freitagsgebete besucht, bei denen palästinensische Prediger ihre Zuhörer aufklären, dass der Krieg gegen Israel religiöser und nicht nationalistischer Natur sei.

Marcus erklärte weiterhin, dass diese Prediger, die von der Palästinensischen Autonomiebehörde bezahlt werden, den Kampf gegen Israel als Ribat bezeichnen, den nobelsten Ausdruck des Dschihad, da er eher ein Verdeidigungs- als ein Angriffskrieg ist. Den Kampf gegen Israel als Ribat zu bezeichnet bedeutet, dass das Heilige Land moslemisches Land ist. Es war Arafat, so Marcus, der den Kampf für einen palästinensischen Staat in einen Kampf gegen Ungläubige gemacht hat, die heiliges, moslemisches Territorium erobert haben. Man könnte hinzufügen, dass die neueste UNESCO Entscheidung, wonach Hebron eine Palästinensische Kulturstätte ist, zeigt, wie erfolgreich die Täuschungskampagne ist.

Beide Seiten unterstützen ihre Argumente mit Aufzeichnungen des palästinensischen Diskurses und das führt zur Teilung innerhalb der Israelis. Die Linken glauben, dass der Kampf der Palästinenser ein Kampf für Frieden und Freiheit ist. Die Rechten glauben, dass ein friedlicher palästinensischer Staat ein Schritt in Richtung des islamischen Ziels der Zerstörung des jüdischen Staats ist. Heutzutage glauben die meisten Israelis der palästinensischen Rhetorik des Friedens nicht. Und wer könnte ihnen das übelnehmen? (Tsvi Sadan, ih)



Kategorien:Nahost

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