Israelische Ärzte behandeln PLO-Generalsekretär


Saeb Erekat. Photo by Flash90

In Israel wird nun darüber diskutiert, ob man seine Feinde behandeln sollte oder nicht. Der palästinensische Unterhändler und PLO-Generalsekretär Saeb Erekat wird seit ein paar Tagen im israelischen Krankenhaus Hadassah behandelt. In Israel ist aufgrund dessen eine Debatte in den Medien ausgebrochen, ob Israel seinen Feinden helfen und sie behandeln sollte oder nicht.

Vor zwei Wochen ist der 65-jährige Palästinenser aus Jericho an Corona erkrankt. Als sich jetzt sein Gesundheitszustand dramatisch verschlechterte, entschied seine Familie, Erekat sofort nach Jerusalem zu bringen und nicht in ein palästinensisches oder in jordanisches Krankenhaus. Israelische Ärzte behandeln derweil Erekat, dessen Immunsystem wegen seiner Lungentransplantation vor drei Jahren schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde. Er wird in Israels Universitätsklinik in Jerusalem wegen Atemnot unter Vollnarkose künstlich beatmet. Seine Familie und die Palästinenserregierung werden regelmässig über seinen Zustand informiert.

„Dies ist absoluter Irrsinn“, betonte der religiöse Journalist Kalman Liebeskind in seiner Zeitung Maariv wiederholt. „Das ist einfach verrückt, dass wir jemanden behandeln, der an anderen Tagen direkt oder indirekt dazu aufruft, Juden zu töten. Jemand oben in der Regierung muss dem ein Ende machen.“ Im Rundfunk FM103 äusserte sich ebenso der religiöse Knesset-Abgeordnete Bezalel Smotrich gegen Israels Verhalten: „Es ist nicht moralisch, einen Terroristen zu behandeln. Ich habe ein Problem damit, dass einige meiner Geschwister im Staat Israel die moralische Idee und den Verstand verloren haben. Allein dass manche meinen, dass es moralisch sei einen Feind zu pflegen, ist nicht moralisch.“

Hinterbliebene Familien protestieren vor dem Hadassah Ein Kerem Krankenhaus in Jerusalem gegen die medizinische Behandlung des palästinensischen Verhandlungsführers Saeb Erekat nach einer Infektion mit COVID-19, October 19, 2020. Photo by Olivier Fitoussi/Flash90

Aus Sicht religiöser Juden ist die sogenannte Feindesliebe ein christliches Gebot und daher sind sie grundsätzlich dagegen. Auch die Im Tirzu (Wenn Ihr Wollt) Bewegung sieht darin eine Schande. „Es ist unverständlich, dass Israel einem Terroristen und korrupten Palästinenserpolitiker wie Erekat, der die BDS Bewegung weltweit gegen Israel aufhetzte, einen VIP Service im israelischen Krankenhaus bietet. Warum müssen israelische Bürger, die heute selbst in einer wirtschaftlichen und sozialen Krise stecken, die medizinische Behandlung derer finanzieren, die ihr ganzes Leben lang daran gearbeitet haben, sie zu töten? Israel will eine humanitäre Geste leisten, dann soll die PA dafür bezahlen.“

Auf anderer Seite wird die israelische Geste von vielen Israelis dennoch gelobt. Israel ist damit ein Vorbild, auch wenn dies unter seinen Feinden keine Auswirkungen hat. Andere Zeitungen wie Haaretz und Jediot Achronot sehen darin einen humanen Akt Israels, der nicht nur wichtig ist, sondern zuerst menschlich. Die israelischen Ärzte in der Jerusalemer Klinik behandeln den PLO-Sekretär und stehen im regen Kontakt mit seiner Familie und der PA-Behörde in Ramallah. Darüber hinaus sind die israelischen Ärzte mit anderen Medizinern weltweit in Verbindung, um dem Palästinenser das Leben zu retten.

Bedienstete des palästinensischen Unterhändlers Saeb Erekat im Hadassah-Ein-Kerem-Krankenhaus in Jerusalem. Photo by Olivier Fitoussi/Flash90

In den palästinensischen Gebieten dagegen, wie auch im Gazastreifen, wird Erekats Behandlung in der israelischen Klinik nicht positiv betrachtet. Wenn die israelischen Ärzte Erekat nicht retten können und er in der Jerusalemer Klinik stirbt, dann wird Israel vorgeworfen werden, man habe Erekat getötet.

Egal wie man es betrachten und beurteilen will, so hat Israel über Generationen hinweg immer seinen Feinden in Notzeit geholfen. Erekat ist nicht der erste und letzte Palästinenser, der von Israelis behandelt wird. Zur Erinnerung: Das jüdische Volk ist weniger zum christlichen Gebot der Feindesliebe im Neuen Testament verpflichtet. Aber Israel und das jüdische Volk verhält sich oft christlicher als christliche Nationen, wie in diesem Fall. Und dies können nicht alle verstehen und dies wollen auch nicht alle umsetzen, denn dies ist aus jüdischer Denkweise ein christliches Gebot und deshalb fremd für Juden. Aber dennoch verhalten sich Juden oft barmherziger gegenüber ihren Feinden, denn auch Jesus war schliesslich ein Jude. Dieses Gen steckt wahrscheinlich einfach in der jüdischen DNA. (Aviel Schneider,ih)



Kategorien:Gesellschaft

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